#035 Ebola - Das Grauen in Afrika (2)
Shownotes
In dieser Folge: Teil 2 der Doppelfolge widmet sich der dramatischen Entdeckung des Ebolavirus im Jahr 1976. Die Reise führt von den ersten rätselhaften Todesfällen in Nzara und Yambuku direkt in ein belgisches Labor, wo der junge Mikrobiologe Peter Piot und seine Kollegen dem tödlichen Erreger fast ungeschützt und unter abenteuerlichen Umständen auf die Spur kommen. Es folgt eine gefahrvolle Expedition in den afrikanischen Regenwald, die die fatalen Infektionswege vor Ort aufdeckt – eine Spurensuche zwischen historischer Pionierarbeit und den medizinischen Fakten eines der gefährlichsten Viren der Welt.
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🔎Quellen:
- Peter Piot: No Time to Lose: A Life In Pursuit Of Deadly Viruses
- How ebola was uncovered
- Ebola breaks out in Sudan
- ZDF Heute Nachrichten: Fast die Hälfte der Ebola-Infizierten in der DR Kongo stirbt
🎵Musik:
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Transkript anzeigen
00:00:01: Willkommen zu Folge zwei unserer kleinen Ebola-Reihe.
00:00:05: Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, falls ihr Folge eins noch nicht gehört habt da nochmal einen Schritt zurückzugehen und die Folge eins zuerst zu hören.
00:00:15: Und für alle anderen starten wir jetzt!
00:00:19: Wir befinden uns in dem kleinen Ort Nsara im Zentralafrika im Südsudan.
00:00:27: In der lokalen Baumwollfabrik drängen sich Menschen Einer von ihnen ist u.g Mehr ist über die Identität des Mannes nicht bekannt, daher nenne ich ihn hier mit allem Respekt U. Am siebenzwanzigsten Juni klagt U plötzlich über hohes Fieber Kopfschmerzen und Brustschmerz.
00:00:51: Drei Tage später wird er in das Krankenhaus von Sarah eingeliefert.
00:00:55: Dort verschlechtert sich sein Zustand rapide, es treten starkes Nasen und Mundbluten sowie blutiger Durchfall auf.
00:01:04: Fünf Tage später stirbt er.
00:01:07: Sein Bruder pflegt ihn und erkrankt ebenfalls – überlebt aber!
00:01:12: Einen Tag nach Juß Tod stirbt ein Kollege an ähnlichen Symptomen.
00:01:17: Kurz darauf erkranken und sterben weitere Kollegen und Pflegende
00:01:21: Angehörige.".
00:01:23: Brüder eines verstorbenen Fabrikarbeiters verschleppen die Krankheit in die Nachbarstadt Maridi.
00:01:44: Willkommen zu Geschichten der Medizin, dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle!
00:01:57: Ich bin Kerstin, Ärztin und Erzählerin.
00:02:03: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen und dramatische Diagnosen.
00:02:11: Mal weltbewegend, mal ganz persönlich.
00:02:15: Immer medizinisch – immer spannend!
00:02:25: Ebola das Grauen in Afrika Folge II.
00:02:34: Insgesamt werden zwischen Juni- und Dezember- twohundertvierundachtzig Infektionsfälle erfasst.
00:02:41: Einhundertfünfzig Menschen sterben daran was einer Fallsterblichkeit von dreiundfünfzig Prozent entspricht.
00:02:49: Besonders stark betroffen ist das Krankenhaus in Maridi, womit dreiendreißig Personen über die Hälfte der einundsechzig Pflegekräfte sterben.
00:02:59: Das sind die Zahlen – nur niemand weiß umwas für eine Krankheit es sich handelt!
00:03:07: Allerdings ist eines klar Es ist keine bekannte Krankheit kein Gelbfieber, keine Malaria Kein Lassafieber.
00:03:16: Gleichzeitig kommt es tausend Kilometer westlich im damaligen Saire, der früheren und heutigen demokratischen Republik Kongo zu ähnlichen Fällen.
00:03:28: Betroffen ist das Dorf Jambucco in dem der vierzigjährige Schulleiter Mabalo Loquela erkrankt unter dem Verdacht einer Malaria in das Belgische Missionskrankenhaus eingewiesen wird – und kurz darauf verstirbt.
00:03:43: Warum ein belgisches Missionskrankenhaus?
00:03:47: Weil Belgien, von der ersten Zeit bis zum nächsten Jahr, die Kolonialherrschaft über Saire bzw.
00:03:54: die Demokratische Republik Kongo innehatte.
00:03:58: Von diesem Missionskrankenhaus aus verbreitet sich das Virus rasch in der Region.
00:04:04: Insgesamt werden in den nächsten zwei Monaten dreihundertachzehn Infektionsfälle registriert.
00:04:09: Für zweihundertachzig der betroffenen Menschen verläuft die Erkrankung tödlich, was eine außerordentlich hohen Versterblichkeit von rund achtundachtzig Prozent entspricht.
00:04:20: Und was auffällt?
00:04:21: Besonders viele junge Frauen sind unter den Opfern!
00:04:25: Die Ausbreitung kann schließlich Ende Oktober eingedämmt werden nachdem man das stark kontaminierte Krankenhaus geschlossen und die umliegenden Dörfer konsequent isoliert hat.
00:04:37: Als ein internationales Forscher-Team im Herbst neunzigundsiebzig das neuartige Virus isoliert, sucht man einen Namen für den Erreger und beweist durchaus Feingefühl.
00:04:50: Um das bescheidene Jambuco nicht für alle Zeiten zu brandmarken soll ein neutraler Flussname als Namensgeber dienen.
00:04:58: Es soll aber ein Fluss mit regionalem Bezug zur Jambuku sein.
00:05:03: Beim beherzten Blick auf die ungenaue Landkarte stoßen die Wissenschaftler auch dem Fluss Legbala, was in der Lokalsprache n'gbandi schlicht und ergreifend weißes Wasser bedeutet.
00:05:15: Und von den früheren belgischen Kolonialhern recht frei als Ebola eingetragen worden ist.
00:05:22: Im festen Glauben das Gewässer fließe direkt vor der Haustür des Epidemie-Herdes wird der Name feierlich beschlossen!
00:05:31: Dass man sich um eine ganze Tagesreise vertan hat, stört die Wissenschaftsgeschichte später wenig.
00:05:38: Und so verdankt die Welt den Namen des bis heute gruseligsten Erregers – einem Gewässer das mit den ersten Fällen in Jambuku herzlich wenig zu tun hatte!
00:05:49: Wenn man so will….
00:05:51: Istar is born Ebola Hemorrhagic fever.
00:05:58: Aber wer hat das Virus entdeckt?
00:06:02: Zunächst noch einmal eine Einordnung.
00:06:28: Eine True-Story, wenn man so will die sich für damalige Verhältnisse rasend schnell für unser heutiges Empfinden dagegen quälen langsam in der Welt verbreitete.
00:06:40: Wenn ihr gut aufgepasst habt und davon gehe ich mal aus dann habt ihr euch gemerkt dass das Krankenhaus im Jambuku ein belgisches Missionskrankenhaus war Und so ist es natürlich auch nicht verwunderlich dass sich dort non um die Patienten kümmern.
00:06:57: Drei von ihnen sterben und mehrere Blutproben einer dieser Nonnen werden nach Europa geschickt, als Sondergepäck unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.
00:07:08: Weit gefehlt!
00:07:10: Die Reagenzglaser werden in eine einfachen Thermoskranne verpackt, die mit Eiswürfeln gefüllt ist.
00:07:16: Ein Passagier nimmt die Kanne als persönliches Handgepäg auf dem Linienflug von Kinshasa nach Brüssel mit.
00:07:23: Ende September trifft die Probe unter der Verdachtsdiagnose Gelbfieber im Institut für Tropenmedizin in Antwerpen ein.
00:07:32: Das Eis ist unterwegs geschmolzen und eines der beiden Röhrchen ist zerbrochen.
00:07:38: Diensthabende Wissenschaftler sind die beiden Mikrobiologen Peter Piotr und Stefan Patyne.
00:07:45: Peter Piat ist siebenundzwanzig Jahre alt und arbeitet seit zwei Jahren als Juniorassistentin dem Tropeninstitut.
00:07:53: Patön ist immerhin der Institutsleiter.
00:07:57: Nun stehen die beiden nur durch gewöhnliche Gummihandschuhe geschützt, vor dem geöffneten Paket mit dem intakten aber auch dem zerbrochenen Rörchen, die zusammen mit einem aufgeweigten Zettel in den angeschmolzenen Eiswürfel schwimmen.
00:08:12: Sie tragen keinen Schutzanzug und keine Maske – gar nichts!
00:08:16: Beide Rörcheln haben ursprünglich je fünf Milliliter geronnenes Blut enthalten.
00:08:22: Peter Piotz Weg in die Infektiologie wurde von zwei Faktoren bestimmt.
00:08:27: Einerseits dem Wunsch, geheimnisvolle Krankheiten zu behandeln als er als Jugendlicher im örtlichen Museum vor den Fotos Libra-Kranker in katholischen Missionsstationen steht und andererseits von einer gehörigen Portion Abenteuerlust geplant mit Entdeckergeist.
00:08:45: Seine Lieblingsautoren waren früher Jules Verne und Karl May.
00:08:51: Gute zehn Jahre und ein Medizinstudium später steht er nun aber am Labor-Tisch und schaut auf das Dilemma zwischen den geschmolzenen Eiswürfeln.
00:09:01: Peter und Stefan setzen routiniert, aber ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen die Testreihen an.
00:09:08: Nach einigen Tagen wissen sie, dass sie es weder mit Gelbfieber noch Lassafieber oder anderen typischen tropischen Erkrankungen zu tun haben.
00:09:18: Die Antikörpertests sind negativ!
00:09:21: Dafür sterben einige Labormäuse.
00:09:24: Und nun folgt keine schnelle Google-Recherche, sondern der Gang in die Institutsbibliothek!
00:09:31: Inzwischen ist die Nachricht angekommen dass die Nonnen keine Einzelfälle sind, sondern das Insaire.
00:09:37: in einem Ort namens Yambuku eine Epidemie ausgebrochen ist und die Symptome sind eher untypisch für das zunächst vermutete Gelbfieber.
00:09:47: Es handelt sich um ein hemorragisches Fieber, also einen Fiebergepart mit inneren und äußeren Blutungen aus allen Körperöffnungen.
00:09:56: Die Fallsterblichkeit soll extrem hoch sein!
00:10:00: Während Piat- und Patyneinen Virus vermuten und schon die ersten Kulturen ansetzen erreichen weitere Proben das Labor in Antwerpen.
00:10:10: Und noch etwas – eine Anweisung der WHO Da das Labor in Antwerpen nicht über die erforderliche Sicherheitsstufe BSL-IV für extrem gefährliche Viren verfügt, sollen die Proben nach Portendown geschickt werden.
00:10:27: Und falls ihr regelmäßig diesen Podcast verfolgt?
00:10:30: Dann werdet ihr bei diesem Namen nicht fragen, die Schultern hochziehen!
00:10:35: Denn dann kennt Ihr Portendown aus der Folge über Antrags im Zweiten Weltkrieg.
00:10:39: Folge Acht – Das ausgefallene Sterben.
00:10:43: Portendown war im Zweiten Weltkrieg das Versuchslabor des britischen Kriegsministeriums und enthält im Jahr neunzehntsechsundsiebzig ein Hoch-Sicherheitslabor.
00:10:55: Sehr zum Bedauern des jungen Peter Piot werden die Proben dort hingeschickt, aber schnell zeigt sich dass die Sache sogar den Verantwortlichen in Portendow zu heiß ist.
00:11:06: sie leiten die hochgesandten Proben in die USA weiter an the Centers for Disease Control and Prevention die in diesem Podcast schon oft erwähnte Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta.
00:11:21: Was porten darum und die CDC aber nicht wissen?
00:11:24: Ein paar Proben sind in Belgien geblieben, und Murphy's Gesetz schlägt voll zu – ausgerechnet dem Institutsleiter Patten rutscht eine Probe aus der Hand und zerbirst auf den Fußboden!
00:11:38: Der Inhalt verteilt sich über seine Schuhe.
00:11:42: da die Wissenschaftler inzwischen auch in Antwerpen wissen, wie gefährlich der Erreger sein muss.
00:11:47: Desinfizieren sie sofort den Boden, entsorgen die Schuhe und hoffen das Beste!
00:11:53: Es geht noch einmal gut – niemand wird
00:11:55: krank.".
00:11:56: Am zwölften Oktober untersucht er Biologe Huido Van Der Roon dann ihre zweite Zelllinie.
00:12:04: Er entwickelt die elektronenmikroskopischen Fotos und präsentiert sie seinen Kollegen.
00:12:10: Die starren auf die Fotos.
00:12:13: Dort sind lange, Fäden oder wurmartige Gebilde zu
00:12:16: sehen.".
00:12:17: – Was zur Hölle ist das?
00:12:20: fragt der Institutsleiter zunächst und dann….
00:12:24: Das sieht aus wie das Marburg-Virus!
00:12:28: Und das ist der Moment in dem alle restlichen Proben verpackt und direkt nach Atlanta zur CDC geschickt werden.
00:12:37: Ein derartig gefährliches Virus wie das Marburg-Virus wollen selbst die mutigen belgischen Wissenschaftler nicht in ihrem Labor haben.
00:12:46: Nur zwei Tage später kommt die Antwort aus Atlanta – auch dort werden viele Viren, also Fadenviren festgestellt!
00:12:55: Aber es handelt sich nicht um das Marburger Virus sondern um ein anderes Raptovirus, dass dem Marburg virus sehr ähnelt.
00:13:04: Was aber ist das Marbug-Virus?
00:13:07: Und warum trägt es diesen Namen?
00:13:10: Im Sommer, nineteenhundertsechzig erkrankten in Marburg und im serbischen Belgrad zeitgleich Laborangestellte an einem hemorragischen Fieber – also einen Fieberg mit inneren und äußeren Dutungen.
00:13:25: Die betroffenen Mitarbeiter arbeiteten beim Pharmahersteller Behringwerke in Marburger sowie in wissenschaftlichen Einrichtungen in Frankfurt & Belgrad.
00:13:36: Die Angestellten hatten Gewebe und Mieren von infizierten grünen Meerkatzen präpariert.
00:13:42: Diese Affen waren aus Uganda importiert worden, um Mierenzellen für die Herstellung von Impfstoffen zu gewinnen – unter anderem gegen Kinderlärmung.
00:13:53: Insgesamt wurden damals einund dreißig Krankheitsfälle registriert.
00:13:57: Schockierenderweise starben sieben Menschen an der Infektion!
00:14:01: Man identifizierte ein neues Virus und nannte es nach dem Ort seiner Entdeckung das Marburg-Virus.
00:14:08: Zurück nach Belgien zu Peter Piot.
00:14:11: Es dauert genau einen Tag, dann wird das Virus zum Politikum.
00:14:16: Amerikanische, französische und südafrikanische Delikationen haben sich auf den Weg nach Saire gemacht.
00:14:24: Die belgische Regierung will sich nicht hinten anstellen und beauftragt das entwerbtener Institut für Tropenmedizin mit einer ähnlichen Mission.
00:14:34: Und es soll nicht in einem Monat – auch nicht in eine Woche losgehen, sondern sofort!
00:14:41: Man plant eine zehntägige Expedition.
00:14:45: Institutsleiter Patyn schickt seinen besten Mann Das siebenundzwanzigjährige Greenhorn Peter Piot.
00:14:54: Damit erfüllen sich auf ziemlich gruselige Weise Piotts Jugendräume.
00:14:59: Aber er fragt erst einmal seine im dritten Monat schwangere Frau, als die grünes Licht gibt packen Piot und Wander Hohn alles zusammen was sie vor einem gefährlichen Virus schützen könnte darunter auch eine Motorradbrille.
00:15:15: Piot soll sogar lernen wie man Fledermäuse fängt weil Patyon aus irgendeinem Grund davon überzeugt ist Dass sie das Erregeriservoir sein.
00:15:24: Zwischenzeitlich wird bekannt, dass die Krankheit auch im Südsudan in Sarah wütet.
00:15:31: Drei Tage später fliegt Piot mit abgelaufenem Pass nach Kinshasa.
00:15:36: Dort ist eine Kommission aus örtlichen Verantwortlichen und internationalen Experten in Sorge Die Epidemie könne auf die drei Millionen Einwohner Großstadt übergreifen und bei einer Achtzig-Prozentsterblichkeit eine Katastrophe auslösen.
00:15:53: Nicht ganz unberechtigt, denn in einer der Kliniken kämpft eine Krankenschwester um ihr Leben!
00:16:00: Man will ihr die einzige Waffe geben, die man gegen das neue Virus hat – Antikörper gegen das Marburg-Virus gewonnen aus dem Blut früher erkrankt da.
00:16:10: Aber niemand weiß ob es eine Kreuzimmunität gibt, ob also die Marburg Antikörper gegen die Neue Krankheit helfen?
00:16:18: Und es weiß auch niemand, wie die Krankheit übertragen wird.
00:16:22: Wie sie tötet und wie sie therapiert werden kann!
00:16:26: Die Kommission beschließt dass eine kleine Expertengruppe mitten in das Geschehen entsand werden soll um weitere Informationen zu sammeln.
00:16:35: So macht sich Piot zusammen mit je einem Fachmann aus Frankreich den USA und Saire ein Range Rover und Medizinequipment im Transportflugzeug auf dem Weg nach Bumba einer Zehntausendeinwohnerstadt etwa hundert Kilometer von Yamabuku entfernt.
00:16:55: Kaum ist die Maschine entladen, starten die Piloten wieder – sie wollen nicht eine Sekunde zu lang in dem Quarantänegebiet bleiben.
00:17:04: Piyot hat keine Ahnung was ihn erwartet!
00:17:08: Zunächst müssten die Offiziellen, in der durch Quarantine ausgehungerten Stadt bestochen werden damit die vier Wissenschaftler überhaupt arbeiten können.
00:17:17: Als erstes lassen sie sich in das örtliche Krankenhaus fahren.
00:17:22: Die Zustände sind unbeschreiblich!
00:17:25: Die Patienten liegen ohne Matratzen auf den Spanffedern, oft ohne Decken – keine Medikamente, keine Infusionen, dafür überall Dreck….
00:17:34: die Wände fallen fast zusammen.
00:17:37: Piot ist entsetzt.
00:17:39: Aber noch viel entsetzt er ist, als er die Patienten mit der neuen Krankheit zu Gesicht
00:17:44: bekommt.".
00:17:46: Sterbende gestalten, die in Argonie herumliegen und überall Blut-und andere Körperflüssigkeiten.
00:17:54: Piot sammelt Blutproben für spätere Untersuchungen im Kinshasa.
00:17:58: Er erfährt das Vierundvierzig der umliegenden Dörfer betroffen sind – so gut wie jeder Infizierte sei innerhalb einer Woche gestorben!
00:18:09: Sie verlassen Bumba und fahren durch den tropischen Regenwald nach Yambuku in das Zentrum der Epidemie.
00:18:16: In der Missionsstation, dem Ursprungsort der Blutproben die Piot in Belgien untersucht hat, leben nur noch vier Menschen.
00:18:24: Drei Nonnen und ein Priester – aber auch sie sind überzeugt sterben zu müssen!
00:18:31: Das Missionskrankenhaus ist inzwischen geschlossen… Und wie rudimentär das Wissen über Krankheiten selbst in einem Missionskrankenhaus isst, zeigt ein tragikumisches Beispiel... Die Nonnen haben gelesen, dass man im Falle einer Epidemie einen sogenannten cordon sanitaire wörtlich übersetzt ein Sperrgürtel errichten solle.
00:18:56: Also haben sie eine Kordel um das Gasthaus in dem sie wohnen gespannt.
00:19:02: Aber die Nonnen können auch wertvolle Informationen liefern.
00:19:06: Siebzehn Klinikmitarbeiter sind gestorben und neununddreißig weitere Personen, die in der Mission lebten.
00:19:14: Viele Neugebirne seien unter den Opfern.
00:19:17: Sie glauben, die Krankheit könne mit einer Tradition zusammenhängen.
00:19:21: Manche Menschen in der Region essen Affenfleisch.
00:19:25: Aber es seien auch viele Aborte bei Schweinen vorgekommen und drei Monate zuvor habe es eine Epidemie unter den Ziegen gegeben.
00:19:33: Später bleiben die Untersuchungsergebnisse des Schweinebluts ohne Befund – aber etwas anderes entpuppt sich als wichtig!
00:19:42: Jeweils eine Woche nach Beerdigungen schnellen die Infektionszahlen in die Höhe.
00:19:48: Und es sind immer die Angehörigen betroffen, die sich um die Toten gekümmert haben.
00:19:54: Piotr und seine Kollegen ziehen nach Desinfektion in ein Klassenzimmer der Missionstation ein, teilen sich auf und fahren in den nächsten Tagen in unterschiedlichen Landrowern die Dörfer ab, um Informationen- und Glutproben zu
00:20:08: sammeln.".
00:20:10: In einem Dorf erfahren sie von einem Ehepaar, das krank in seiner Hütte läge.
00:20:16: Piot und sein Kollege ziehen sich in der Hitze des Regenwaldes ihre Schutzkleidung an – und betreten die Hüter.
00:20:23: Beide Patienten befinden sich in Argonie und sind bedeckt mit eingetrockneten und frischen Blut.
00:20:30: Während der Blutentnahme stirbt der Mann!
00:20:33: Die beiden Ärzte haben Sorge, von den Dorfbewohnern für seinen Tod verantwortlich gemacht zu werden aber sie können den Ort unversehrt verlassen.
00:20:43: Am Abend erfahren Sie über Funk, dass die Krankenschwester in der Klinik in Kinshasa trotz Antikörpergabe gestorben ist.
00:20:51: Es gibt also keine Kreuzimmunität und damit keine Therapiemöglichkeit mit Marburg-Antikörpern.
00:21:00: Je mehr Daten Piotr und seine Kollegen sammeln, desto mehr zeichnet sich ein Muster
00:21:06: ab.".
00:21:07: Neben den schon erwähnten Beerdigungen scheint auch der Aufenthalt im Belgischen Missionskrankenhaus eine Rolle zu spielen, und zumindest scheint ein Aufenthald dort eher zum Tod zu führen als umgekehrt.
00:21:21: Piotr schaut sich die Daten an.
00:21:23: Erinnert ihr euch noch das ich erwähnte dass in Jambuku so viele junge Frauen an der neuen Krankheit gestorben sind?
00:21:31: Besonders im Alter zwischen achtzehn-und fünfundzwanzig Jahren!
00:21:35: Aber
00:21:35: warum?!
00:21:37: Eigentlich ist das untypisch.
00:21:40: Piot und seine Kollegen sind ratlos, dann fragen sie sich was Frauen in genau dem Alter von Männern unterscheidet?
00:21:49: Und das ist offensichtlich auch wenn die Forscher ein paar Stunden brauchen um darauf zu kommen!
00:21:55: Die Frauen in dieser Region sind in dieser Lebensphase meistens schwanger – und so ist es auch hier.
00:22:02: fast alle Opfer waren schwanger Und die Schwangeren der Region gingen alle für Vorsorgeuntersuchungen in das inzwischen geschlossene belgische Missionskrankenhaus, indem ihnen von den Nonnen jeweils eine Vitamininjektion gegeben wurde.
00:22:19: Aber es gab in der Klinik nur fünf oder sechs Nadeln dafür – man verwandte sie immer wieder und kochte sie wenn überhaupt zwischen drin nur kurz aus!
00:22:31: So konnte eine einzige Ebola-infizierte Person alle anderen Schwangeren infizieren.
00:22:38: Und das Schlimmste, routinemäßige Vitamin B-Injektionen sind in einer Schwangerschaft überhaupt nicht notwendig!
00:22:46: Aber die Einheimischen halten Tabletten für schwache und Injektion für starke Medikamente – vollkommen unabhängig von ihren Inhaltsstoffen.
00:22:57: Deswegen wollten die Schwangeren dort auch alle diese Injektionen
00:23:00: haben.".
00:23:03: Nach viertägiger Warterei auf ein Flugzeug, verbunden mit der Sorge um die in trocken-eisgekühlten Blutproben kehren die Vierforscher nach Kinshasa zurück.
00:23:13: Und sie bringen etwas sehr wichtiges mit – Sie haben nämlich in einem der Dörfer zwei Überlebende gefunden!
00:23:19: Alle hoffen auf einen Antikörpernachweis im Blutplasma.
00:23:23: Eine derartige Untersuchung ist im Regenwald nicht möglich gewesen….
00:23:28: Daher mussten die beiden dazu überredet werden, mit nach Kinshasa zu kommen.
00:23:33: Über die Ergebnisse dieser Untersuchung habe ich aber weder in Piyot's Autobiografie noch sonstwo etwas gefunden.
00:23:41: Während die Epidemie abflaut, kehrt Piyott nach Janbuku zur Missionsstation zurück.
00:23:48: Dort lernt er noch mehr Infektionswege kennen – so hat ein Einheimischer Heiler Erkrankte mit dem Einritzen von magischen Zeichen in die Stirnhaut versucht zu heilen.
00:24:00: Und zur Sicherheit hat er das dann auch bei den Gesunden im Umfeld der Erkranken getan, und zwar ohne sein Messer zu reinigen!
00:24:08: Der Heiler ist bis zuletzt nicht von seiner Art zu heilen abzubringen.
00:24:14: Am neunten November stirbt das letzte Opfer in Yambuku.
00:24:18: Piyot nutzt die Zeit um mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen Und so erfährt er mehr über die Rituale bei Beerdigungen.
00:24:27: Wie auch in vielen anderen Ländern der Welt waschen die Angehörigen ihre Toten, oft sind dabei mehrere Personen beteiligt und natürlich tragen sie im Regenwald keine Schutzkleidung.
00:24:40: Danach werden die Toten direkt neben ihrer Hütte begraben – eingewickelt in ein Baumwolllaken.
00:24:47: Piot arbeitete im Dezember noch seine internationalen Nachfolger in Yamabuku ein und verlässt das Land am Zweiundzwanzigsten Dezember.
00:24:57: Aus einem geplant zehntägigen Aufenthalt ist eine über zwei monatige Reise geworden.
00:25:04: Ich kann jetzt keine Sensation über PIOTS Expedition berichten – natürlich gehörte er zu dem Forscher-Team, dass das Virus als erste nachgewiesen hat!
00:25:15: In Saire hat Piot dann maßgeblich und als einer der Pioniere dazu beigetragen, diese Krankheit und ihre Übertragungswege zu verstehen – und das zu einer Zeit in der überhaupt nichts darüber bekannt war.
00:25:31: Inzwischen wissen wir viel mehr!
00:25:33: Und was über Ebola bekannt ist, werde ich jetzt mal zusammenfassen… aber kein Lehrbuch wissen … sondern nur dass was ihr nicht zwischen den Zeilen sowieso schon mitbekommen habt.
00:25:48: Die Krankheit heißt offiziell Ebola-Hemorrhagic Fever.
00:25:54: Von den fünf bekannten Spezies, die beim Menschen Erkrankungen hervorrufen können sind das Sairebola Virus und das Bundibuyoebola Virus die medizinisch bedeutendsten.
00:26:07: Es handelt sich mal wieder um eine typische Zoonose.
00:26:13: Als natürliches Erregerreservoir in den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas gelten Flughunde.
00:26:20: Und zwar nicht Affen, denn Affen sind genauso wie Menschen – Nicht das erreger Reservoir sondern die Entwirte!
00:26:31: Der Ereger kreist also zunächst unbemerkt in einer Tierpopulation nämlich der der Flughunde.
00:26:38: Dann kommt es zu eine Übertragung auf ein oder mehrere Menschen Und ab diesem Zeitpunkt steht die Mensch-zu-Mensch-Infektion im Vordergrund.
00:26:48: Die Übertragung auf den Menschen erfolgt primär durch den direkten Kontakt mit Blut, Sekreten oder Organen infizierter Wildtiere – meist beim Schlachten oder Verzehr von sogenannten Buschfleisch.
00:27:01: Von Mensch zu Mensch wird der Erreger ausschließlich durch den direktem Kontakt von verletzter Haut und Schleimhäuten mit infizierten Körperflüssigkeiten wie Blut-, Speichel-, Erbrochenem-, Stuhl oder Sperma übertragen, sowie durch verunreinigt die Gegenstände wie Unstirile Spritzen.
00:27:19: Eine Ansteckung über die Luft findet nicht statt!
00:27:23: Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und einundzwanzig Tagen im Durchschnitt bei acht bis zehn Tagen.
00:27:31: Patienten sind erst ab dem Auftreten der ersten Symptome ansteckend.
00:27:39: Neben der symptomatischen Therapie existieren mittlerweile zugelassene Antikörperpräparate wie IMAZEP und Ebanga.
00:27:47: Zudem steht mit Erwebo ein hochwirksamer Impfstoff zur Verfügung, der zielgerichtet in Ausbusgebieten eingesetzt wird.
00:27:57: In klinischen Studien senkten diese Therapien die Sterblichkeit drastisch – insbesondere wenn sie frühzeitig verabreicht wurden!
00:28:06: Allerdings sind diese Medikamente und Impfstoffe spezifisch für die Variante Saire Ebola-Virus entwickelt worden, die aber für die meisten und schwersten Ausbrüche der Geschichte verantwortlich ist.
00:28:19: Seit der Erstentdeckung im Jahr neunzehntundsechsohn siebzig wurden weltweit über dreißigörtliche Ausbrücke dokumentiert, die ganz überwiegend in Sub-Sahara Afrika stattfanden.
00:28:31: Insgesamt wurden bisher weit über fünfund dreißigtausend Infektionen und mehr als fünfzehntausend Todesfälle erfasst.
00:28:40: Den mit Abstand größten Ausbruch bildete die Westafrika-Epidemie, über die ich ja in der ersten der zwei Ebola-Folgen berichtet habe – und wir müssen uns mit einem Fakt abfinden.
00:28:53: Ebola wird nicht verschwinden!
00:28:56: Der Grund dafür liegt in der Natur des Erregers als
00:28:59: Zoonose.".
00:29:01: Solange Menschen in Kontakt mit diesen Wildtieren oder infiziertem Buschfleisch kommen, wird es auch in Zukunft immer wieder zu sogenannten Spel-over-Events kommen.
00:29:12: Bei denen das Virus auf den Menschen überspringt.
00:29:15: Bestes Beispiel ist der aktuelle Ausbruch Anfang im Jahr.
00:29:20: für die Menschen ist das Ebola-Virus wieder übergesprungen und wieder in der Demokratischen Republik Kongo.
00:29:29: Wirklich bemerkt wurde das jedoch erst im Mai.
00:29:33: Auslöser ist dieses Mal das seltene Bundibuyo-Ebola-Virus, also gibt es weder eine Therapie noch einen Impfstoff.
00:29:43: Wegen der schnellen Dynamik hat die Weltgesundheitsorganisation eine internationale Gesundheitsnotlage erklärt.
00:29:50: Bisher sind fast die Hälfte der Erkrankten über zweitausend Menschen gestorben – darunter auch wieder viele Pflegekräfte, Ärzte.
00:30:01: Deutschland stellt elf Millionen Euro Unterstützung in Aussicht.
00:30:06: Das Silvesterfeuerwerk in einer deutschen Großstadt kostet mehr!
00:30:12: Das war Geschichten der Medizin, wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen ob weltbewegend oder ganz persönlich.
00:30:27: die nächste Geschichte wartet schon bis dahin.
00:30:32: Bleibt gesund!
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