#034 Ebola - Das Grauen in Afrika (1)
Shownotes
In dieser Folge: In Teil 1 dieser Doppelfolge steht das Schicksal des Infektiologen Dr. Ian Crozier im Mittelpunkt. Sein Einsatz während der schweren Ebola-Epidemie 2014 in Sierra Leone nimmt eine dramatische Wendung, als er sich selbst mit dem tödlichen Erreger infiziert. Was folgt, ist ein wochenlanger Kampf ums Überleben in einer US-Spezialklinik – und die verblüffende Erkenntnis über das tückische Post-Ebola-Syndrom, da das Virus an unerwarteten Orten im Körper verbleibt. Eine persönliche Geschichte über den Spagat zwischen medizinischem Ethos und Eigenschutz.
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🔎Quellen:
- Ebola Survivor - Dr. Ian Crozier
- Because They Got Better
- BBC News: How world's worst ebola outbrack began with one boys death
- UTMB: Jan Crozier, MD
- Looking back at the ebola crisis in Sierra Leone
🎵Musik:
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Transkript anzeigen
00:00:00: Heute erlebt ihr eine Premiere.
00:00:03: Diese Folge ist nämlich der erste Teil einer Doppelfolge.
00:00:08: Bei der Recherche habe ich ganz schnell gemerkt, dass das heutige Thema unmöglich in einer einzigen Folge behandelt werden kann.
00:00:16: Ich würde weder den Betroffenen noch den Forschern und Helfern gerecht werden.
00:00:23: Also habe ich mich entschlossen die zwei Geschichten, die ich zu erzählen habe auf zwei Folgen zu verteilen.
00:00:31: Heute erzähle ich euch sozusagen als Einstieg von dem Schicksal eines Betroffenen.
00:00:37: Es geht also um eine persönliche Geschichte der Medizin und erst in der zweiten Folge um das große Ganze, auf welche wirklich abenteuerlicher Weise wurde die Ursache dieser tödlichen Erkrankung gefunden – tief im Dschungel!
00:00:55: Und damit ihr nicht so lange warten müsst wird die zweite Folge schon Nächsten Dienstag erscheinen.
00:01:02: Nun aber zu unserem Fall.
00:01:09: Stellt euch vor, ein Virus bricht in eurer Kleinstadt aus und innerhalb weniger Wochen verliert ihr einen großen Teil eurer Familie und Freunde.
00:01:20: dann bekommt ihr auch Fieber.
00:01:23: oder stelle euch vor Ihr geht als Arzt in eine Region der Welt in der das Gesundheitssystem rudimentär ist die medizinische Infrastruktur mehr als nur ausbaufähig und dann explodieren die Patientenzahlen.
00:01:40: Das sollte eigentlich der Einstieg in diese Folge sein, aber eines möchte ich auch noch sagen – Ich habe mir schon bei den Recherchen zu manch einer Folge ein Tränchen verdrückt!
00:01:51: Aber bei dieser Krankheit habe ich so oft beinen müssen wie bisher.
00:01:56: überhaupt nicht für diesen Podcast.
00:02:12: Willkommen zur Geschichten der Medizin Den Podcast über medizinische Schicksale historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle.
00:02:26: Ich bin Kerstin, Ärztin und Erzählerin.
00:02:32: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen- und dramatische Diagnosen mal weltbewegend, mal ganz persönlich immer medizinisch, immer spannend!
00:02:53: Ebola – das Grauen in Afrika Folge eins Der dreiundvierzigjährige US-amerikanisch-Symbapweanischearzt Dr.
00:03:08: Ian Crozier ist ein Spezialist für Infektionskrankheiten.
00:03:14: Seit sechs Jahren lebt und arbeitet er am Institut für Infektionskrankheiten in Uganda.
00:03:24: Er beschäftigt sich dort mit dem Händling von HIV, Tuberkulose & Malaria.
00:03:34: aber als Arzt einige Ausbrüche des verwandten Marburg-Virus erlebt.
00:03:39: Als er im Frühsommer, ein Anruf von seinem Kollegen George Riesi erhält, zögert er nicht lange und macht sich im August auf den Weg nach Sierra Leone.
00:03:51: Dort ist der Ebolaerreger über die Grenze von Guinea in das Land eingebrochen – schließlich auch in der zweitgrößten Stadt Sierra Leones angekommen!
00:04:04: Hier leben knapp zweihunderttausend Einwohner.
00:04:07: Die Stadt erstreckt sich in einer Senke, unmittelbar an den bewaldeten Ausläufern der Cambui Hills eine dicht bewaldeten Hügelkette.
00:04:18: Das Stadtbild wird von unbefestigten Straßen stetige Motorrad-Taxiverkehr und einstöckigen Bauten bestimmt.
00:04:27: Entlang der Hauptstraße sieht man offene Märkte und einfache Verkaufsstände.
00:04:32: Hier werden Kakao, Café, Palmöl und Grundnahrungsmittel gehandelt.
00:04:38: Gleichzeitig ist Kennermar das administrative Zentrum des regionalen Diamantenhandels.
00:04:46: Zahlreiche lizencierte Aufkäufer betreiben kleine Büros im Stadtzentrum wo der An- und Verkauf von Rohstein aus den umliegenden Abbaustätten abgewickelt wird.
00:04:58: Die Vegetation ist tropisch die Luftfeuchtigkeit mörderisch.
00:05:04: Im Mai treten die ersten Fälle auf, Menschen erkranken an Fieber, furchtbaren Durchfällen und Erbrechen und Bluten aus Körperöffnungen.
00:05:15: zwischen dreißig-und siebzig Prozent je nach Statistik und Ort versterben.
00:05:21: Nun soll so schnell wie möglich die notwendige Infrastruktur zur Bekämpfung der gefürchteten Krankheit eingerichtet werden.
00:05:29: Crozier trifft sich mit Kollegen im Kennemer Government Hospital.
00:05:34: Und natürlich stellt sich niemand von uns ein Krankenhaus nach westlichen Standards vor, aber die Realität ist noch viel schlimmer als man von Europa aus glaubt.
00:05:46: Einige einfache Steinhäuser, ein paar Wellblechhütten und Zelte auf brauner festgestampfter Erde.
00:05:53: Hier arbeiten Ärzte aus dem Ausland zum Beispiel von Ärzte ohne Grenzen, mit den wenigen einheimischen Ärzten zusammen.
00:06:02: Sie bringen Know-how und Material wie Schutzausrüstung und Medikamente ins Land und unterstützen das lokale Personal bei der Patientenversorgung.
00:06:13: Dennoch ist es schwer – ein kleines Provinzkrankenhaus wenn man es überhaupt so nennen kann und täglich achtzig bis neunzig neue Patienten.
00:06:24: Grozier glaubt, als Arzt für Infektionskrankheiten mit jahrelange Erfahrung auch in Afrika gut vorbereitet zu sein.
00:06:34: Aber nichts hätte ihn oft das vorbereiten können was in den nächsten Wochen auf ihn zukommt!
00:06:42: Er sagt später dass Ebola den Menschen die Würde nähme.
00:06:48: Während er und seine Kollegen Tag- und Nacht arbeiten sehen sie menschensterben manchmal zehn am Tag, andere überleben und niemand weiß warum.
00:07:00: Die Bilder gleichen denen von Covid-IX sechs Jahre später.
00:07:04: Das Krankenhauspersonal ist in den weißen Schutzanzügen kaum zu erkennen.
00:07:09: daher schreiben sie sich ihren Namen mit schwarzen Addings im großen Buchstaben vorne auf die Brust.
00:07:16: Und dann ist da der tägliche Konflikt zwischen Vernunft und Ethos.
00:07:22: Als Arzt möchte man ja anderen Menschen helfen.
00:07:25: In so einer Situation müssen Arzt und auch alle anderen Helfer ihre eigene Gesundheit, aber über die der Patienten stellen – ein so schwieriger Spagat zwischen Wunsch-und Notwendigkeit!
00:07:38: Und natürlich ist es auch menschlich Angst zu haben wenn man sieht wie andere unter schlimmsten Qualen sterben.
00:07:45: Das regionale Personal, die Schwestern und Pfleger haben schon viele ihrer Kollegen sterben sehen….
00:07:52: Daher ist die Angst verständlicherweise riesengroß, und das ist eines der Hauptprobleme bei der Versorgung.
00:08:01: Ein kurzer Hinweis an dieser Stelle – Das Ebola-Virus überträgt sich nicht über die Luft!
00:08:08: Es erfordert einen direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten einer infizierten Person wie Blut, Erbrochenem, Speichel oder anderen Ausscheidungen.
00:08:20: Oft sind unstillbares Erbrechen und furchtbare Durchfälle die ersten Symptome von Ebola.
00:08:26: Diese führen logischerweise zu einer Dehydrierung, was so harmlos klingt ist doch so gefährlich aber in einem gut ausgestatteten Krankenhaus vor allem auf Intensivstationen relativ leicht zu behandeln.
00:08:42: Der Elektrolyd- und Flüssigkeitshaushalt wird mit Infusionen ausgeglichen.
00:08:48: Das kann man aber nur machen, wenn in kurzen Zeitabständen immer wieder die entsprechenden Parameter wie Natrium Kalium Blutdruck und andere Werte kontrolliert werden.
00:09:01: Dazu braucht man Personal das sich stunden oder tagelang intensiv um einen Patienten kümmert.
00:09:08: Man kann nicht einfach standardisiert Infusion geben.
00:09:12: Aber nun stellen wir uns vor Da liegt ein Patient, der aus den Körperöffnungen blutet – bei dem wenen Zugänge erneuert und regelmäßig Blutproben untersucht werden müssen.
00:09:25: Die Schwestern- und Pfleger haben aber Familienmitglieder, Freunde und Kollegen genau gegen diese Krankheit verloren!
00:09:33: Insgesamt sind während dieses Ausbruchs fünfhundert Pflegekräfte gestorben.
00:09:38: Und da steht jetzt ein Arzt aus den USA und versucht, das sowieso schon vollkommen unterbesetzte Personal dazu zu bewegen sich neben das Bett eines schwerstkranken Ebola-Patienten zu setzen.
00:09:51: Und diesen zwar im Schutzanzug aber zu berühren.
00:09:57: Ein großes Problem, dass Grozier täglich in Kennerma erlebt und das unzählige Leben kostet.
00:10:05: Aber ich möchte hier nicht den falschen Eindruck erwecken, dass das Hauptproblem das Verhalten des Personals sei.
00:10:12: Es gibt unzählige so mutige Schwestern und Pfleger die sich Tag ob Nacht um diese Patienten kümmern – wie zum Beispiel Nancy Yoko, die leitende Krankenschwester von Kenema, die nach monatelangen Einsatz selbst erkrankt und stirbt… Und das jenseits allermedialen Aufmerksamkeit!
00:10:34: Ein weiteres Problem?
00:10:36: Da so wenige Patienten die Krankenhäuser lebend verlassen, bleiben erkrankte zu Hause und stecken ihre Familien an.
00:10:44: Viele halten Ebola für eine Erfindung der Behörden, demonstrieren wütend und werfen Steine auf Kliniken.
00:10:51: Verschwörungstheorien gehen herum – man stelle den Menschen ihr Blut während hinter den Toren der Krankenhäuser die Menschen sterben!
00:11:01: Die Krankheit wütet also in der Bevölkerung, aber sie fordert eben auch viele Opfer unter den Helfern.
00:11:09: Während seines Einsatzes in Kennermar muss Crozier immer wieder die Evakuierung von erkrankten ausländischen Mitarbeitern organisieren.
00:11:18: Einer von ihnen ist der neunundzwanzigjährige britische Krankenpfleger Will Pooley, der zu Beginn des Ausbruchs einen freiwilligen Hilfsdienst und sofort nach Kenema kam, um nun dort zu helfen.
00:11:35: An einem seiner ersten Arbeitstage muss Crozier dem jungen Mann diese oft tödliche Diagnose mitteilen – er organisiert auch dessen Evakuierungsflug nach
00:11:45: Großbritannien.".
00:11:47: »Das muss aufhören!
00:11:49: Es sind zu viele,« sagt Crozier Anfang September zu einem Kollegen der einen dieser Flüge begleitet.
00:11:56: »Ich möchte euch nicht wiedersehen, witzelt er noch herum.
00:12:01: und bekommt kurze Zeit später, am sechsten September Fieber Kopf- und Gliederschmerzen.
00:12:10: Er isoliert sich in seinem Hotelzimmer entnimmt sich selbst eine Blutprobe und wartet.
00:12:17: Am nächsten Morgen kommt das Ergebnis Die PCR also der Virus.
00:12:21: Nachweis ist positiv.
00:12:25: Ian Crozier benachrichtigt seine Familie und wird zwei Tage später in das Emery University Hospital nach Atlanta geflogen.
00:12:34: Er ist schon der dritte Mediziner, der dort behandelt wird.
00:12:38: Das letzte an was er sich erinnern kann ist wie er mit langsamen Schritten aber auf seinen eigenen Beinen im weißen Schutzanzug am Arm eines Helfer des Flugzeug verlässt.
00:12:52: Dreieinhalb Wochen später erwacht er!
00:12:56: Nun ist er vierundvierzig Jahre alt.
00:12:59: In der Zwischenzeit traten die Ebola-Viren in seinem Gehirn über und verursachten eine Enzephalitis, einer der gefürchteten Ebola-Komplikationen.
00:13:10: Crozier verliert an manchen Tagen acht bis zehn Liter Flüssigkeit über den Darm so ähnlich wie bei der Cholera.
00:13:19: Hier ein kleiner Hinweis auf die letzte Folge, Folge dreiunddreißig – Die Cholara in Hamburg.
00:13:26: Am siebten Tag entwickelt sich ein Lungenversagen, sehr wahrscheinlich aufgrund der vermierten Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße in der Lunge – wie wir es beim Zytokinsturm später auch bei Covid-IX Patienten gesehen haben.
00:13:42: Er muss intubiert und beatmet werden.
00:13:45: Dazu kommt ein akutes Mierenversagen weil die Muskeln sich auflösen und dadurch das mierenschädliche Myoglobin freigesetzt wird und über die Blutbahnen denieren erreicht.
00:13:58: Er wird an die Dialyse angeschlossen, um es hier abzukürzen.
00:14:03: Ian Crozier befindet sich mitten in einem Multiorganversagen – und seine Überlebenschancen sind nahezu null!
00:14:13: Das ist natürlich auch den behandelten Ärzten in Atlanta klar….
00:14:17: Und so wagen sie eine experimentelle Therapie... …und nun kommt wieder Will Pooley ins Spiel.
00:14:25: Ihr erinnert euch, der an Ebola erkrankte britische Krankenpfleger.
00:14:30: Will hat tatsächlich in einer Londoner Klinik überlebt.
00:14:35: Nun setzt er sich ins nächste Flugzeug und spendet in Atlanta sein Blutplasma – das Blut-Plasma, in dem sich hoffentlich Antikörper gegen Ebola befinden!
00:14:47: Nach Genehmigung durch die FDA, die amerikanische Arzneimittelbehörde starten die Ärzte in Atlanta einen experimentellen Therapieversuch.
00:14:58: Crozier erhält insgesamt sechs Plasma-Bosen.
00:15:02: Ob genügend Antikörper in Pulles Plasma enthalten sind und ob dieser Therapieansatz einen entscheidenden Impact hat kann niemand mit Bestimmtheit sagen – es ist ein verzweifelter Versuch!
00:15:17: Aber fremde Antikörper können einen derartig schwerkranken Patienten natürlich, wenn überhaupt nur über eine gewisse Zeit herüber retten.
00:15:28: Das ist jedoch genau die Zeit, die der Körper benötigt um mit der eigenen Immunantwort zu beginnen!
00:15:36: Allerdings meine ich hier nicht den gefürchteten Zytokinsturm, also eine Überreaktion der körpereigenen Abwehr mit massenhaft Ausschüttung von Botenstoffen die mehr Schaden anrichten als nützen.
00:15:50: Hier ist die Produktion von Antikörpern und T-Zellen gemeint – und sie setzt nun auch bei ihren Crozier ein!
00:15:58: Und es passiert das Unglaubliche….
00:16:00: Das Immunsystem beseitigt die Ebola-Viren Glauben zumindest alle, weil keine Viren mehr im Glut nachweisbar sind.
00:16:09: Croja erholt sich.
00:16:12: Auch die anderen Blutwerte verbessern sich.
00:16:15: Die Symptome sind rückläufig.
00:16:18: Nach vierzig Tagen kann er aus dem Emory University Hospital entlassen werden.
00:16:24: Er hat fünfzehn Kilogramm abgenommen Kaum noch Haare Und muss mühsam wieder laufen lernen Weil er so viel Muskelmasse verloren hat.
00:16:34: Aber er nimmt zu, lernt laufen und ist allen seinen Ärzten und Pflegern überaus dankbar.
00:16:42: Sie haben ihm ein neues Leben geschenkt wie man so sagt.
00:16:46: Aber wenn etwas zur Ende ist, ist es halt noch lange nicht vorbei.
00:16:52: Zunächst ist er natürlich erleichtert und froh, überlebt zu haben – aber nach und nach stellen sich neue Symptome ein!
00:17:01: Da ist diese unendliche Müdigkeit, er kann kaum die Augen offen halten.
00:17:06: Dazu kommen Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und Wortfindestörungen – aber auch Gelenk- und Muskelschmerzen und Neuropathien also Taubheitsgefühl und Missempfindung an den Füßen.
00:17:19: Auf dem linken Ohr ist er fast vollständig ertaubt und erleidet unter einem
00:17:24: Tinnitus.".
00:17:26: Übrigens alles Symptome, die von vielen überlebenden Afrikanern berichtet werden.
00:17:32: Das ist aber noch nicht Alles!
00:17:35: Einige Wochen nach der Entlassung werden seine Augen lichtempfindlich und fangen an ein bisschen zu brennen.
00:17:42: Roger macht sich zunächst keine Gedanken.
00:17:45: Dann kommen aber Seestörungen dazu – er wird auf dem linken Auge plötzlich extrem
00:17:51: weitsichtig.".
00:17:54: Also macht er einen Termin bei Dr.
00:17:56: Steven Yeh und zwar in genau der Klinik, in der er wochenlang gegen Ebola gekämpft hat.
00:18:04: Bis auf einige kleine Narben am Augen-Hintergrund ist nichts Auffälliges zu finden.
00:18:10: Anfang Dezember entwickelt Crozier dann aber linksseitige Augenschmerzen Kopfschmerzen und Übelkeit.
00:18:17: Straßenlaternen haben einen kreisrunden zusätzlichen Schein.
00:18:22: Dieses Mal ist der Befund des Augenarztes ernst.
00:18:25: da.
00:18:26: Croger hat einen deutlich erhöhten Augeninnendruck, ohne die typische Abflussstörung bei einem Engwinkeglaukom.
00:18:33: Er muss drucksenkende Augentropfen nehmen – zusätzlich hatte er eine Entzündung im Auge und ich erkläre jetzt nicht genau wo weil das ein Podcast-Format sprengt.
00:18:47: Als diese Symptome über die nachfolgenden Tage zunehmen muss Crozier eine unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen.
00:18:55: Der Augenarzt zieht nämlich mit einer Spritze ein bisschen Kammerwasser aus dem Auge ab, der Laborbefund ist verstörend – man findet Ebola-Viren!
00:19:07: Der eigentlich ebolafreie Crozier hat mehr Ebola-vieren in seinem Auge als er zu seinen schlimmsten Zeiten im Blut hatte.
00:19:17: Damit hat niemand gerechnet.
00:19:19: Wie soll man damit umgehen?
00:19:22: Um die Entzündung einzudämmen, startet man eine orale Cortisontherapie.
00:19:27: Er nimmt also Cortison-Tabletten!
00:19:30: Aber die Entzinnung ist schneller – sie sorgt dafür dass der Augeninnendruck nun plötzlich dramatisch abfällt.
00:19:38: Das isst auch nicht gut.
00:19:40: Stellt euch vor statt eines prallen aber eindrückbaren Aukapfels habt ihr plötzlich Gillé in der Augenhöhle.
00:19:49: Crozier ist auf dem linken Auge so gut wie blind und noch etwas merkwürdiges passiert.
00:19:55: Sein eigentlich blaues Auge ist plötzlich so grün-villanen im Dschungel!
00:20:01: Gut, mit einer anderen Augenfarbe kann man leben – aber hier geht es natürlich um viel mehr nämlich um seine Seekraft.
00:20:10: Und so findet sich Ian Crozier Weihnachten wieder in dem selben Krankenhausbett, indem er schon einmal gegen Ebola gekämpft hat….
00:20:19: Und auch dieses Mal beantragen seine behandelnden Ärzte eine Sondergenehmigung bei der FDA, der amerikanischen Arzneimittelbehörde.
00:20:28: Sie wollen ihm als experimentellen Versuch ein Antiviralismedikament geben – Favipiravia!
00:20:36: Die FDA stimmt zu.
00:20:38: Drei Wochen dauert die Therapie und sie schlägt an.
00:20:43: Es dauert aber nach und nach nimmt die Entzündung ab Die Seekraft kehrt nicht ganz, aber fast vollständig zurück.
00:20:53: Und unglaublich war das linke Auge wird wieder blau.
00:20:59: Das was Ian Crozier erlebt hat klingt so besonders und ist es doch nicht!
00:21:06: Er hat als Arzt mit amerikanischen Wurzeln halt die Möglichkeiten der Öffentlichkeit und Medien – aber seine Symptome nach der eigentlichen Ebola-Infektion sind in Afrika hinlänglich bekannt.
00:21:21: Man nennt es Post Ebola Syndrome, doch das kommt uns doch irgendwie bekannt vor!
00:21:28: Schauen wir ausgehend von zwei Tausend Vierzehn nur sechs Jahre in die Zukunft?
00:21:33: Dann kommen wir in das Jahr Zwei Tausends Zwanzig mit der Covid-Ninzen Pandemie und nachfolgend vielen, vielen Post-Covid-Patienten über ähnliche Symptome klagen... Vielleicht nicht genau diese Augensymptome, aber die Müdigkeit, die neurologischen Beschwerden und die Entzündungssymptome wie zum Beispiel eine persistierende Myocarditis – also Herzmuskelentzündung.
00:21:59: In Afrika gibt es Stand heute schätzungsweise siebzehntausend Ebola-Überlebende.
00:22:06: Viele davon leiden genau unter diesen Symptomen und das nicht nur in den Monaten nach der Infektion, sondern jahrelang.
00:22:16: So geben nach fünf bis sieben Jahren immer noch gut fünfzig Prozent der Patienten spätfolgen an!
00:22:22: Und wie erklären sich diese Postinfektionssyndrome?
00:22:27: Dass ein Virus aus dem Blut verschwunden ist bedeutet keineswegs dass der Körper vollständig frei von Erregern ist.
00:22:36: Das Ebola-Virus besitzt die Eigenschaft, sich in sogenannten immunprivilegierten Arealen des menschlichen Körpers festzusetzen.
00:22:45: Dazu zählen Organe wie das Augeninnere-, das Zentralnaffensystem-, die Hoden oder die Gelenkinnenräume.
00:22:54: Diese Bereiche sind durch biologische Schranken wie die Bluthirnschranke oder die Blutenetzhautschranke geschützt.
00:23:01: Um das empfindliche Gewebe vor Schäden durch aggressive Immunreaktionen zu bewahren, ist die Aktivität der Abwehrkräfte in diesen Zonen physiologisch stark herunterreguliert.
00:23:13: Während der akuten Infektionsphase überwindet das Ebola-Virus diese Schranken also und setzt sich im Geweber
00:23:21: fest.".
00:23:22: Dort kommt es zum Absterben der Zellen durch den Vermehrungszyklus der Viren und durch Giftstoffe der Vieren, die direkt die Zelle schädigen.
00:23:32: Da T-Zellen und Antikörper diese isolierten Bereiche nur schwer erreichen, gelingt dem Körper keine vollständige Elimination des Erregers.
00:23:42: Im Auge führt die kontinuierliche Auseinandersetzung zwischen dem vorhandenen Erreger und der verbliebenen Abwehr zu chronischen Entzündungen, die das See vermögen dauerhaft schädigen.
00:23:55: Zudem lässt sich das vermehrungsfähige Virus in den Flüssigkeiten dieser geschützten Räume – insbesondere in der Samenflüssigkeit – teils noch viele Monate nach der klinischen Genesung nachweisen.
00:24:08: Mit allen schrecklichen Folgen!
00:24:11: Denn damit ist natürlich eine Ansteckung beim Geschlechtsverkehr möglich.
00:24:15: Das macht die medizinische Nachsorge extrem
00:24:18: komplex.".
00:24:20: Sicher, das ist der Leidensweg eines Privilegierten.
00:24:24: Denn der typische Patient aus Sierra Leone kann mit einer Behandlung aber nicht mit der Expertise und den technischen Möglichkeiten eines US-Krankenhauses rechnen.
00:24:35: Crozier selbst sagte einmal dass er wohl kaum überlebt hätte wenn er nicht evakuiert worden und nicht so ein immenser Aufwand betrieben worden wäre und erlitt wie so viele andere Überlebende an Schuldgefühlen.
00:24:52: Andererseits ist es natürlich nicht möglich, alle Ebola-Patienten bei Ausbrüchen zu evakuieren – damit wird klar, dass sich die Bedingungen vor Ort ändern müssen!
00:25:03: Zum einen sollte es gar nicht mehr zur Ausbruch kommen ….
00:25:08: Dann sollten auch in den afrikanischen Ländern Patienten echte Chancen haben durch die Hilfe einheimischer, gut ausgebildeter medizinischer Fachkräfte.
00:25:19: Nun könnte man natürlich sagen – wenn man gedanklich und praktisch die heimischen Mediziner und Pflegenden in den Mittelpunkt stellen sollte!
00:25:28: Warum wird dann wieder das Schicksal eines privilegierten Amerikaners gestellt?
00:25:34: und nicht das eines Opfers oder Arztes aus Sierra Leone zum Beispiel.
00:25:40: Das liegt einfach daran, dass erstens Ebola nicht ununterbrochen im Fokus der Öffentlichkeit steht – und ist zweitens die Schicksale der Betroffenen vor Ort gar nicht in die Medien schaffen!
00:25:52: Ich kann also nur über Ereignisse berichten, die auch ausreichend zugänglich sind….
00:25:58: Wie schon gesagt ….
00:25:59: Ein ähnlicher Fall mit einem afrikanischen Arzt hätte niemals so viel Aufmerksamkeit erregt.
00:26:06: Wichtig ist jedoch zu erkennen, dass es nicht zielführend ist noch mehr ausländische Kräfte zu mobilisieren sondern es muss in die Ausbildung der einheimischen Pflegekräfte und den Ausbau der medizinischen Infrastruktur investiert werden.
00:26:22: Ausbrüche können nur frühzeitig entdeckt werden wenn es genügend Labore gibt und Proben nicht tagelang über unwegsames Gelände in die nächste Hauptstadt transportiert werden müssen.
00:26:35: Und unbekannte Ausbrüche kann man nur schnell und effizient eindämmen, wenn mobile Behandlungszentren zur Verfügung stehen.
00:26:44: Hilfe zur Selbsthilfe ist somit in den Ebola-Gebieten keine Phrase sondern der einzige Weg!
00:26:51: Nur wie kann diese Hilfe zur Selfshilfe angestoßen werden?
00:26:57: Empathie liegt in der Natur des Menschen, besonders wenn das Leid anderer groß ist.
00:27:04: Die Bilder verheerender Seuchen und überlastete Helfer rühren an unser tiefstes Ethos.
00:27:11: Doch selbst wenn man Empathies- und moralische Verpflichtungen komplett beiseite lässt offenbart der emotionslose Blick auf die Realität eine ganz pragmatische Konsequenz.
00:27:24: Die Unterstützung afrikanischer Staaten beim Aufbau eigener funktionierender Gesundheitssysteme ist kein Akt der Barmherzigkeit, sondern fußt auf unser aller Eigeninteresse.
00:27:37: Viren und hochgefährliche Erreger kennen in einer vernetzten Welt schlicht keine Staatsgrenzen!
00:27:43: In Zeiten des internationalen Flugverkehrs und weltweite Handelströme ist ein Ausbruch in eine entlegenen Region Sierra Leones innerhalb von vierundzwanzig Stunden potenziell in jeder Metropole der Welt angekommen.
00:27:58: Ein lokales Gesundheitssystem, das eine Epidemie direkt an ihrem Ursprung stoppt, ist die günstigste und wirksamste Schutzmauer gegen weltweiten Pandemie.
00:28:09: Stellt euch mal vor, Covid wäre in China gestoppt worden!
00:28:13: Nur als Gedankenspiel, denn die Übertragungswege sind natürlich ganz unterschiedlich.
00:28:19: Aber dazu mehr in Folge II.
00:28:22: Darüber hinaus sichert die Stabilität vor Ort auch die Weltwirtschaft.
00:28:27: Der afrikanische Kontinent ist der entscheidende Lieferant für Rohstoffe wie Kobalt, seltene Erden oder Agrargüter, die für die globale Industrie unverzichtbar sind.
00:28:39: Brechen Regionen durch medizinische Krisen zusammen?
00:28:42: kollabieren Lieferketten, was weltweite Versorgungsengpässe und Preisschocks nach sich zieht.
00:28:49: Das haben wir gerade bei der Sperrung der Straße von Hormust gesehen.
00:28:54: Gleichzeitig verhindert der Aufbau stabiler Lebensbedingungen vor Ort das Entstehen von Notlagen die Menschen zur Flucht zwingen.
00:29:03: Geopolitisch betrachtet ist Afrika zudem ein Wachstumsmarkt der Zukunft.
00:29:09: Wer dort heute als verlässlicher Partner auftritt und Hilfe zu Selbsthilfe leistet, sichert sich nachhaltigen diplomatischen Einfluss- und stabile Bündnisse.
00:29:21: Am Ende zeigt sich ein nüchternes Kalkül.
00:29:25: Die Ausbildung einheimischer Fachkräfte und der Aufbau robuster Strukturen vor Ort kosten nur einen Bruchteil dessen was internationale Notfalleinsätze, Evakuierungen oder die wirtschaftlichen Vollgeschäden einer weltweiten Krise verschlingen würden.
00:29:43: Die Selbstständigkeit afrikanischer Länder zu fördern, ist damit schlicht der klügste Selbstschutz den wir uns leisten können.
00:29:53: Aber zurück zur Ian Crozier.
00:29:56: Sein linkes Auge wurde stand im Jahr zwei Tausend Siebzehn nicht mehr auf Ebola-Viren getestet weil bei dem niedrigen Augeninnendruck die Gefahr einer Funktion einfach so hoch sei wie er in einem Interview sagte.
00:30:10: Seine Tränenflüssigkeit war jedoch immer virusfrei, überhaupt sei keine Ansteckungsgefahr über Trähenflüssigkeit bekannt – wohl aber durch das Kammerwasser!
00:30:23: Daher erriet Quorja-Dring davon ab, Funktionen oder operative Eingriffe an den Augen ehemaliger Ebola-Patienten vorzunehmen.
00:30:34: Heutzutage hat man diese Haltung etwas relativiert, wenn durch eine Operation eine Erblindung abgewendet werden kann.
00:30:42: Dann wird vorher unter größten Schutzvorrichtungen eine Funktion des Kammerwassers durchgeführt und wenn die negativ ausfällt dann erst wird operiert.
00:30:55: Später arbeitete Crozier Eng mit der WHO und dem Emery Ice Center zusammen, um Leitlinien zur Behandlung von Ebola-Überlebenden zu entwickeln.
00:31:05: Und Komplikationen wie Augenentzündung oder das Überdauern des Virus in Körperflüssigkeiten zu erforschen.
00:31:14: Er kehrte mehrfach nach West- und Zentralafrika zurück um Ärzte vor Ort zu Schulen, Überlebende zu behandeln und die medizinische Versorgung bei Ebola-Ausbrüchen zu verbessern.
00:31:27: Unter anderem während des großen Ebola Ausbruchs in der demokratischen Republik Kongo zwischen dem Jahr zwei Tausend Achtzehn und dem Jahr zweitausend Zwanzig.
00:31:37: Der westafrikanische Ebolaausbruch von Dezember Zwei Tausends Dreizehn bis Juni Zwei tausends Sechzehn war die mit Abstand größte und verheerendste Epidemie in der Geschichte des Virus, das ansonsten in Zentralafrika beheimatet ist.
00:31:54: In den drei hauptbetroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone erkranken offiziell rund achtundzwanzigtausend sechshundert Menschen – über elftausendeihundert starben.
00:32:08: Zum Vergleich Am elften September, two thousand eins starben zwei tausend neunhundert siebund siebzig Menschen.
00:32:17: Schrecklich für jeden Einzelnen!
00:32:19: Aber diese Zahlen verdeutlichen schon die Verzerrung unserer Wahrnehmung.
00:32:25: Die Epidemie hinterließ mit Sierra Leone ein Land in dem viele Familien dezimiert waren.
00:32:32: Der wachsende Strukturen und gesellschaftlicher Zusammenhalt zerbrachen.
00:32:37: Jugendliche oder sehr alte Menschen mussten plötzlich die Restfamilie versorgen.
00:32:42: Dazu kam oft die Stigmatisierung einer durchgemachten Infektion mit teils irrationalen Ängsten.
00:32:49: In manchen Landstrichen brach eine ganze Generation weg, die der zwanzig bis vierzigjährigen.
00:32:56: Dazu die große Anzahl an Weisenkindern, die in einem Land ohne Sozialversicherung von fremden Menschen mit groß gezogen werden mussten Nicht selten Menschen, die ihre eigenen Kinder verloren hatten.
00:33:10: Aber dort, wo eigentlich die medizinische Infrastruktur dringend aufgebaut werden musste – genau dort war sie durch die vielen Todesfälle innerhalb der medizinischen Helferschaft noch weiter geschwächt!
00:33:24: Inzwischen gibt es jedoch auch Lichtblicke.
00:33:27: Aus den Erfahrungen des Ausbruchs entstanden funktionierende dezentrale Laborstrukturen mobile Diagnoseeinheiten und digitale Frühwarnsysteme, die Ausbrüche heute frühzeitig lokalisieren.
00:33:42: Geschulte lokale Gesundheitshelfer stellen die Nachverfolgung von Kontakten sicher und schaffen Akzeptanz für Präventionsmaßnahmen in den Gemeinden.
00:33:52: Das betrifft zum Beispiel auch die Bestattungspraxen während eines Ausbruchs.
00:33:57: Während der ersten Epidemien hatten viele Angehörige nicht verstanden, warum sie ihre Toten nicht berühren durften – bevor diese unter die Erde gebracht wurden.
00:34:07: Ein ganz sensibles Thema das mit viel Fingerspitzengefühl angegangen werden musste!
00:34:14: Durch den Einsatz eines wirksamen Impfstoffs und spezifischer Antikörpertherapien lassen sich Neuinfektionen heute gezielter eingrenzen und erkrankte wirksamer behandeln.
00:34:27: Und mit diesem wenigstens entteilen mutmachenden Ausblick geht es in einer Woche in die zweite Folge über Ebola.
00:34:35: Dort könnt ihr erfahren, unter welchen abenteuerlichen Umständen der Erreger entdeckt wurde und wie er dieses Jahr wieder aufgetaucht ist.
00:34:48: Das war Geschichten der Medizin wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen Ob weltbewegend oder ganz persönlich.
00:35:02: Die nächste Geschichte wartet schon, bis dahin bleibt gesund!
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