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#038 Der Stoff, aus dem die 60er waren

Shownotes

In dieser Folge:

1943 radelt ein Mann mit dem Fahrrad nach Hause. Ein normaler Vorgang, könnte man meinen. Doch plötzlich beginnt sich die Welt um ihn herum zu verändern. Die Straße führt nach oben, in den Himmel, sie krümmt und schlängelt sich. Zu Hause angekommen sieht er Gestalten durch den Raum schweben. Eine davon eine Hexe - oder doch seine Nachbarin?

Was wie ein Horrortrip beginnt, beschreibt der Entdecker einer ganz bestimmten Substanz später als wunderbares Erlebnis.

Und er soll nicht allein damit bleiben.
In den 60er Jahren gibt sich eine ganze Generation von Flower-Power-Bewegten rauschhaften Visionen hin.

Die psychedelische Revolution ist geboren.


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Transkript anzeigen

00:00:01: Basel, neunzehnte April, nineteenhundertdreiundvierzig.

00:00:07: Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag – ein Mann im mittleren Alter verlässt ein Gebäude, schwingt sich auf den Fahrradsattel und fährt los!

00:00:17: Die ersten Meter verlaufen völlig normal.

00:00:20: Die Straße liegt da wo sie immer liegt.

00:00:23: Die Häuser stehen brav links- und rechts herum.

00:00:27: Alles wirkt beschaulich ordentlich Beinahe langweilig.

00:00:32: Dann beginnt die Welt, sich zu benehmen wie eine schlecht eingestellte Kinoprojektion.

00:00:45: Die Straße dehnt sich plötzlich in die Länge und verläuft kurvig Gen Himmel.

00:00:51: Aber das kann doch nicht sein!

00:00:53: Und warum kommt er nicht vom Fleck?

00:00:56: Was ist mit seinem Fahrrad

00:00:57: los?!

00:00:59: Und dann kommen die Farben.

00:01:02: Nicht einfach Farben sondern Farben, die er nicht fassen kann.

00:01:07: Immer wenn er meint, eine zu erkennen beginnt sie zu pulsieren, zu rotieren oder zu explodieren.

00:01:15: Muster tauchen auf, falten sich auseinander werden zu neuen Mustern.

00:01:21: ganze Landschaften aus geometrischen Figuren entstehen vor seinen Augen als hätte jemand einen Kaleidoskop mitten in seinem Gehirn verpflanzt.

00:01:31: Er liegt auf dem Sofa das Herz rast Die Gedanken überschlagen sich.

00:01:38: Die Möbel beginnen ein Eigenleben zu entwickeln, der Kautstisch wirkt plötzlich ausgesprochen misstrauisch und aus der Zimmerpflanze wachsen Tentakel die ihn geschimpfen und auffordern endlich die Welt zu retten.

00:01:54: Der Mann starb mit weit aufgerissenen Augen auf die seltsamen Gestalten die durch den Raum auf ihn zuschweben.

00:02:02: Eine davon landet vor seinem Sofa.

00:02:05: Sie hat ein hart geschnittenes Gesicht, stechende Augen und einen Ausdruck der nichts Gutes verheißt.

00:02:14: Eine Frau irgendwie kommt sie ihm bekannt vor aber sie gleicht einer Figur aus einem düsteren Märchen man könnte sagen eine Hexe eine dieser Hexen die in alten Geschichten am Waldrand wohnen mit schmalen Lippen spitzen Blick und der unübersehbaren Absicht jemandem nichts Gutes zu wollen.

00:02:39: Der Dorfarzt erscheint, er untersucht den Patienten.

00:02:44: Puls normal Blutdruck normal Atmung normal.

00:02:49: Medizinisch gesehen sitzt da einfach nur ein etwas blasser Mann auf dem Sofa.

00:02:55: Nur dieser Mann selbst reist gerade durch mehrere Universen gleichzeitig.

00:03:01: Nach einigen Stunden ändert sich die Stimmung.

00:03:05: Die Angst schwindet, die Bilder bleiben aber sie werden plötzlich schön.

00:03:12: Farben leuchten, Formen tanzen ganze Bildwelten entstehen und lösen sich wieder auf elegant fließend beinahe melodisch.

00:03:25: der Mann liegt still auf seinem Sofa und schaut zu erstaunt und beglückt.

00:03:33: Und draußen steht noch immer das Fahrrad!

00:03:51: Willkommen zu Geschichten der Medizin, dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle.

00:04:04: Ich bin Kerstin – Ärztin und Erzählerin.

00:04:10: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen- und dramatische Diagnosen Mal weltbewegend, mal ganz persönlich.

00:04:22: Immer medizinisch – immer spannend!

00:04:31: Der Stoff aus dem die Sechziger waren Das so beschauliche Ländchen Schweiz Nicht bekannt für Drohgexesse jeglicher Art.

00:04:48: Dazu ein gediegen und seriös wirkender Protagonist in mittleren Alter.

00:04:53: Wie passt das alles mit einem Horrortrip zusammen?

00:04:57: Schauen wir uns unseren Protagonisten etwas näher an.

00:05:01: Albert Hofmann kommt sechs in Baden, in der Schweiz auf die Welt.

00:05:07: Er wächst in einfachen Verhältnissen auf.

00:05:10: Als sein Vater ein Werkzeugmacher schwer erkrankt muss er zum Familienunterhalt beitragen und absolviert daher eine kaufmännische Lehre während er sich auf das Abitur vorbereitet.

00:05:24: Allerdings interessiert er sich schon früh für etwas ganz anderes, nämlich für die Natur.

00:05:31: Und um dieser auf den Grund zu gehen beginnt er, von zwanzig ein Studium der Chemie das ihm sein Patenonkel finanziert.

00:05:41: Das scheint in der Geschichte der Medizin doch ziemlich häufig vorzukommen.

00:05:45: so konnte der Erfinder des Penicillins Alexander Flemming zum Beispiel nur deshalb Medizin studieren weil er von seinem Onkel eine Geldsunge erbte, aber zurück zu unserem Schweizer Chemiker.

00:05:59: Albert Hofmann beendet neunzehntundundzwanzig sein Studium mit der Promotion und tritt seine erste und einzige Stelle bei dem großen Pharmakonzern Sandos in Basel an.

00:06:12: Dort soll er an der Entwicklung eines kreislaufwirksamen Medikamentes mitwirken.

00:06:18: Dazu arbeitet er mit einem Pilz ,der Mutterkorn genannt wird.

00:06:23: Stellt euch ein reifes Rockenfeld vor.

00:06:26: Die Ehren stehen dicht und goldgelb im Wind, zwischen den Körnern steckt jedoch manchmal etwas Fremdes.

00:06:33: Längliche dunkle Gebilde fast schwarzviolett – hart wie kleine Hörnchen!

00:06:39: Diese Gebilde sind Mutterkorn.

00:06:42: Biologisch handelt es sich nicht um einen Korn sondern um den Dauerkörper eines Pilzes.

00:06:48: der Rockenbefeld Statt eines normalen Getreidekorns wächst aus der Ehre dieses dunkle, hornartige Gebilde.

00:06:59: Im Mittelalter war das gefürchtet – wenn Rocken mit Mutterkorn vermahlen wurde, gelangten die Giftstoffe des Pilzes ins Brot.

00:07:07: Das passierte oft als Begleiterscheinung von Hungersnöten, wenn große Teile der ärmeren Bevölkerung zum Verzehr von Ungereinigten vom Felde aufgelesenen Getreid gezwungen waren!

00:07:20: Auch sonst waren die Armen des Mittelalters und der frühen Neuzeit eher von solchen Vergiftungen durch das Mutterkorn betroffen, da sie meist das billigere aus kaum gereinigten Korn hergestellte Brot verzehrten.

00:07:35: Der Pilz breitete sich damals vielfach in den feuchten Kornspeichern aus, die einen idealen Nährboden für das Mutterkonn darstellten.

00:07:44: Die Folge waren Krämpfe- und Halluzinationen.

00:07:48: da dieses Mutterkorn die Gefäße verengt, konnten schlimme Durchblutungsstörungen eintreten.

00:07:55: Finger oder ganze Gliedmaßen starben ab – diese Vergiftung nannte man Antoniusfeuer!

00:08:02: Aber auch damals war schon die Bedeutung des Mutterkorns als wehenförderndes und blutstillendes Mittel bekannt.

00:08:11: Bei der Frage Warum das Ding eigentlich Mutterkorm heißt, herrscht keine Einigkeit?

00:08:18: Die eine Fraktion sagt, ganz einfach.

00:08:21: Das schwarze Gebilde wächst dort wo normalerweise ein Korn sitzen würde und Mutter sei im alten Deutsch einfach eine Art Knolle oder Verdickung also gewissermaßen das Urkorn – das Mutterkorn.

00:08:38: die andere Fraktion hebt den Finger und sagt Moment mal!

00:08:42: Hebammen wussten schon seit Jahrhunderten dass dieses Zeug wehen auslösen kann.

00:08:49: Mutter im Sinne von Gebärmutter, also das Korn, das die Geburt in Gang bringt.

00:08:57: Aber wie auch immer das Mutterkorn zu seinem Namen gekommen ist – viel wichtiger ist ja seine Wirkung!

00:09:04: Diese rührt von den Alkaloiden, die der Pilz produziert.

00:09:09: Alkaloide sind natürlich vorkommende stichstoffhaltige organische Moleküle die meist von Pflanzen oder Pilzen gebildet werden und oft eine starke biologische Wirkung haben.

00:09:23: In den neunzehnhundertdreißiger Jahren untersucht man bei Sandos systematisch diese Wirkstoffgruppe, weil einige ihrer Vertreter bereits medizinisch genutzt werden – etwa zur Stillung von Blutungen nach Geburten oder zur Beeinflussung von Glutgefäßen.

00:09:39: Einer der Forscher ist Albert Hofmann.

00:09:43: Er versucht, aus den Mutterkornalkaloiden neue chemische Varianten herzustellen.

00:09:50: Dazu verändert er Schritt für Schritt die Molekülstruktur – eine Art chemisches Ausprobieren bei dem man ein Grundmolekül immer wieder leicht verändert.

00:10:17: Es ist die fünfundzwanzigste Variante in einer langen Reihe von Experimenten.

00:10:24: Zunächst scheint die Substanz wenig interessant, Tierversuche zeigen keine besonders auffälligen medizinischen Effekte und die Verbindung wird beiseitegelegt.

00:10:36: Erst fünf Jahre später, nineteenhundertdreiundvierzig nimmt Hofmann die Substance noch einmal zur Hand Aus einer Art Vorahnung.

00:10:46: Es ist Freitag, der sechzehnte April und es ist der Freitags als der siebenundreißigjährige Hofmann während seiner Arbeit im Labor plötzlich eine eigenartige Unruhe und ein Schwindelgefühl überfällt.

00:11:02: Deshalb fährt er vorsichtshalber nach Hause.

00:11:05: Dort stellen sich intensive kaleidoskopartige farbigen Visionen ein.

00:11:12: Er sagte zu später, ich musste das Labor verlassen.

00:11:17: Ich hatte das Gefühl es passiert etwas mit dir!

00:11:21: Ich fuhr mit dem Velo nach Hause, legte mich hin und hatte ein wunderbares Erlebnis.

00:11:28: Was immer ich mir vorstellte war bildhaft vor mir tief beglückend.

00:11:33: Es dauerte drei vier Stunden Und dann verschwand es.

00:11:39: Hoffmann kann sich das Ganze nicht erklären aber er vermutet irgendeinen Zusammenhang mit seiner Laborarbeit.

00:11:47: Eventuell ist er mit einem merkwürdigen Stoff in Kontakt gekommen.

00:11:52: Seine Neugier ist also geweckt, aber er weiß nicht welcher Stoff die merkwürdigen Visionen hervorgerufen haben könnte.

00:12:00: Am Montag der nächste Arbeitstag nach dem Wochenende verdächtigt er ein chloroformhaltiges Lösungsmittel.

00:12:08: Chloroform hat ja eine sedierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem.

00:12:13: Und eines muss man Hofmann lassen – er ist nicht besonders ängstlich, also schnüffelt er an dem Lösungsmittel und merkt nichts!

00:12:24: Er überlegt weiter und fragt sich was er am Freitag noch so alles im Labor getan hat?

00:12:31: Und da erinnert er sich daran dass er das Lyserk-Säure-Diethylamid umkristallisiert hat, was auch immer das sein mag.

00:12:41: Aber es ist ein O-Ton von Hofmann!

00:12:45: Er ist skeptisch.

00:12:46: Warum sollte ausgerechnet diese Substanz eine derartig außergewöhnliche starke Wirkung auf das menschliche Bewusstsein hervorrufen?

00:12:56: Und unserer mutiger Forscher überlegt sich jetzt Folgendes, um das herauszufinden... Könnte es nicht sein, daß er am Freitag ein bisschen schlampig gearbeitet hat und dabei ein winziges Bisschen dieser Substanz auf seine Finger gelangt ist?

00:13:15: Also extrahiert er eine Dosis die geringer ist als alle ihm bekannten Gifte um einigermaßen auf der sicheren Seite zu sein.

00:13:24: Tja!

00:13:26: Und dann nimmt er extra diese sehr kleine Dosis zu sich und lässt sich vorsorglich von seiner Assistentin Susi Rammstein beaufsichtigen.

00:13:37: Also er trifft schon Vorsichtsmaßnahmen, das sollte doch gut gehen!

00:13:42: Nun ja….

00:13:44: Und jetzt erinnern wir uns an das Intro dieser Folge – und ich muss zugeben, dass ich da aus dramaturgischen Gründen ein bisschen was dazu gedichtet habe ….

00:13:56: Aber hier folgt jetzt die Originalbeschreibung von Alfred Hofmann selbst Zitat.

00:14:33: Nur viel tiefgreifender.

00:14:36: Ich konnte nur noch mit größter Anstrengung verständlich sprechen und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch informiert war, mich nach Hause zu begleiten.

00:14:47: Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm ein Zustand bedrohliche Formen an – alles in meinem Gesichtsfeld schwangte und war verzert wie im gekrümmten Spiegel!

00:14:59: Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Rad nicht vom Fleck zu kommen.

00:15:03: In dessen sagte mir später meine Assistentin, wir seien sehr schnell gefahren.

00:15:08: Zu Hause angelangt wurden Schwindel und Ohnmachtsgefühl zeitweise so stark dass ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich auf ein Sofa hinlegen musste.

00:15:19: Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt die vertrauten Gegenständennamen Groteske meist bedrohliche Formen an.

00:15:29: sie waren in Dauern der Bewegung wie belebt wie von innerer Unruhe erfüllt.

00:15:34: Die Nachbarsfrau war nicht mehr Frau R, sondern eine bösartige heimtückische Hexe mit einer farbigen

00:15:42: Fratze.".

00:15:46: Der Dorfarzt wird gerufen und findet nichts!

00:15:50: Er befördert Hofmann ins Bett.

00:15:53: Hofmann selbst beschreibt das Erlebnis später als Horror-Trip.

00:15:57: Seine Frau kommt mit den Kindern aus Luzern zurück.

00:16:01: Währenddessen hat sich die Qualität der Vision verändert.

00:16:05: Bedrohliche Halluzinationen haben sich in rauschhafte, farbige Bildwelten verwandelt.

00:16:13: Hofmann erlebt ein – wie er sagt – wunderbares Wiedergeburtgefühl!

00:16:19: Jetzt begann ich allmählich das unerhöhrte Farben- und Formenspiel zu genießen, dass hinter meinen geschlossenen Augen andauerte.

00:16:27: Kaleidos kupartig sich verändert, drangen bunte, fantastische Gebilde auf mich ein.

00:16:34: In Kreisen und Spiralen sich öffnend und widerschließnd, in Farbfontänen zersprünt, sich neu ordnend – und kreuzend – entständigen Fluss!

00:16:46: Besonders merkwürdig war wie alle akustischen Wahrnehmungen etwa das Geräusch einer Türklinke oder ein vorbeifahrendes Auto sich in optische Empfindungen verwandelten.

00:16:59: Jeder laut erzeugte ein inform- und farbeentsprechendes, lebendig wechselndes Bild.

00:17:08: Später kommt heraus dass er – obwohl schon extra reduziert– immer noch die drei bis fünf fache Dosis für eine wie auch immer geartete Inanführungsstrichen normale Wirkung, Interess hatte und daher einen Horrortrip durchmachte der inzutiefst ängstigte.

00:17:32: Zitat nochmal Ich dachte Jetzt hast du eine große Erfindung gemacht?

00:17:37: Und jetzt musst du gehen!

00:17:41: Seine von starken Halluzination begleitete Fahrradfahrt vom Labor nach Hause geht übrigens unter dem Namen Fahrradtag In die Geschichte der LSD Kultur ein.

00:17:53: Hoffmann übergibt seinem Vorgesetzten einen schriftlichen Bericht darüber.

00:17:59: Der glaubt ihm jedoch nicht, also macht er auch ein Versuch mit der Substanz – nimmt aber nur ein Viertel der Dosis.

00:18:08: Diese Erfahrung hat ihn überzeugt!

00:18:13: Sanos beginnt mit ersten Studien.

00:18:16: Diese entsprechen jedoch nicht den heutigen Standards randomisierter klinischer Studien.

00:18:22: Ein großer Teil der Forschung besteht aus kleinen explorativen Versuchen und Fallstudien, oft mit erstaunlicher wissenschaftlicher Freiheit.

00:18:33: Und so verwundert es nicht, dass einer der Probanden Albert Hofmann selbst ist!

00:18:41: Doch als er in seinem Labor wieder LSD einnimmt, erlebt er einen schlechten Trip – er führt das zurück auf die Umgebung.

00:18:50: Lauter Weißkittel beschwert er sich.

00:18:53: Er will die Substanz in einer anderen Umgebung erleben, also startet er einen nächsten Versuch in seinem Privathaus.

00:19:01: Schriftsteller Ernst Jünger und ein Pharmakologe sind auch anwesend!

00:19:07: Es soll ein geplanter, psychedelischer Versuch mit korrekter Dosis in schöner Umgebungen mit Ausblick auf eine Wiese stattfinden.

00:19:18: Alle drei nehmen die Substanz ein, erleben wunderbare Visionen und genießen nach Mütternacht auch noch ein Gläschen Wein.

00:19:28: Eine durchaus angenehme Erfahrung, die der Schriftsteller Jünger so beschreibt... Jetzt schlägt die Flamme hervor, das Herz – die Lunge antworten.

00:19:52: Die Sinne werden schärfer auch für das

00:19:55: Blut.".

00:19:59: Man kann wohl sagen, dass LSD hat auf jeden Fall gewirkt!

00:20:04: Aber wie werden die Wirkungen allgemein beschrieben?

00:20:09: LSD gilt als Bewusstseinsverändernde also psychoaktive Substanz, Und die Wirkung ist heftig.

00:20:21: Es gehört zu den stärksten Halluzinogenen.

00:20:24: Hoffmann sagt, dass es alle Sinnescherfe – man sehe höhere und fühle intensiver und sehe dadurch die Welt anders!

00:20:34: Aber er sagt auch, das LSD ist zu mir gekommen.

00:20:39: Ich habe es nicht

00:20:40: gesucht.".

00:20:42: In den neunzehntfünfziger Jahren taucht in der Geschichte der Erforschung psychoaktiver Substanzen eine Figur auf, die zwar nicht so berühmt ist wie Albert Hofmann.

00:20:53: Aber trotzdem einen bleibenden Beitrag leistet – der britische Psychiater Humphrey Osment.

00:21:01: Osment arbeitet damals in Kanada in der klinischen Erfassung von Bewusstseins erweiternen Stoffen.

00:21:09: Das Problem ist nur... Wie soll man diese merkwürdigen Substanzen eigentlich zusammenfassen?

00:21:16: Der damals übliche Fachbegriff lautet psychotomimetisch, also etwas das eine Psychose nachahmt.

00:21:26: Osmund findet es unerquicklich.

00:21:29: Erstens klingt es wie eine Diagnose aus einem sehr düsteren Lehrbuch und zweitens wird es der Erfahrung vieler Probanden nicht gerecht die ihre Sitzung eher als erkenntnisreich, als krankhaft beschreiben.

00:21:47: Also schlägt er einen neuen Begriff vor.

00:22:10: Um die Hölle auszuloten oder Engels gleich aufzusteigen, genügt eine Prise Psychedelikum.

00:22:18: Damit ist das Wort geboren.

00:22:21: Psychedelisch kommt aus dem Griechischen, Psyche, Seele- oder Geist und Delum sichtbar machen.

00:22:30: Gemeint es also etwas, dass den Geist sichtba macht?

00:22:35: Der Begriff setzt sich erstaunlich schnell durch Und so kommt es, dass ein britischer Psychiater mit einem Hank zu Wort spielen ganz nebenbei einen Ausdruck erfindet der später die Musik, die Kunst, die Mode und die gesamte Gegenkultur der neunzelhundertsechziger Jahre prägen wird.

00:22:58: Aber zunächst gilt LSD in der Medizin als Hoffnungsträger vor allem in der Psychiatrie.

00:23:06: Es löst blockierte Patienten, die nicht mehr ansprechbar sind, so dass sie behandelbar werden – etwa im Rahmen der klassischen Psychoanalyse", so sagt Hofmann.

00:23:18: Dementsprechend nennen die Psychater diese Sitzungen auch psychedelische Sitzung.

00:23:27: Da diese Substanz in den Laboratorien des Pharmakonzerns Sandos entdeckt wurde liegt es nahe, daraus ein Medikament zu entwickeln.

00:23:38: Und so bringt Sandoz die Substanz ab aus dem Namen Dylizid auf den Markt.

00:23:47: Eingesetzt wird sie in der Psychoanalyse bei Alkoholkranken und in der experimentellen Psychiatrie.

00:23:56: Aber man höre und staune – das Präparat wird sogar den behandelnden Ärzten empfohlen!

00:24:02: Sie sollen die Wirkung am eigenen Leib oder besser an der eigenen Seele durchleben, um die Zustände ihrer Patienten besser nachvollziehen zu können.

00:24:14: Aber LSD kann auch selbst psychotische Zustände auslösen.

00:24:19: Während eines Trips können Warnideen, Realitätsverlust oder starke Ängste auftreten – Zustände, In den meisten Fällen verschwinden diese Symptome wieder, sobald die Wirkung der Substanz nachlässt.

00:24:36: Problematischer wird es bei jungen Menschen oder Menschen, die ohnehin eine entsprechende Veranlagung haben.

00:24:43: Bei ihnen kann LSD eine bislang verborgene Psychose zum Ausbruch bringen oder bestehende psychische Erkrankungen deutlich verschlimmern.

00:24:54: Daher darf auch schon damals Patienten mit Psychosen oder entsprechender familiärer Vorbelastung kein LSD-Präparat verabreicht werden.

00:25:05: So vorsichtig gehen aber nicht alle mit der neuen Substanz um!

00:25:11: Der amerikanische Psychologe und Harvard-Professor Timothy Leary fordert die Freigabe bewusstseinsverändernder Drogen für alle.

00:25:21: Es mache die Konsumenten zu besseren Menschen.

00:25:24: Leary ruft sogar die spirituelle Revolution aus und verteilt LSD unter anderem an Teenager.

00:25:34: Hofmann hält dagegen, es solle für Forschungszwecke aber nicht zum allgemeinen Gebrauch und schon gar nicht für Jugendliche freigegeben werden.

00:25:44: Er mahnt zur Vorsicht!

00:25:46: Für ihn ist LSD gleichzeitig faszinosum-und

00:25:51: furchteinflößend.".

00:25:54: Zitat, es ist nicht nur einfach das bekannte Bild.

00:25:58: Ein bisschen verzerrter oder bunter Es ist ein völlig anderes Programm.

00:26:04: und dass deshalb weil LSD unsere Sinne verändert.

00:26:08: Man sieht besser man hört besser alles wird intensiviert.

00:26:13: Insofern hat auch Timothy Leary recht wenn er behauptet es sei auch das größte Aphrodisiakum.

00:26:21: Der Mechanismus des LSD ist ganz einfach.

00:26:25: Die Tore der Wahrnehmung werden geöffnet und wir sehen plötzlich mehr von der Wahrheit, aber er sagt auch – LSD braucht Vorbereitung und eine gewisse Reife!

00:26:39: Und es ist unverantwortlich dass man Menschen deren Psyche noch in der Entwicklung isst mit solch einem Instrument hinein

00:26:47: fährt.".

00:26:49: Man sieht also Letztendlich ist Hoffmann hin und her gerissen.

00:26:54: Einerseits, ist er von der Bewusstseins erweiternenden Wirkung fasziniert andererseits betont aber auch immer wieder die Gefahr, die zum Beispiel vor allem für Jugendliche von LSD ausgeht.

00:27:09: Timothy Leary ist übrigens nicht der Einzige, der die neue Wunderdroge für sich vereinnahmen will eine Substanz, Da lässt der amerikanische Geheimdienst CIA nicht lange auf sich warten.

00:27:28: Was lege da näher, als LSD-als Waffe oder Wahrheitsdroge einzusetzen?

00:27:36: In den frühen nineteenhundertfünfziger Jahren befindet sich die Welt mitten im Kalten Krieg – in Washington wächst die Sorge, die Sowjetunion oder China könnten Methoden entwickelt haben mit denen sich der menschliche Geist manipulieren lässt, etwa um Gefangene zum Reden zu bringen oder Menschen dauerhaft zu beeinflussen.

00:27:58: In diesem Klima beginnt die CIA ein geheimes Forschungsprogramm das später zu einem der berüchtigsten Projekte der Geheimdienstgeschichte wird.

00:28:09: Der offizielle Name lautet Project MKUltra.

00:28:15: Das Programm startet.

00:28:19: Verantwortlich ist der Chemiker Sidney Gottlieb, der innerhalb des CIA eine Abteilung für Technical Services leitet.

00:28:28: Sein Auftrag ist, Substanzen und Methoden zu finden mit denen sich bewusst sein Verhalten und Erinnerungen von Menschen beeinflussen lassen.

00:28:39: Die Forschung konzentriert sich auf alles was in irgendeiner Form die Psyche verändert Hypnose Schlafentzug Elektroschocks, sensorische Isolation und eine Vielzahl psychoaktiver Substanzen.

00:28:56: Eine davon rückt schnell ins Zentrum des Interesses – LSD!

00:29:02: Man fragt sich ob LSD ein Wahrheitsserum sein könnte oder ein Mittel um Gegner zu desorientieren?

00:29:11: Vielleicht sogar ein Werkzeug, um Menschen gefügig zu

00:29:15: machen?!

00:29:16: Die Frage ist also….

00:29:18: Lässt sich das Bewusstsein kontrollieren.

00:29:21: Um Antworten zu finden, beginnt eine Reihe von Experimenten – viele davon unter strengster Geheimhaltung!

00:29:30: Ein Teil der Forschung findet an Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen statt.

00:29:36: Insgesamt umfasst MKUltra mehr als hundert Teilprojekte.

00:29:43: Universitäten-, Gefängnisse- und Krankenhäuser werden als Forschungspartner gewonnen oft ohne zu wissen, dass sie in Wahrheit für ein CIA-Programm arbeiten.

00:29:54: Die Versuchspersonen sind sehr unterschiedlich.

00:29:58: Manche nehmen freiwillig teil – etwa Studenten oder Patienten im psychiatrischen Kliniken.

00:30:05: Andere sind Gefangene, denen eine Teilnahme als Gegenleistung für kleine Vergünstigungen angeboten wird.

00:30:13: In vielen Fällen wissen die Teilnehmer jedoch nicht genau welche Substanz sie erhalten.

00:30:20: Besonders problematisch wird ein anderer Teil der Experimente.

00:30:25: In einigen Studien wird LSD Menschen ohne ihr Wissen verabreicht.

00:30:32: CIA-Mitarbeiter mischen die Substanz heimlich in Getränke oder Speisen, um zu beobachten wie Menschen reagieren wenn sie völlig unvorbereitet mit der Wirkung konfrontiert werden.

00:30:47: Betroffen sind nicht nur Zivilisten, sondern auch Angehörige des Militärs und sogar Mitarbeiter der Geheimdienste selbst.

00:30:57: Ein besonders fragwürdiges Teilprojekt trägt den Namen Operation Midnight Climax.

00:31:04: In den späten neunzenhundertfünfziger Jahren richtet die CIA in San Francisco und New York mehrere Wohnungen ein, die äußerlich völlig normal erscheinen.

00:31:16: Tatsächlich sind sie aber mit Einwegspiegeln und versteckten Beobachtungsräumen ausgestattet.

00:31:24: Der Ablauf ist mehr als ungewöhnlich, prostituierte Lockenmänner in diese Wohnungen.

00:31:31: Die Männer erhalten Getränke denen heimlich LSD beigemischt wurde.

00:31:36: Während die Droge zu wirken beginnt, beobachten CIA-Mitarbeiter hinter Spiegelwänden das Verhalten der Betroffenen.

00:31:45: Das Ziel ist angeblich wissenschaftlich.

00:31:48: Man möchte herausfinden, wie LSD das Verhalten verändert und ob Menschen unter dem Einfluss der Substanz leichter Informationen preisgeben?

00:32:00: Nicht alle Experimente verlaufen harmlos!

00:32:04: Der bekannteste Zwischenfall betrifft den amerikanischen Biochemiker Frank Olson.

00:32:10: Olsen arbeitet in den neunzehntfünfziger Jahren für ein militärisches Forschungsprogramm, das sich mit biologischen Waffen beschäftigt.

00:32:20: Neunzehnhundertdreiundfünftig nimmt er an einem Treffen mit Geheimdienstmitarbeitern teil.

00:32:27: Während dieses Treffens erhält er ohne sein Wissen LSD.

00:32:33: In den folgenden Tagen zeigt er deutliche psychische Veränderungen.

00:32:38: Wenige Tage später stürzt er aus dem Fenster eines Hotels in New York und kommt ums Leben.

00:32:47: Der Vorfall wird zunächst als Selbstmord dargestellt.

00:32:51: Jahrzehnte später werfen neue Untersuchungen Zweifel an dieser Darstellung auf, weil eine Exhumierung eine Kopfverletzung vor dem Fenstersturz nahe liegt.

00:33:02: Es kommt der Verdacht auf dass Olsen durch seine psychische Verfassung infolge der LSD-Einnahme zum Sicherheitsrisiko geworden sein könnte und daher eventuell beseitigt wurde.

00:33:15: Aber der genaue Hergang bleibt bis heute ungeklärt.

00:33:20: Das gesamte MK-Altra-Programm läuft etwa zwanzig Jahre lang, erst Anfang der neunzehntiesiger Jahre wird es beendet.

00:33:29: Kurz darauf ordnet der damalige CIA-Direktor Richard Helms an große Teile der Akten zu vernichten.

00:33:38: Tausende Dokumente verschwinden.

00:33:42: Die Existenz des Programms wird erst Mitte der neunzehntiebziger Jahre öffentlich, als der amerikanische Kongress eine Reihe von Untersuchungen zu geheimen Geheimdienstoperationen einleitet.

00:33:56: Wie viele Menschen tatsächlich an den Experimenten beteiligt waren, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen – Schätzungen gehen von mehreren tausend Versuchspersonen aus!

00:34:09: und letztendlich bleiben die Versuche glücklicherweise ohne konkrete Umsetzung, da die Reaktionen der Probanden nicht vorhersehbar sind.

00:34:20: Rückblickend gilt MKALTRA als eines der umstrittensten Kapitel der amerikanischen Geheimdienstgeschichte – Die Experimente verletzten grundlegende ethische Prinzipchen der medizinischen Forschung, insbesondere das Prinzip der informierten Zustimmung von Versuchspersonen.

00:34:41: Währenddessen beschäftigt sich Hofmann weiter mit der von ihm entdeckten Substanz, und dafür reist er in twohundsechzig nach Mexiko.

00:34:52: Er will wissen wie indigene Kulturen mit Bewusstseins verändernden Pflanzen umgehen.

00:34:59: Sein Ziel ist die mazatekische Heilerin Maria Sabina – sie führt sogenannte Viladas durch!

00:35:08: Eine Velada ist eine nächtliche Zeremonie.

00:35:12: Sie beginnt meist spät am Abend in einem dunklen Raum.

00:35:16: Es gibt Kerzen, Gebete und Gesänge.

00:35:19: Die Teilnehmer sitzen oder liegen auf Matten.

00:35:22: die Schamanen führt durch die Nacht.

00:35:25: Das zentrale Element sind psilozybienhaltige Pilze Chemische Verwandte von LSD, die die Mazateken Ninos Santos Heilige Kinder nennen.

00:35:38: Die Teilnehmer essen die Pilze, danach beginnt eine mehrstündige Phase intensiver Wahrnehmungen bis hin zu Extase.

00:35:48: Hofmann nimmt an einer solchen Velada teil.

00:35:52: Er stellt fest, dass die Wirkung der Pilze in vielerlei Hinsicht dem ähnelt was er mit LSD erlebt hat.

00:36:01: Indigene Kultur nutzten also bereits seit Jahrhunderten natürliche psychedelische Substanzen in rituellen Zeremonien.

00:36:12: In den Sechzigerjahren verändert sich das Bild auf den Straßen, besonders in den USA.

00:36:19: Gebartigte Tücher, Stirnbänder, Blumen im Haar, Rundesonnenbrillen, Räucherstäbchen, Pießzeichen, bemalte VW-Busse, Woodstock, freies Tanzen zu Gitarrenrips Und nicht zuletzt so ein beseelter Blick.

00:36:39: Gleichzeitig ganz nah und ganz weit weg, ganz weit.

00:36:46: Nah klingelt da etwas?

00:36:56: Richtig!

00:36:57: Hippies die Flower Power Bewegung der Sechziger.

00:37:03: Und LSD ist mittendrin sozusagen als sakrale Droge der Jugendbewegung.

00:37:11: Aussteiger vereinen Namen LSD-Trips als Flucht vor der von manchen empfundenen Banalität und Konformität der Gesellschaft.

00:37:22: Und sie nutzen LSD als Partigroge!

00:37:26: Man findet auch heute noch blumige Beschreibungen für das Phänomen der Sechziger, psychedelische oder spirituelle Revolution – Revolution des Bewusstseins Explosion aller psychedelischen Drogen in die Kultur.

00:37:45: Und da wären wir schon im Bereich der Gesellschaft, der wie kein anderer mit LSD verbunden ist.

00:37:54: Kultur Kulturschaffende der ganzen Welt vereinen sich quasi zu einer kreativen Bubble deren künstlerische Initialzündungen nicht selten unter dem Einfluss von LSD stattfinden.

00:38:10: Die bildende Kunst schwäht im Formenrausch.

00:38:13: Ornamente und Lichterschoß beseelen die Hippies in fliederfarbenden Tunicas, die Beatles-Tönen in den Sehnspielen von LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS abgekürzt LSD.

00:38:29: Jimi Hendrix und der englische Sänger Eric Burden berichten später von gemeinsamen LSD-Trips in der Londoner Klubszene der Sechzigerjahre.

00:38:40: Eric Burden sagt später dazu, wenn ich selbst zwei Trips einnahm, nahm Jimi Hendrix fünf und konnte immer noch zwei Gitarren gleichzeitig spielen – aber auch vor der Filmindustrie macht LSD nicht Halt!

00:38:55: Es wird im Film wie Easy Rider mit Dennis Hopper neunzehntneinundsechzig verklärt und fast zur eigenen Kunstform erklärt.

00:39:05: Und auch die Literatur ist voll von sprachgewaltigen LSD-Erfahrungen.

00:39:11: Eldes Leonard Huxley ist in den frühen Sechzigern ein britischer Schriftsteller und Philosoph, sein bekanntestes Werk ist der nineteenhundertdreißig erschienene dystopische Roman «Schöne neue Welt».

00:39:27: Huxley interessiert sich früh für bewusstseinsverändernde Substanzen.

00:39:33: Berühmt wird sein Essay The Doors of Perception, in dem er eine Meskalinerfahrung beschreibt die ihm der Psychiater Humphrey Osment ermöglicht hat.

00:39:44: LSD selbst betrachtet Huxlay ebenfalls als mögliches Werkzeug zur Erforschung des Bewusstseins.

00:39:52: Eine besonders bemerkenswerte Episode spielt sich am Ende seines Lebens ab.

00:39:58: Als Huxley in drei Jahren im Sterben liegt, bittet er seine Frau schriftlich auf einem Zettel LSD – hundert Mikrogramm intra-muskulär.

00:40:11: Sie erfüllt diesen Wunsch!

00:40:13: Huxly stirbt wenig später ruhig an genau dem Tag übrigens, an dem auch John F Kennedy ermordet wird.

00:40:22: Zu Lebzeiten soll er einmal gesagt haben, die grundlegende Natur des Universums ist Liebe.

00:40:32: Aber unter dem Einfluss psychoaktiver Drogen werden politischer Protest Kultur und Psychedelik auch zu einer Art Schmelztiegel für eine Gegenkultur.

00:40:45: Sie beinhaltet den Beginn der Frauenemanzipation, der Bürgerrechtsbewegung, der ökologischen Bewegung des Protestes gegen den Vietnamkrieg.

00:40:57: Viele Leitfiguren dieser Bewegung nehmen LSD, das sogenannte Anti-establishment wird geboren.

00:41:06: Mecca für all diese Strömungen ist San Francisco – das zeitweise fest in der Hand der sandalen tragenden Hippies zu sein scheint.

00:41:16: Aber durch die massenhafte und unkontrollierte Einnahme werden zunehmend Side Effects sichtbar.

00:41:26: Wegen falscher Dosierung erleben Menschen immer öfter Horror-Trips, Verbrechen werden im LSD Rausch verübt und Selbstmorde begangen.

00:41:36: Die amerikanischen Gesundheitsbehörden sind entsetzt – die Stimmung wandelt sich!

00:41:43: So wird der vorhin erwähnte Guru der Hippisszene Psychologieprofessor Timothy Leary Mit Samtteam, in nineteenhundertdreiundsechzig von der renommierten Harbert-Universität gefeuert.

00:41:56: Ninzehundertsechsundsechsig wird die Substanz zunächst in den USA und dann weltweit verboten.

00:42:06: Es ist ein totales Verbot und umfasst Herstellung, Besitz, Einnahme und Weitergabe von LSD.

00:42:16: Damit wird über Nacht – LSD illegal?

00:42:19: und jeder Umgang damit kriminalisiert.

00:42:24: Von einer auf die andere Sekunde ist auch die Forschung und Therapie an- und mit LSD verboten, und damit sterben alle Hoffnungen auf eine psychedelische Revolution.

00:42:38: Dennoch wird natürlich weiter konsumiert – unter anderem auch in einer Gruppe Gleichgesinnte, Charles Menzen.

00:42:52: Er versorgt seine, in Anführungsstrichen, Familie – die Menzenfamilie – mit LSD und unterzieht die Mitglieder einer Art Gehirnwäsche.

00:43:04: Alles gipfelt in furchtbaren Gräueltaten den sogenannten Menzenmorden bei denen Menzen selbst zwar nie eine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann er aber wegen Anstiftung zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wird.

00:43:22: Seine Anhänger hatten zum Beispiel die schwangere Ehefrau des Filmregisseurs Roman Polanski, Sharon Tate nachts in ihrem gemeinsamen Haus in Los Angeles ermordet – ein Tiefpunkt der erhofften psychedelischen Revolutionen.

00:43:41: LSD bleibt verboten!

00:43:44: Die Flower Power Bewegung ebt ab, aber die daraus entstandene Frauenbewegungen und Umweltschutzbewegung entwickeln sich weiter.

00:43:55: Und immer wieder tauchen in der Kultur- und Kunstszene Bezüge zur damaligen Flowerpowerzeit auf!

00:44:03: So soll sich zum Beispiel die Ausstattung – und insbesondere die Gestaltung – der Aliens maßgeblich auf LSD-Horror-Trips des Schweizer Künstlers Giger beziehen.

00:44:19: Giger formte auch unter dem Einfluss von LSD albtraumhafte Figuren, Körper die mit Maschinen verschmelzen und Formen, die zugleich organisch und fremdartig wirken.

00:44:34: als die Filmemacher für Alien nach einem Monster suchen das wirklich noch niemand gesehen hat Greifen Sie auf Gigas Bildband Necronomicon zurück.

00:44:46: Darin findet sich bereits eine Kreatur, die dem späteren Film Alien verblüffend ähnlich sieht – eine Gestalt, die wirkt als sei sie direkt aus der Bildwelt psychedelischer Vision in einen Science-Fiction Horrorfilm hinübergekochen.

00:45:04: und eine ganze Generation von Kinobesuchern kuschelt sich gruselnd in die Polster Sessel.

00:45:12: In den neunziger Jahren erlebt LSD eine Wiederauferstehung in der Raver-Szene, als Wochenenddroge ohne Hippieüberbau oder politische Statements.

00:45:24: Aber auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit psychedelischen Substanzen flammt nach Jahrzehnten wieder auf.

00:45:31: und mitten drin Albert Hofmann, der eine Rede mit den Worten beginnt Ich bin ein Chemiker und kein Guru.

00:45:42: Eine wichtige weitere Rolle spielt dabei auch der züricher Neuropsychiater Franz Follenweider.

00:45:49: Am Universitätsspital Zürich untersucht er, was im Gehirn geschieht wenn Menschen Psychedelika einnehmen.

00:45:58: Dafür nutzt sein Team unter anderem die Positronen-Emissionstomographie kurz PET.

00:46:05: Mit dieser Methode lässt sich sichtbar machen welche Hirnregionen besonders aktiv sind und wie sich der Stoffwechsel im Gehirn verändert.

00:46:15: Die Untersuchungen zeigen eine gesteigerte Hirnaktivität unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen, insbesondere im Ptalamus – einer Art Umschaltsstelle für Sinneindrücke.

00:46:29: Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass Psychedelika die Filterfunktion des Gehirns lockern könnten, sodass mehr Reize ins Bewusstsein gelangen.

00:46:42: Solche Studien markieren einen wichtigen Schritt beim vorsichtigen Wiedereinstieg der Forschung in ein Gebiet, das nach den Verboten der nineteenhundertsechziger Jahre jahrzehntelang nahezu stillgelegen hatte.

00:46:57: Sie ändern aber nichts daran, dass LSD und vergleichbare psychoaktive Substanzen nach wie vor illegal sind!

00:47:08: Und wie erging es unserem Protagonisten?

00:47:12: Albert Hofmann blieb der Substanz, die er entdeckt hat – sein ganzes Leben lang verbunden.

00:47:20: Er arbeitete weiterhin für den Basler Pharmakonzern Sandoz, wo er später die Abteilung für Naturstoffforschung leitete.

00:47:28: Für Hofmann war LSD nie einfach eine Droge der Gegenkultur.

00:47:34: Er betrachtete die Substanz vielmehr als ein außergewöhnliches Werkzeug um die Funktionsweise des menschlichen Bewusstseins zu erforschen.

00:47:44: Sein Verhältnis zu LSD blieb dabei erstaunlich nüchtern.

00:47:49: Hofmann nahm die Substanz im Laufe seines Lebens noch gelegentlich selbst ein, jedoch selten und in kleinen bewusst gewählten Dosen.

00:47:59: Er betonte immer wieder – LSD verlange Respekt und Verantwortung!

00:48:05: Den Titel seiner Erinnerung wählte er daher mit Bedacht.

00:48:10: LSD, mein Sorgenkind!

00:48:14: Mit zunehmendem Alter wurde Hofmann zu einer Art Gallionsfigur der Psychedelika-Forschung.

00:48:21: Wissenschaftler, Historiker und sogar Künstler suchten das Gespräch mit ihm.

00:48:27: Seine Entdeckung brachte ihm zahlreiche Ehrungen ein – so wurde er mehrfach von wissenschaftlichen Gesellschaften ausgezeichnet, erhielt Ehrendoktor Würden und wurde in Fachkreisen immer wieder zu den bedeutenden Chemikern des zwanzigsten Jahrhunderts gezählt.

00:48:45: Im Jahr twoytausendsechs nahm er noch selbst an einem internationalen Symposium zu Ehren seiner Arbeit teil, im Alter von einhundert Jahren.

00:48:56: Zwei Jahre später starb Er!

00:48:59: Bis ins hohe Alter verfolgte Er mit wachen Interesse wie die Wissenschaft langsam wieder begann sich ernsthaft mit jener Substanz zu beschäftigen, die mehr als ein halbes Jahrhundert so vor dazu geführt hatte.

00:49:14: Dass er seine Nachbarin mit einer Hexe verwechselte Das war Geschichten der Medizin wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinander treffen ob weltbewegend oder ganz persönlich.

00:49:36: Die nächste Geschichte wartet schon Bis dahin, bleibt gesund.

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