Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

#036 Frühchen auf dem Jahrmarkt

Shownotes

In dieser Folge: Ein heißer Sommertag auf Coney Island in New York. Zwischen Achterbahn und Zuckerwatte stehen gläserne Brutkästen – und darin winzige Frühgeborene, kaum größer als eine Handfläche. Besucher zahlen Eintritt, um sie zu sehen.

Was wie ein makabres Spektakel wirkt, ist für viele dieser Kinder die einzige Überlebenschance. Hinter der „Baby-Show“ steht ein Arzt, der behauptet, tausende Leben gerettet zu haben – gegen den Widerstand der etablierten Medizin.

Doch je tiefer man in diese Geschichte eintaucht, desto mehr beginnt das Bild zu wanken.

Mein Psychothriller "Das ist nicht mein Kind":

📖 eBook und Taschenbuch bei Amazon

🎧 Hörbuch bei Audible (affiliated Link):

Meine Krimisatire "Die Reise der Hutschachtel"

📖 eBook und Taschenbuch bei Amazon

👩‍💼Hier geht's zu meiner Autorenwebsite:

📬Kontakt: hier geht's zu Instagram und Co

🔎Quellen:

🎵Musik:

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:00: Es ist Sonntag.

00:00:03: Ein heißer Sommertag, eure Familie braucht ein bisschen Fahrtwind viel Eiscreme und einen spannenden Tag in einem Vergnügungspark.

00:00:18: Los geht's nach Coney Island.

00:00:21: Ach ja!

00:00:22: Und ein bisschen Grusel soll auch dabei sein... ...und dafür gibt es ja die Freak Show.

00:00:29: Winzige oder misgebildete Menschen, siamesische Zwillinge Frauen mit Bad und Männer mit Bosen, eine Super Show.

00:00:39: Ein bisschen Gänsehaut inklusive!

00:00:42: Aber das alles kann nicht mit der Hauptattraktion mithalten – denn dahinten in dem großen weiß-lackierten Pavillon mit dem bunten Schild dort wartet etwas viel spannenderes….

00:00:58: Babys … aber nicht normale Babies sondern winzige einige kaum größer als eine Männerhand.

00:01:08: Sie liegen aufgereit in Boxen, manchmal ein Kind, manchmal zwei Kinder in einer dieser Kammern und wenn ihr eines näher betrachten wollt dann ist das kein Problem.

00:01:21: es findet sich immer eine Krankenschwester die eines der Babys herausnimmt damit ihr jede Einzelheit erkennen könnt und die vielen anderen Besucher in der Schlange, die sich an diesen merkwürdigen gläsernen Brutkästen vorbeischiebt.

00:01:40: Was für ein Live-Act!

00:01:42: Echte Babys!

00:01:44: Die Werbeplakate haben nicht zu viel versprochen.

00:01:48: Infant Incubators with Living Babies steht da in übergroßen Lettern geschrieben.

00:01:55: Ihr seht wie sie da liegen – die Babys.

00:01:59: Ihr seht, wie sie von den Krankenschwestern versorgt werden.

00:02:03: Ihr sehet, wie Sie ernährt werden.

00:02:06: ihr seht ,wie sie von einem Arzt behandelt werden.

00:02:10: Er zahlt Eintritt – nicht viel!

00:02:13: Das kann man sich schon mal leisten.

00:02:16: Was denkt ihr?

00:02:18: Eine Netflix-Dystopie?

00:02:21: Ein Albtraum nach einem geschenkten Tag?

00:02:24: oder Big Brother is watching you trash irgendeines Privatsinners?

00:02:30: Aber was nach einem Gruselkabinett aussieht, ist keine dystopische Zukunftsvision.

00:02:37: Sondern es ist wirklich passiert – und zwar schon vor über hundert Jahren!

00:03:17: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen.

00:03:20: Durch Seuchen, Entdeckungen und dramatische Diagnosen Mal weltbewegend, mal ganz persönlich Immer medizinisch immer spannend.

00:03:38: Früchen auf dem Jahrmarkt Philadelphia-Ninzenhundertzehn Eine Szene wie sie überall auf der Welt zehntausende Male täglich vorkommt.

00:03:54: Die Frau stöhnt und windet sich.

00:03:56: Sie presst, hächelt und presst wieder.

00:04:00: Das Kind gleitet aus dem Geburtskanal Doch es ist winzig.

00:04:06: Der alles erlösende Schrei bleibt aus.

00:04:10: der Geburtshelfer schüttelt stumm den Kopf.

00:04:13: die Frau schluft auf doch dann schnappt sie erneut nach Luft bläßt die Backen auf Und kaum drei Minuten später wartet sie wieder auf diesen einen laut.

00:04:26: Aber auch dieses Mal wird ein lebluses Bündel weggetragen, ohne dass sie einen Blick darauf werfen konnte.

00:04:34: Alle im Raum wissen diese kleinen Wesen haben keine Chance und Sie wissen das.

00:04:40: noch ein Drittes darauf wartet geboren zu werden – noch eine Todgeburt die arme Frau.

00:04:48: Doch dieses Mal bleibt es nicht still in dem spärlich eingerichteten, weißgetünchten Raum.

00:04:55: Das winzige Etwas gibt ein leises Wimmern von sich.

00:04:59: Die Frau startet die Krankenschwester entgeistert an und streckt die Hände aus – man legt ihr das Kind in die Arme.

00:05:08: Draußen vor der Tür erklärt der Arzt im wartenden Ehemann die harte Realität.

00:05:15: Das dritte Kind hat keine Überlebenschance.

00:05:18: Es wird spätestens in ein paar Stunden sterben.

00:05:21: Doch dieser Vater, ein einfacher Mann hat einen Artikel in der Zeitung gelesen.

00:05:28: Er hat von diesem Vergnügungspark auf Coney Island gehört – neunzig Meilen entfernt!

00:05:35: Der Geburtshelfer schüttelt verständnislos den Kopf als er der kleinen Familie nachsieht.

00:05:42: Der Mann stützt seine Frau.

00:05:45: Sie trägt das Bündel fest in eine Decke eingewickelt und schaut sich nicht noch einmal um.

00:05:54: Um zu erfahren, wie es dazu kam, dass ich auf Coney Island in New York irgendetwas befand was der Familie helfen könnte reisen wir dreißig Jahre zurück über den Atlantik nach Paris.

00:06:10: Stéphane Tangier ist ein französischer Geburtshelfer der Frühgeborenenmedizin.

00:06:19: Er arbeitet in Paris, unter anderem an der Maternité de Paris und sieht sich einem Problem gegenüber das russische Ärzte mit sogenannten Wärmewannen versuchen zu lösen – die Neugeborenensterblichkeit!

00:06:36: Insbesondere die schlechte Prognose der Frühgebornen Wärmewannen sind doppelwandige Konstruktionen aus Kupfer und Zinn, die nach dem Prinzip des Wasserbades funktionieren.

00:06:52: Das Kind wird in zwei ineinandergestellte Wannen gelegt – der Zwischenraum zwischen beiden Wannen wird mit heißem Wasser befüllt um das Kind in der inneren Wanne zu wärmen.

00:07:05: Es ist ein gewaltiger Fortschritt!

00:07:07: Doch ein entscheidendes Problem bleibt ungelöst Die Wannen sind nach oben offen.

00:07:14: Die warme Luft verfliegt sofort in die zugigend hohen Säle der Kliniken, während die eiskalte Atemluft ungehindert zu den zerbrechlichen Lungen der Kinder dringt.

00:07:27: Glücklicherweise geht Tanje wohl ganz gerne in den Zoo und so kommt es, dass ihm im Jahr achtzehnhundert achtundsiebzig beim Besuch des Pariser Zoos eine Wärmekammer auffällt!

00:07:42: eine Wärmekammer für die Geflügelaufzucht wohlgemerkt.

00:07:46: Aber er denkt, wenn in so einer Wärmekammer Küken groß werden, warum dann nicht auch Babys?

00:07:54: Also bittet er den Erfinder der Kammer eine ähnliche Box zu bauen, die ausreichend belüftet und groß genug ist um ein oder zwei Frühgeborene aufzunehmen.

00:08:08: Dies geschieht und die ersten Inkubatoren werden, im Pariser Maternitätkrankenhaus eingesetzt.

00:08:18: Daraufhin senkt sich die frühgeborenen Sterblichkeit deutlich – aber das Ganze ist nicht ungefährlich.

00:08:25: Stellt euch das etwa so vor wie ein sehr großer Kochtopf mit erhitztem Wasser auf dem sich ein Bettchen für Frühchen befindet!

00:08:35: Bei falscher Bedienung kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Wasser zu heiß wird – mit allen vorstellbaren schrecklichen Folgen.

00:08:46: Einer seiner Schüler ist Pierre Boudin, späterer Professor für Geburtshilfe in Paris.

00:08:53: Dieser gilt ebenfalls als einer der Wegbereiter der modernen frühgeborenen Medizin und erkennt das vor allem fehlende Wärme, mangelhafte Hygiene und unzureichende Ernährung viele Neugeborene das Leben kostet.

00:09:10: Er arbeitet eng mit dem französischen Erfinder Alexandre Lyon zusammen, der den Inkubator weiterentwickelt.

00:09:19: Und auch Pierre Boudin hat einen Schüler – er ist sogar sein Lieblingsschüler!

00:09:24: … und sein Name ist Martin Cooney.

00:09:30: Martin Coony wurde im Dezember, entweder im Elsass oder in Breslau geboren, aber dazu später mehr.

00:09:40: Sein Vater starb als Martin noch jung war – er war das Jüngste von vier Kindern und hatte zwei Brüder und eine Schwester.

00:09:50: Kuni studierte in Bresslau-und Berlin Medizin und er probierte als Arzt in Leipzig.

00:09:57: In den frühen Achtzehnhundertneunziger Jahren geht er nach Paris und wird dort der Lieblingsschüler Boudin's.

00:10:06: Als Eighthundertsechsohnneunzig in Berlin eine große Gewerbeausstellung ansteht, soll er im Auftrag Boudins die Inkubatoren vorstellen.

00:10:16: Und während der Planungsphase kommt Dr.

00:10:19: Cuni auf eine spektakuläre Idee!

00:10:23: Man könnte die Inkupaturen aufwändig in Szene setzen – mit Zeichnungen und Erklärtafeln.

00:10:30: Aber man könnte auch etwas Vollkommen anderes machen….

00:10:35: Warum die Inkubatoren nicht in ihrer Funktion präsentieren?

00:10:40: Warum also nicht Babys in die Inkupatoren legen – echte Babys, sogar echte Frühgeborene.

00:10:50: Und das ist die Geburtsstunde der Kinderbrutanstalt im Treptower Park!

00:10:57: Die Berliner Gewerbeaustellung von Sie gleicht in ihren gewaltigen Dimensionen einem Volksfest, das über sieben Millionen Besucher in den Treptower Park lockt.

00:11:14: Da Kaiser Wilhelm

00:11:16: II.,

00:11:16: eine offizielle Weltausstellung abgelehnt hat, schaffen die Berliner Kaufleute eine gigantische Ersatzwelt auf über neunhunderttausend Quadratmetern!

00:11:28: Es ist eine heute kaum vorstellbare Mischung aus technischer Hochleistungsschau und lautem Vergnügungspark, in dem sich Elektromotoren- und Dampfmaschinen neben Bierzelten, Fahrgeschäften und völkerkundlichen Ausstellungen präsentieren.

00:11:48: In mitten dieses lärmenden Areals befindet sich die Kinderbrutanstalt an einer seltsamen Schnittstelle.

00:11:58: Räumlich ist sie im Bereich der wissenschaftlichen und medizinischen Vorführungen angesiedelt Doch ökonomisch funktioniert sie nach den Regeln des Jahrmarkts.

00:12:10: Dr.

00:12:11: Cooney hat einen lichtdurchfluteten Pavillon errichten lassen, dessen Innenraum eine strikte räumliche Trennung zwischen den Besucherströmen und dem medizinischen Bereich aufweist.

00:12:24: Die Wände sind in hellem Weiß gehalten und die gesamte Einrichtung folgt einem für die damalige Zeit außergewöhnlichen Hygienestandard der durch den Geruch von Desinfektionsmitteln und eine sterile Ästhetik unterstrichen wird.

00:12:42: Im Zentrum der Ausstellung befindet sich eine Reihe manshoher Inkubatoren, die nach dem System von Alexandre Lyon konstruiert sind.

00:12:52: Diese Apparaturen bestehen aus polierte Metall- und großflächigen Glaselementen, durch die das Publikum die Säuglinge betrachten kann.

00:13:03: Die technische Komplexität ist für die Besucher unmittelbar sichtbar.

00:13:09: Ein System aus Röhren und Filtern leitet Außenluft in das Innere, wo sie über Wasserbecken befeuchtet und durch Gasbrenner auf einer konstanten Temperatur gehalten wird.

00:13:29: Ausgeliehen hat, liegen darin auf kleinen weißen Matratzen oft eingehüllt in Kleidung die aufgrund ihrer winzigen Proportion eher an Puppenausstattungen erinnert.

00:13:44: Das Personal agiert innerhalb dieses geschützten Bereichs mit einer Professionalität, die das Misstrauen der Berliner Fachwelt entkräften soll.

00:13:54: Krankenschwestern in gestärkten weißen Uniform und Hauben führen die notwendigen Handgriffe wie das Füttern, Wiegen und Reinigen der Kinder nach einem festen Zeitplan aus.

00:14:07: Diese Verrichtungen werden zu einer Art öffentlicher Zeremonie bei der die Pflegerinnen die Kinder gelegentlich aus den Glaskästen nehmen um der Menge die physische Realität dieser winzigen Kämpfer vor Augen zu führen.

00:14:24: Während der Park draußen vom Lärm des Volksfestes geprägt ist herrscht in der Kinderbrutanstalt eine Atmosphäre konzentrierter Stille und klinischer Disziplin.

00:14:38: Dennoch ist die Skepsis der Berliner Fachwelt grenzenlos, dass die renommierten Mediziner der Charité ihre kleinsten Patienten einem Mann überlassen, der seine Zelte mitten auf einen Volksfest aufschlägt, grenzt an ein Wunder!

00:14:55: oder an pure Verzweiflung.

00:14:58: Es ist schließlich kein geringerer als Rudolf Wirchhof, die Eminenz der deutschen Medizin, der den Weg ebnet.

00:15:07: Er erkennt, dass Kunis Inkubatoren der klinischen Realität weit voraus sind.

00:15:15: In der Charité sieht man für Frühgeborene damals kaum Hoffnung – sie gelten als medizinisch verloren!

00:15:22: So werden schließlich die ersten sechs Kinder in den Treptor Park überführt.

00:15:28: Während draußen das Spektakel tobt, kämpft im Inneren der Brutanstalt ein Pflegeteam unter Dr.

00:15:35: Kunis Leitung mit Methoden die damals moderner sind als in jeder staatlichen Klinik.

00:15:44: Alle sechs Babys der ersten Berliner Gruppe überleben!

00:15:50: Nach dem Erfolg in Berlin, wiederholt Dr.

00:15:52: Cuni seine Ausstellung ein Jahr später in London auf der Earls Court Exhibition einer groß angelegten Leistungsschau des britischen Empires.

00:16:03: die Fortschritte in Wissenschaft, Kunst und Industrie thematisiert Auch die Skepsis der londener Ärzteschaft ist schier grenzenlos.

00:16:15: Daher lädt Dr.

00:16:16: Cuni die Redaktion der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet ein, die Anlage in Earlscourt einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.

00:16:27: In ihrem Bericht vom neunundzwanzigsten Mai, eighteenhundert und neunzig bestätigen die Gutachter des Lancets das die hygienischen Standards und die technische Zuverlässigkeit der Apparaturen den Anforderungen moderner Kliniken entsprechen.

00:16:45: Dieses Gutachten soll ihm später jenseits des Atlantiks Tor-und Tür öffnen.

00:16:53: Trotz dieses Erfolges bleibt Dr.

00:16:56: Cooney in Europa ein medizinischer Außenseiter.

00:17:00: Die festgefahrenen bürokratischen Strukturen in Deutschland und England bieten im keinen Raum für eine dauerhafte privat finanzierte Integration seiner Technik in dem klinischen Alltag.

00:17:13: Im Jahr eighteenhundertachtundneunzig trifft er daher die strategische Entscheidung, in die Vereinigten Staaten überzusiedeln und dort triffte auf ein Gesundheitssystem das im Vergleich zu Europa nur rückständig genannt werden kann.

00:17:32: Neunzehn von zwanzig Geburten sind Hausgeburten.

00:17:38: Die Kindersterblichkeit liegt gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts bei zwanzig Prozent.

00:17:44: Besonders bei Frühgeburtlichkeit sind die amerikanischen Ärzte ratlos, Neugebornen oder gar früh geborenen Station gibt es nicht und Inkubatoren sind unbekannt.

00:17:59: Der Ratschlag an die hilflosen Eltern lautet allzu oft Halten sie das Kind warm und beten Sie.

00:18:07: Also werden manche Frühchen vor offene Kamine gelegt und mit Ölen eingerieben.

00:18:13: Andere legen ihre Kinder in einfache Steingut-Töpfe, ausgepolstert mit Federn um die flüchtige Körperwärme zu erhalten.

00:18:24: Diese tonernen Gefäße, die sonst zur Vorratshaltung dienen, werden so zur letzten Bastion gegen den Kälte tot.

00:18:33: Über seventy-fünf Prozent sterben!

00:18:37: Bevor wir die Geschichte jetzt weiterverfolgen, lasst uns den Begriff Frühgebohrnis näher anschauen.

00:18:46: In der modernen Neonatologie wird die Frühgeburtlichkeit präzise definiert und nach dem Reifegrad des Kindes unterteilt.

00:18:56: Um die Leistung aber auch die Gefahren der frühen Bootkasten-Ära zu verstehen ist ein Blick auf die medizinischen Fakten unerlässlich!

00:19:11: Eine normale Schwangerschaft dauert vierzig Wochen.

00:19:15: Ein Kind gilt als Frühgebohrnis, wenn es Vorvollendung der siebenundreißigsten Schwangerschaftwoche geboren wird.

00:19:24: In Deutschland und den USA betrifft dies heute etwa acht bis zehn Prozent aller Neugeborenen.

00:19:32: Von extremer Frühgeburtlichkeit spricht man, Ohne jede medizinische Behandlung ist die Sterblichkeit bei Frühgeborenen extrem hoch.

00:19:49: Bei Kindern, die vor der achtundzwanzigsten Schwangerschaftswoche geboren werden, lag sie historisch beinahe zu hundert Prozent.

00:19:58: Heute hat sich dieses Bild durch die moderne Intensivmedizin radikal gewandelt.

00:20:05: Über der achtundzwanzigsten Schwangerschaftswoche liegt die Überlebensrate heute bei über ninety-fünf Prozent.

00:20:13: An der Grenze der Lebensfähigkeit zwischen der zwanzigste und vierundzwannzigsten Woche überleben etwa fünfzig bis achtzig Prozent.

00:20:24: Die kritische Schwachstelle ist die Lunge, in der Gebärmutter ist sie mit Flüssigkeit gefüllt.

00:20:32: Erst kurz vor der Geburt produziert der Körper den sogenannten Surfectent.

00:20:38: Dieser biochemische Hilfsstoff wirkt wie ein Schmiermittel, das die Oberflächenspannung in den Lungenbläschen senkt.

00:20:47: Fehlt er?

00:20:48: Kollabieren die Bläschen bei jedem Ausatmen und verkleben.

00:20:53: Das Kind muss dann bei jedem Atemzug quasi die Kraft einer Erstbelüftung aufwenden.

00:21:01: Die pathologische Folge ist das Atemnot-Syndrom.

00:21:05: Das Kind erschöpft Zusehens, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt rapide während der Kohlendioxidgehalt toxische Werte erreicht was zur Atemlehmung führt.

00:21:19: Ein weiteres massives Problem ist die mangelnde Stabilität der Blutgefäße insbesondere im Gehirn.

00:21:28: Die Matrix der Gefäßwände ist bei Frühgeborenen so dünn wie Pergament und kann Blutdruckschwankungen kaum abfedern.

00:21:37: Es kommt zu intraventrikulären Hemorrhagien, also Hirnblutung die das empfindliche Webe zerstören und das Atemzentrum im Hirnstamm ausschalten können.

00:21:51: Gegen Keime ist ein Frühgebohrnis nahezu schutzlos.

00:21:56: Der entscheidende Nestschutz durch mütterliche Antikörper wird normalerweise erst im letzten Drittel der Schwangerschaft über die Plazenta übertragen.

00:22:07: Findet die Geburt zu früh statt, fehlt dieser Schutzschild.

00:22:12: Da zudem die Haut und die Schleimhäute als Barrieren noch extrem durchlässig sind haben Erreger jede Art leichtes Spiel.

00:22:22: Das unreife Immunsystem kann keine lokalisierte Abwehr leisten, weshalb sich Infektionen fast immer ausbreiten.

00:22:32: Eine solche Blutvergiftung – selbst es führt binnen Stunden zu undichten Gefäßen einen massiven Blutdruckabfall und dem Versagen der ohnehin instabilen Organe.

00:22:46: Und zuletzt Der Darmtrakt ist bei Frühgeborenen noch nicht ausreichend durchblutet und die Barrierefunktion der Schleimhaut ist instabil.

00:22:58: Dies begünstigt die sogenannte nekrotisierende Enterocolitis.

00:23:05: Bakterien greifen die Darmband an, was zum Absterben von Gewebe führt.

00:23:11: Die Folge sind Darmdurchbrüche und eine darauf folgende schwere Blutvergiftung Die bei sehr kleinen Kindern oft tödlich endet.

00:23:22: Zurück zu Dr.

00:23:24: Martin Cooney.

00:23:27: Nach seiner Übersiedlung in die USA beginnt er sofort mit der Umsetzung seiner Pläne.

00:23:33: So stellt er bereits ein Jahr nach der Messe in London, also, Der Trans-Mississippi & International Exposition.

00:23:49: In den letzten Jahren folgt die Pan American Exposition in Buffalo.

00:23:55: Der Aufbau ist immer derselbe.

00:23:58: Zwischen Jahrmarktsboden und Fahrgeschäften steht ein Pavillon mit einer langen Reihe von Bootkästen, davor riesige Werbeplakate, große Schilder – und Marktschreier, die laut die neueste Sensation verkünden!

00:24:16: Der Eintritt liegt anfangs zwischen zehn und fünfundzwanzig Cent.

00:24:21: Inflationsbereinigt heute etwa sieben Euro.

00:24:26: Das Publikum kann sich die süßen Babys anschauen.

00:24:30: Die Leute sind begeistert.

00:24:32: Manche Zuschauer kommen regelmäßig jede Woche um ihr Lieblingsbaby wachsen zu sehen Mit der schaurigen Hoffnung, dass es überlebt.

00:24:43: Die Krankenschwestern öffnen gerne den Brutkasten und holen ein Baby aus diesem heraus, damit einen Großvater seinen verschnupften Enkelsohn hochheben kann und der dieses winzige Wesen von der Nähe bestaunen und anhusten kann.

00:25:01: Die Krankeschwestern streifen ihre Ehringe über die Handgelenke der Frühgeborenen um zu beweisen wie winzig sie sind!

00:25:10: Und in der Tat Manche sind kaum fünfhundert Gramm schwer.

00:25:15: Es kommt also einem Wunder gleich, wenn sie überleben!

00:25:20: Aber auch Dr.

00:25:21: Cooney selbst lässt sich gerne mit Frühchen die kaum größer als seine Handflächen sind im Arm ablichten – in gestärkten weißen Arztkittel in jeder Hand.

00:25:32: ein Frühchen wie Trophäen.

00:25:36: Was jedoch klingt wie ein medizinischer Albtraum?

00:25:40: ist pflegerisch durchaus ambitioniert.

00:25:43: Dr.

00:25:44: Cooney stellt ausschließlich gut ausgebildete Krankenschwestern ein, diese dürfen im Privatleben weder so etwas unhygienisches schmuddeliges wie Burger aus Jahrmarktsboden essen noch rauchen oder Alkoholtrinken.

00:26:01: Die Babys erhalten bei ihrer Ankunft ein lauwarmes Bad dann einen Schluck mit Zuckerwasser versetzten Brandies zur Beruhigung und ein farbiges Band ums Handgelenk, rosa oder hellblau für die Orientierung der Zuschauer.

00:26:20: Gefüttert werden die Kinder mit echter Muttermilch – dafür beschäftigt Dr.

00:26:25: Kuni einen Stab von Ammen.

00:26:28: Sind sie zum Saugen zu schwach wird ihnen die Milch über die Nase eingeflößt!

00:26:34: Der Tagesablauf ist streng reglementiert Zweiundzwanzig Stunden in Kubator, zwei Stunden füttern.

00:26:43: Aber wie kommt er an die Babys?

00:26:47: Wir würden uns jetzt vorstellen dass das schwierig ist!

00:26:51: Wer würde schon freiwillig sein Neugeborenes auf einem Jahrmarkt ausstellen... aber weit gefehlt.

00:26:59: Erinnern wir uns an die Gebärende mit den Drillingen.

00:27:03: Frühgeborene oder schwache Neugeborenen haben zu dieser Zeit in den Hospitälern kaum eine Überlebenschance.

00:27:12: Die Ärzte sind nicht in Neonatologie ausgebildet und Inkubatoren sind nicht etabliert.

00:27:21: Es gibt schlicht- und ergreifend in keinem Krankenhausfrühchenstationen, Brutkästen.

00:27:27: So sind Dr.

00:27:28: Kunis Baby Shows die einzige Chance für solche Kinder Und Ärzte verweisen Eltern sogar oft an diese Ausstellung, weil sie selbst dem Problem hilflos gegenüberstehen.

00:27:43: Oft jedoch mit dem Hinweis, dass das Baby eh keine Überlebenschance habe.

00:27:49: Dr.

00:27:50: Cooney sieht es jedoch anders!

00:27:53: An der Tür jeder seiner Ausstellungen steht ein Schild – die ganze Welt liebt Babys und das muss man ihm wirklich zugestehen.

00:28:03: Er will Kinder retten.

00:28:05: Und das tut er!

00:28:07: Er nimmt jedes bedürftige Baby auf, unabhängig von Ethnie, Stand und Religion.

00:28:14: Die Eltern müssen keinen Cent zahlen – die gesamte Behandlung wird durch die Eintrittsgelder finanziert.

00:28:22: Mit erstaunlichem Erfolg.

00:28:25: Fünfundachtzig Prozent der totgeweihten Frühgeborenen sollen überlebt

00:28:30: haben.".

00:28:33: Und so geht Dr.

00:28:34: Cooney mit den Babyshows auf Tour!

00:28:36: Er zieht von Ort zu Ort, von Messe zur Messe wie ein Jahrmarkt.

00:28:43: Allerdings muss so jedes Mal eine Art Neugeborenenstation ab und aufgebaut werden – das ist letztendlich zu teuer.

00:28:53: Aber er findet eine Lösung.

00:28:55: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schießen Vollzeit-Sommerangebote aus dem Boden wie Pilze.

00:29:02: Diese Vergnührungsparks werden immer größer und durch die Elektrifizierung immer attraktiver und spektakulärer.

00:29:12: Fahrgeschäfte, Fressboden, Freakshows – jede Stadt hat seinen eigenen Vergnführungspark der die Massen anzieht!

00:29:22: Und genau dort baut Dr.

00:29:24: Cooney stationäre Baby-Pavillon so zum Beispiel auf Coney Island Eine Halbinsel in New York City.

00:29:33: Hier entstehen auf dem Gelände des Lunar Parks und Dreamlands gleich zwei Inkubator-Ausstellungen mit Babys, aber auch in Atlantic City Denver Chicago und Minneapolis.

00:29:48: Das ist natürlich lukrativer.

00:29:51: so können Stammkunden Woche für Woche erscheinen.

00:29:55: wenn die Babys überleben Und das tun sie fast immer bekommen sie ein Zertifikat von Huni ausgestellt.

00:30:04: Darauf steht zu lesen, Diploma issued by the baby incubators.

00:30:10: Darunter ein Foto des nackten Babys auf einem Fell.

00:30:15: Ja das waren wirklich andere Zeiten und darunter wird bescheinigt dass dieses Baby seinen Staat ins Leben in einer der Babyaustellungen vollbracht hat.

00:30:28: Versehen?

00:30:29: ist das Ganze mit einer Originalunterschrift von Dr.

00:30:33: Martin Cooney.

00:30:35: In dieser Zeit lernt er auch eine seiner Krankenschwestern näher kennen, die sechsundzwanzigjährige Annabelle May Seegner.

00:30:45: Sie heiraten in den letzten Jahren standesamtlich.

00:30:58: Also ein Unternehmen zum Verkauf von Inkubatoren.

00:31:03: Eine Werbeanzeige lautet damals baby incubators for sale, to hospitals and amusement parks – also Babyinkubatouren zu verkaufen an Krankenhäuser und Vergnügungsparks.

00:31:23: Natürlich regt sich Protest!

00:31:26: Frühgeborene dürften nicht zum Objekt gemacht und den Blicken der Vergnügungspark-Besucher ausgesetzt werden.

00:31:33: Die Umgebung sei für die Frühgeborennen unangemessen, die Inkubatoren würden gar nicht helfen – manche munkeln gar, Dr.

00:31:43: Cuny sei gar kein richtiger Arzt!

00:31:46: Und dann ist da schließlich die Eugenik.

00:31:50: Manche Ärzte glauben, dass ehemalige Frühchen Behinderungen an die nächste Generation weitergeben würden.

00:31:59: Also gäbe es gar kein Interesse sie am Leben zu halten.

00:32:03: Sie seien eine Last für die Gesellschaft Getreu dem Motto Survival of the fittest.

00:32:11: Und so lässt man sie lieber sterben?

00:32:14: von Wissenschaftlern in Formalien einlegen und in Weckgläsern, in Museen oder Universitäten zur voyeuristischen Erbauung des Publikums ausstellen.

00:32:25: Und dann gibt es natürlich auch Sicherheitsbedenken – zum Beispiel die Brandgefahr!

00:32:31: – und diese Bedenken sind gerechtfertigt — so brennt z.B.

00:32:42: Aber die Babys können alle rechtzeitig in Inkubatoren des Lunaparks evakuiert werden.

00:32:49: Keines nimmt Schaden!

00:32:51: Darüber hinaus dürfe man das Schicksal der Kinder nicht kommerzialisieren.

00:32:57: Hierzu ein paar Fakten Die Behandlung kostet damals fünfzehn Dollar, also inflationsbereinigt circa fünfhundert Euro pro Tag.

00:33:09: Eine derartig teure Behandlungen können sich die meisten Menschen nicht leisten.

00:33:15: Die Eintrittsgelder sind die einzige Möglichkeit, die kostenvoll zu decken so dass jedes Kind aufgenommen werden kann – unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern.

00:33:30: Aber eines ist auch wahr!

00:33:32: Durch die stationären Ausstellungen in den Freizeitparks kommt Dr.

00:33:37: Cuni zu einigem Wohlstand so dass er sich zum Beispiel ein Haus auf Coney Island leisten kann.

00:33:46: Während er als ausgewiesener Maßen guter Koch gerne extravagante Dinnerpartys gibt, hat seine Frau May die Hand auf dem Geld und ist für die Verwaltung zuständig – aber es geht ihm nicht ums Geld!

00:34:02: Jeder der ihn zu Lebzeiten kennt bestätigt, dass es seine Lebensaufgabe ist die Babys zu retten.

00:34:11: Er will mit seinen Ausstellungen beweisen das die Brutkästen funktionieren damit sie auch in Krankenhäusern zum Einsatz kommen.

00:34:20: Dafür macht er viel Werbung Aber die Krankenhäuser zeigen kaum Interesse!

00:34:26: Er versucht sogar die Bruttkästen zu spenden aber niemand will sie haben Wird er selbst Vater einer Frühgeborenen.

00:34:38: Tochter Hildegard kommt in der vierunddreißigsten Schwangerschaftswoche mit eins Komma Vier Kilogramm zur Welt und überlebt in einem seiner Inkubatoren.

00:34:50: Sie wächst auf Coney Island auf, arbeitet später in seinem Unternehmen, übernimmt sogar die Leitung seiner Ausstellung in Atlanta City.

00:35:01: Fünfund dreißig Jahre lang geht das so weiter.

00:35:04: Bis nineteenhundertdreißig ist ein Vergnügungspark immer noch die beste Option für einen Frühchen.

00:35:12: Die Meinungen über diesen Arzt, der Babys ausstellt sind weiterhin gespalten.

00:35:19: Aber es gibt auch zunehmend aufgeschlossene Mediziner, die bereit sind hinzuschauen.

00:35:25: Einer davon ist Dr.

00:35:27: Julius Hess Ein angesehener Arzt in Chicago.

00:35:32: Er lernt Dr.

00:35:32: Cuny kennen und studiert dessen Methoden.

00:35:36: Auf der Weltausstellung, neunzehnhundertdreißig stellen die beiden schließlich einen neu entwickelten Inkubator vor.

00:35:45: Dieses gilt als Startschuss für eine neue Gesundheitspolitik extra für Frühgeborene in Chicago.

00:35:54: Doktor Hess entwickelt sich zum Begründer der amerikanischen Neonatologie.

00:36:00: Erste Inkubatoren werden in Krankenhäusern aufgestellt.

00:36:05: In den letzten Jahren muss Dr.

00:36:08: Cooney jedoch zunächst einen Schicksalsschlag hinnehmen.

00:36:12: Seine Frau stirbt mit sechszig Jahren an einer Hirnoperation.

00:36:17: angesichts der guten Erfahrungen in ersten Krankenhäusern mit Inkubatoren gewinnt er in dieser Zeit an Ansehen.

00:36:26: Dennoch bleibt er nicht unumstritten, einige Vertraute – darunter immer wieder Dr.

00:36:31: Hess stehen jedoch jahrzehntelang an seiner Seite.

00:36:37: Davon zeugt auch einen Brief den dieser anlässlich einer großen Ausstellung an Kuni schreibt.

00:36:45: Mein Lieber Martin da es mir nun nicht möglich ist, persönlich bei dir zu sein.

00:36:52: Sei es mir gestattet meinem großen Lehrer auf diese gänzlich unzulänglicher Weise für deinen bedeutenden Beitrag für mich und den medizinischen Berufsstand zu

00:37:04: danken.".

00:37:06: Dein Wirken war nicht nur geprägt von wissenschaftlicher Führung sondern was für den Fortschritt gleichermaßen wichtig In jeder Hinsicht von höchster ethischer Integrität und du kannst auf ein wohlgenutztes Leben zurückblicken.

00:37:25: Darf ich einen Wort des tiefen und aufrichtigen Gedenkens an die Jahre hinzufügen, in denen ich deine liebe Frau und Gefährtin kannte, die so viele Jahre an deiner Seite war?

00:37:38: Für Madame & Hildegard empfinde ich tiefsten Respekt – für sie selbst und ihre Leistungen wie Sie wohl wissen.

00:37:47: Noch mal smarten!

00:37:49: Mögest du lange und glücklich leben, damit du dein großes Werk im Namen derer fortsetzen kannst die deine Hilfe so dringend benötigen?

00:38:00: Dein Freund Julius H. Hess.

00:38:05: Die wertschätzenden Worte ändern jedoch nichts.

00:38:08: am Anfang vom Ende der kunischen Baby-Ausstellung Auf der New Yorker Weltausstellung World's Fair Betreibt CUNY-Ninzenhundertdreißig seine Zweiundzwanzigste und letzte große temporäre Ausstellung.

00:38:26: Obwohl sie medizinisch ein Erfolg ist, markiert sie finanziell den Anfang vom Ende.

00:38:33: CUNy investiert enorme Summen – doch das Publikumsinteresse beginnt zu schwinden!

00:38:39: Die Incubatorbabys sind nach über vierzig Jahren keine Sensation mehr….

00:38:46: Nach der Weltausstellung konzentriert er sich wieder auf seine festen Standorte in Lunar Park und auf dem Stil Pier in Atlantic City.

00:38:56: Doch beide Vergnügungsparks haben ihre Glanzzeit hinter sich, die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern reichen kaum noch aus um die hohen Betriebskosten für Personal- und Technik zu decken.

00:39:15: In diesem Jahr schließen diese beiden verbliebenen Stationen.

00:39:20: Der wichtigste Grund ist jedoch ein medizinischer Sieg.

00:39:25: Dr.

00:39:26: Cooney hat sein selbst erklärtes Ziel erreicht, in New York City eröffnet aus der Stadt von Colnall-Medital Center die erste staatlich geforderte Station für Frühgeborene.

00:39:42: Krankenhäuser beginnen nun endlich, die Technologie flächendeckend zu integrieren.

00:39:49: Dr.

00:39:49: Cooney sagte dazu selbst, dass sein Werk getan sei, da die Krankenhäusern nun das übernehmen, was er jahrzehntelang als Außenseiter geleistet habe.

00:40:12: weil er all sein Geld in seinen Unternehmen gesteckt hat.

00:40:16: In der New York Times erscheint sein Nachruf und den zitiere ich jetzt einmal, auch wenn sich einiges von dem wiederholt was ich schon berichtet habe kann ich euch nur empfehlen dran zu bleiben denn es wird noch einen Plottwist geben.

00:40:36: Ich zitire Den nachruf Dr.

00:40:46: Martin A. Cooney, ein Spezialist für die Pflege von Frühgeborenen der solche Babys mehr als fünfzig Jahre lang gegen Eintrittsgeld der Öffentlichkeit auf Jahrmärkten und anderen Ausstellungen in den Vereinigten Staaten.

00:41:08: Er wurde achtzig Jahre alt.

00:41:16: Der Inkubatordoktor, wie Dr.

00:41:18: Cooney informell genannt wurde, wurde in Deutschland geboren, studierte Medizin in Breslau, Berlin und Leipzig – wo er sein Doktortitel erhielt – und später in Paris unter Dr.

00:41:32: Pierre-Sybotin dem namhaften Kinderarzt der eine Methode zur Rettung von Frühgeborenen entwickelte.

00:41:42: Auf der Berliner Gewerbaustellung von eighteenhundertsechundneunzig betrieb Dr.

00:41:47: Cuni eine Ausstellung mit frühgeborenen Babys, um die Budöhntechnik zu demonstrieren.

00:41:54: Die Ausstellung war ein finanzieller Erfolg – ebenso wie eine zweite im Earl's Court in London.

00:42:02: Im Jahr eighteenhunderdachtundneundzig startete Dr.Cuni den Vereinigten Staaten seinen ersten Besuch ab und hatte eine Ausstellung auf der Omaha Trans Mississippi Exposition.

00:42:15: Er kehrte für die Weltausstellung von nineteenhundert nach Paris zurück, war aber im nächsten Jahr für die Buffalo Exposition wieder in diesem Land – und entschied sich dann dauerhaft hier zu bleiben.

00:42:29: Jahrelang hatte er Ausstellungen sowohl in Dreamland als auch in Luna Park.

00:42:35: In der Nacht, als das Dreamland durch ein Feuer zerstört wurde, konnten die Babys durch eine schnelle Verlegung in die Inkubatoren des Lunaparks gerettet werden, wobei einige der Bewohner zusammengelegt wurden.

00:42:49: Dr.

00:42:49: Cooney betrieb eine seiner Babyinkubator-Attraktionen auf der New Yorker Weltausstellung – er hinterlässt eine Tochter Hildegard Cooney, die lange Zeit an den Geschäften ihres Vaters beteiligt war.

00:43:04: Seine Frau, Annabel May Cooney, starb im Jahr neunzehntundhundertsechsunddreißig.

00:43:12: Zitat Ende Was für ein schöner Nachruf!

00:43:18: Respektvoll und voller Würdigung seines medizinischen Schaffens Der gut informierte Chronist hat seinen ganzen Lebensweg zusammengefasst Und dabei genau denselben Fehler begangen wie so viele andere vor ihm Denn Dr.

00:43:36: Martin Cooney hat es nie gegeben, zumindest nicht unter diesem Namen und mit diesem Lebenslauf.

00:43:45: War ist wohl nur eines – Martin Coony hat sich in den USA diese Geschichte als Legende zugelegt!

00:43:54: Doch wenn wir heute über hundert Jahre später in die Archive blicken, in die Passagierlisten der Einwanderungsschiffe und in die Matrikel der deutschen Universitäten, dann zerfällt diese glanzvolle Biografie zu Staub.

00:44:11: Und das fängt schon mit seinem Geburtsnamen an!

00:44:15: Sehr wahrscheinlich hat es nie einen Martin Cooney gegeben sondern eher einen Michael Cohen oder Cohen.

00:44:24: Gleichzeitig geht man inzwischen auch davon aus dass Cooney nicht im Elsass sondern in einer preußischen Regionalstadt namens Grutoschin geboren wurde.

00:44:35: Aus dem, in einer Kleinstadt im Osten geborenen Michael Kohn, wurde also der im Elsass mit geografischer Nähe zu Frankreich geborene und mit französisch angehauchten Namen versehene Martin Cooney.

00:44:52: Dabei ging Cooney später mit den Angaben zu seiner Geburt ähnlich kreativ um wie mit vielen anderen Teilen seines Lebenslaufs.

00:45:01: Je nach Situation und Umgebung gab er mal den Elsass, Mal Frankreich, Mal Breslau an – alles Orte mit räumlicher Nähe zu renommierten medizinischen Fakultäten.

00:45:15: Und da wären wir auch schon bei seinem Medizinstudium mit Approbation zum Arzt – angeblich in Berlin, Breslaw.

00:45:25: Es gibt kein Dr.

00:45:29: Michael Kohn oder Dr.

00:45:32: Martin Cooney in den Registern von Berlin oder Leipzig und ihr vermutet es sich ja schon, es gibt keine Spur eines Assistenten namens Kohn- oder Cooney In den Aufzeichnung von Dr.

00:45:49: Boudin in Paris.

00:45:52: Die Wahrheit ist weit weniger akademisch aber dafür umso unglaublicher.

00:45:59: Die Geschichte des Ritters von Coney Island beginnt wahrscheinlich nicht in den Hörseelen Europas, sondern als Michael Kohn – ein einfacher, achtzehnjähriger Immigrant, der bereits eighteenhundertundachtzig mit seiner Familie in New York landete und damit wohl nie eine Universität von innen gesehen

00:46:23: hat.".

00:46:25: aber er wird doch wohl wenigstens die Babyaustellungen in Berlin und London durchgeführt haben.

00:46:31: Nein!

00:46:33: Denn zu dieser Zeit lebte er ja schon acht Jahre in den USA, so sehr viel wahrscheinlicher ist dass er die Babyausstellung von Alexandre Lyon auf einer Reise nach Europa gesehen hat – und mit dieser Idee im Gepäck in die USA zurückkehrte.

00:46:52: Aber er wusste wohl, dass die USA diese Sensation nicht von irgendeinem Michael Kohn aus Brooklyn annehmen würde.

00:47:01: Dazu brauchte es schon einen renommierten europäischen Experten – also er fand er sich neu!

00:47:09: Er kaufte die Maschinen, er ließ sich die Identität eines Arztes und er adoptierte in Anführungsstrichen, das Lancet gutachten als seinen eigenen Ausweis um über das Land verteilt seine Babyausstellung aufzubauen.

00:47:28: Und wieso oft gibt es auch bei dieser skurrilen Geschichte der Medizin zwei Seiten einer Medaille?

00:47:36: Auf der einen Seite ist da der geniale Hochstapler, der ein Netz aus Umdeutungen und Unwahrheiten aufbaute Auf der anderen ein Mann, der alles dafür gab, Frühgeborene in einem System der Unkenntnis und Ignoranz zu retten.

00:47:55: Und das gelang ihm erstaunlich gut!

00:47:59: Die Frühgeboren sollen eine viermal höhere Überlebenschance als bei ihren Eltern gehabt haben – wie schon erwähnt etwa fünfundachtzig Prozent.

00:48:08: so sollen in einem Sommer achtundvierzig von zweiundfünfzig Babys überlebt haben.

00:48:15: Insgesamt soll CUNY six-tausend fünfhundert Babys vor dem wohl ziemlich sicheren Tod bewahrt haben.

00:48:24: Aber bevor wir den Erfolg feiern, müssen wir uns eine Frage stellen.

00:48:30: Darf die Medizin alles?

00:48:33: Wer heilt hat Recht!

00:48:36: gilt dieses Dogma unter allen Umständen?

00:48:41: Die Entscheidung, Säuglinge gegen Eintrittsgeld auszustellen lässt sich aus heutiger Sicht kaum als ethisch einwandfrei bezeichnen.

00:48:51: Sie setzte die Kinder dem Weurismus der Massen aus, verletzte damit massiv die Intimsphäre der Familien und machte den Überlebenskampf eines Kindes zu einem Spektakel.

00:49:05: Doch eine moralische Bewertung, die den historischen Kontext ausklammert, greift zu kurz!

00:49:12: Denn das ethisch-moralische Dilemma entstand nicht auf den Jahrmärkten, sondern in dem Kliniken ausgelöst durch das Versagen der damaligen Ärzteschaft und der Institutionen des amerikanischen Gesundheitswesens – letztendlich des Staates.

00:49:32: Die Krankenhäuser jener Zeit verfügten über die Mittel Aber es fehlte ihn, am Willen in das Leben von Frühgeborenen zu investieren.

00:49:43: Man betrachtete diese Kinder als Lebensunwert oder schlicht als statistischen Verlust.

00:49:52: In diesem Vakuum kann man Kunis-Jamax-Stationen eine Art Notwehr bezeichnen – denn die Alternative war ja der Tod der Hilflussisten der Gesellschaft!

00:50:06: Staat und Gesellschaft haben nach unseren heutigen Wertvorstellungen aber die Verpflichtung, besonders die Schwachen und Hilflosen zu schützen.

00:50:16: Das möchte ich hier mal so stehen lassen – und noch einen Aspekt beleuchten!

00:50:22: Denn Cuny kümmerte sich nicht nur um die Frühgeborenen, er legte auch den Finger in die Wunde, indem er den Missstand publik machte und damit auf das Problem aufmerksam

00:50:34: machte.".

00:50:36: Am Ende ist Martin Cuni das Beispiel für einen ethischen Grenzgänger.

00:50:42: Er tat das Richtige mit den falschen Mitteln, weil die richtigen Institutionen versagten.

00:50:51: Er rettete wahrscheinlich etwa sechstausendfünfhundert Menschenleben durch eine Inszenierung, die uns heute erschaudern lässt – die damals aber die einzige Brücke ins Leben war!

00:51:05: Und nun bleibt natürlich für jeden von uns eine Frage.

00:51:10: Wie hätten wir damals entschieden, wenn wir Elternteil eines Frühgeborenenem gewesen wären und uns der Geburtshelfer mit folgenden Worten allein ließe?

00:51:22: Ihr Kind wird hier nicht überleben!

00:51:25: Wir haben keine Brutkästen – die einzige Chance wäre eventuell die Babyaustellung.

00:51:35: Das war Geschichten der Medizin, wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen.

00:51:48: Ob weltbewegend oder ganz persönlich – die nächste Geschichte wartet schon!

00:51:56: Bis dahin bleibt gesund.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.