Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

#032 Die Akte Markow

Shownotes

In dieser Folge: Wir folgen den Spuren eines Attentats auf offener Straße. Was sich zunächst wie ein Insektenstich anfühlt, entpuppt sich als tödlicher Angriff auf einen Menschen, der aus dem Exil heraus die Menschen in seiner Heimat mit Informationen versorgt, die das politische Regime verschleiern will. Gleichzeitig erkläre ich euch den spannenden Wirkmechanismus eines Giftes, das in der Lage ist, jede einzelne Zelle des menschlichen Körpers schachmatt zu setzen.

Mein Buch "Das ist nicht mein Kind":

📖 Buch bei Amazon

🎧 Hörbuch bei Audible (affiliated Link):

👩‍💼Hier geht's zu meiner Autorenwebsite:

📬Kontakt: hier geht's zu Instagram und Co:

🔎Quellen:

🎵Musik:

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:00: London, siebter September, und die feuchte Luft.

00:00:07: der Thamesig lebt an den Fassaden der Waterloo Bridge.

00:00:11: Es ist kurz vor halb sieben Uhr abends – die Rush Hour hat die Stadt fest im Griff!

00:00:18: Ein ununterbrochener Strom aus roten Doppelstock-Bussen und schwarzen Taxis stiept sich über den Asphalt.

00:00:26: An der Bushaltestelle wartet ein Mann, der in der anonymen Masse der Pendler beinahe verschwindet.

00:00:33: Der gebürtige Bulgare Georgi Markov ist neunundvierzig Jahre alt.

00:00:39: Sein dunkles Haar liegt akkurat gescheitelt über einer hohen Stirn während seine Augen wach die Umgebung beobachten.

00:00:48: Er trägt ein gut geschnittenes Sacco und hält Ausschau nach der Linie siebzig Um ihn herum murmelt die Menge, Bremsen quitschen Schrill auf dem Asphalt und der Geruch von Abgasen vermischt sich mit dem feuchten Dunst des Londoner Regens.

00:01:07: Plötzlich zuckt Markov zusammen ein scharfer brennender Schmerzschieß durch seinen rechten Oberschenkel.

00:01:15: Es fühlt sich an wie ein heftiger Insektenstich.

00:01:19: Er fährt herum während seine Hand instinktiv ans Bein greift.

00:01:24: Sein Blick fällt auf einen Fremden, der sich hinter ihm bückt um einen schweren Regenschirm aufzuheben, der ihm wohl aus der Hand geglitten ist.

00:01:32: Reims Sorry!

00:01:33: mummelt er Unbekannte mit einem schweren Akzent.

00:01:37: Markov starrt ihn an doch das Gesicht des Mannes ist vollkommen durchschnittlich.

00:01:44: Ohne den Blick zu heben hastet der Fremde zum Bordstein, winkt ein Taxi herbei und verschwindet im dichten Verkehr.

00:01:53: Markov bleibt zurück und reibt sich das Bein.

00:01:57: Er betrachtet seine Hose, da ist ein winziger Tropfen Blut auf dem Stoff kaum der Rede wert.

00:02:05: Das war wohl ein ungeschickter Unfall mit einer Regenschirmspitze, denkt er verärgert.

00:02:10: Er klopft sich den Staub vom Sacco und steigt in den Bus.

00:02:15: Während er am Fenster sitzt und beobachtet wie die Lichter Londons an ihm vorbeiziehen spürt er nur ein leichtes Pochen im Bein.

00:02:24: Nichts Ungewöhnliches nach so einem Stoß!

00:02:28: Er steigt am Buschhaus aus, dem Hauptquartier des Rundfunk-Senders BBC World Service.

00:02:35: Er hat eine Sendung vorzubereiten.

00:02:37: Er grüßt die Kollegen am Empfang, geht in sein Büro und wirft seinen Sacco über den Stuhl.

00:02:45: Markov setzt sich an seinem Schreibtisch, schiebt das Papier in die Schreibmaschine.

00:02:52: Der Anschlag der Tasten ist das einzige Geräusch im Raum.

00:02:57: Doch nach einer Weile hält Erinner, er reibt sich über die Stirn.

00:03:02: Das grelle Licht der Schreibtischlampe scheint plötzlich ein wenig zu hell zu sein.

00:03:07: Er schiebt es auf den langen Tag und den Schreck an der Haltestelle.

00:03:12: Er tippt weiter Wort für Wort Zeile für Zeile Das Metallgeräusch der Typenhebel hält unangenehm laut in seinem Kopf nach.

00:03:24: Er hält inne und massiert sich die Schläfen, während er leise stöhnt.

00:03:30: Ein Schatten fällt über seine Schreibmaschine und als er den Kopf hebt steht sein Kollege Theo Lirkow neben ihm.

00:03:38: Markov zwingt sich zu einem matten Lächeln – er will keine Unruhe stiften!

00:03:43: Doch das Pochen in seinem Oberschenkel hat sich mittlerweile in ein tiefes heißes Brennen verwandelt.

00:03:49: Er verkneift sich einen Stöhnen und zieht die Hose soweit herunter, dass der gerötete Haut seines Oberschänkels im phalen Licht der Redaktion zu erkennen ist.

00:04:01: «Schau dir das an, Theo», sagt er, »und versucht seine Stimme festklingen zu lassen!«.

00:04:07: Er deutet auf den winzigen rödlichen Punkt, der kaum auffällt….

00:04:12: Er erzählt ihm von dem Mann an der Brücke, Von dem Akzent und dem harten Stoß des Regenschirms.

00:04:19: Er versucht sich wieder den Papier zuzuwenden Aber die Buchstaben tanzen vor seinen Augen.

00:04:25: Die Worte, die er für die Menschen in Bulgarien schreiben wollte Verlieren an Bedeutung.

00:04:31: Sie verschwinden hinter dem brennenden Gefühl Dass sich von seinem Bein aus unaufhaltsam Seinen Weg nach oben bahnt.

00:04:40: Markov schiebt den Stuhl zurück, greift nach seinem Sacko und braucht einen Moment bis er es übergestreift hat.

00:04:48: Beim ersten Schritt schwankt der Boden unter seinen Füßen doch er fängt sich auf der Kante seines Schreibtisches ab.

00:04:56: Er verlässt die Redaktion ohne sich noch einmal umzusehen.

00:05:00: Die vertrauten Gänge des Baschhaus wirken auf ihn wie ein Tunnel aus Watte Indem das Summen der Klimaanlage und das ferne Gemurmel der Kollegen zu einem undefinierbaren Hintergrundrauschen verschmelzen.

00:05:15: Die Kühle wird ihm gut tun, denkt er noch als er in die Londoner Nachtluft hinaus tritt Aber der feine Nieselregen läuft ihm die heißen Schläfen hinab ohne dass das Pochen in seinem Schädel innehält.

00:05:31: Er kann ein Taxi herbeirufen.

00:05:33: Während der Wagen anfährt und die Lichter der Stadt in langen, verschwommenen Streifen an den Fensterscheiben vorbeiziehen lehnt er die Stirn gegen das kühle Glas.

00:05:45: Als der Wagenschließlich hält braucht Markov seine ganze Willenskraft um mit seinen zittrigen Fingern dem Münzen für den Fahrer aus der Tasche zu glauben.

00:05:56: Er schleppt sich über die Türschwelle seines Hauses und stützt sich schweratmend gegen die Wand.

00:06:03: Er kann den Kopf kaum weit genug heben, um seiner Frau in die Augen zu schauen als diese besorgt auf ihn zutritt.

00:06:12: Annabelle erkennt ihren Mann kaum wieder.

00:06:15: Sein Gesicht ist aschfahl, die Augen wirken glasig und sein Hemd klebt schweißnass an seinem Körper.

00:06:23: Sie führt ihnen ins Schlafzimmer während er ihr mit brüchiger Stimme von dem Vorfall an der Waterloo Bridge erzählt.

00:06:31: Markov vermutet inzwischen dass der Stoß mit dem Regenschirm kein Versehen war.

00:06:37: Als Annabel ihm die Hose auszieht, sieht sie die Einstichstelle – ein winziger entzündeter Punkt inmitten einer Schwellung.

00:06:47: Die Nacht verbringt sie an seinem Bett.

00:06:49: das Fieber steigt unauffürlich auf über vierzig Grad sein Puls rast und erleidet unter heftigen Erbrechen.

00:06:58: Annabel beobachtet hilflos wie er stündlich verfällt.

00:07:02: Am frühen Morgen des achten September ist ihr Mann kaum noch ansprechbar.

00:07:07: Sie zögert nicht länger und lässt ihnen das St James Hospital in Bellum einliefern.

00:07:14: Dort treffen sie auf Ärzte, die vor einem Rätsel stehen.

00:07:18: Markovs Blutdruck sinkt gefährlich tief während seine Entzündungswerte massiv ansteigen.

00:07:25: Die Mediziner vermuten zunächst eine schwere Blutvergiftung oder einen sceptischen Schock.

00:07:46: Willkommen zu Geschichten der Medizin, dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle.

00:07:59: Ich bin Kerstin – Ärztin und Erzählerin.

00:08:06: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch Seuchen, Entdeckungen und dramatische Diagnosen mal weltbewegend, mal ganz persönlich immer medizinisch Immer spannend.

00:08:46: Dr.

00:08:58: Rufus Crumpton Einer der erfahrensten Pathologen des St George Hospital führt die Obduktion durch.

00:09:07: Die Diagnose der behandelnden Ärzte lautet Blutvergiftung und es finden sich auch Anzeichen für ein sogenanntes Multiorganversagen, wie es bei einem Schock zum Beispiel in Folge einer Blut- vergiftung auftreten kann.

00:09:21: – aber es gibt viele Gründe für einen Schock!

00:09:25: Und Dr.

00:09:26: Crompton hat erfahren, dass Markov vor seinem Tod immer wieder folgende Worte gestammelt haben soll.

00:09:33: Ich wurde vergiftet!

00:09:35: So konzentriert er sich auf den rechten Oberschenkel.

00:09:39: Er präpariert das Gewebe um die kleine unscheinbare Einstichstelle herum, die Markov seinen Ärzten unter Qualen gezeigt hatte.

00:09:48: Mit chirurgischer Präzision trägt er die Hautschichten ab.

00:09:53: Plötzlich vernimmte ein metallisches Klicken.

00:09:56: Das Kalpell ist auf einen Widerstand gestoßen, Mit einer Pinzette holt Crompton einen winzigen Fremdkörper aus dem Gewebeer.

00:10:07: Er reinigt das Objekt und legt es auf ein weißes Tuch.

00:10:12: Es ist eine Metallkugel so klein wie ein Stecknadel-Kopf.

00:10:17: In diesem Moment kann Crompton noch nicht ahnen, dass er den Beweis für ein biochemisches Attentat in den Händen hält – das die Welt in dieser Form noch nie gesehen hat.

00:10:29: Unter dem Mikroskop offenbart sich die tödliche Genialität dieses Objekts.

00:10:35: Die Kugel besteht aus einer Platin-Iridiumlegierung ist exakt ½ mm klein und weiß zwei Hauch dünne Bohrungen auf.

00:10:48: Aber was verbargt die Kugel?

00:10:51: Welche Substanz gelangte durch diese Löcher in Markovs Blutbahn und zerstörte seine Organe?

00:10:58: Damit beginnt für die Ermittler von Scotland Yard ein medizinisches und geheimdienstliches Rätsel!

00:11:06: Die Kugl ist leer, das Gift längst im Körper des inzwischen verstorbenen Verschwunden.

00:11:13: Doch während Laboranalysen ergebnislos bleiben, und herkömmliche Gifte wie z.B.

00:11:19: Asen oder Talium wegen der Kleinheit der Kugel eh nicht infrage kommen, kommt der entscheidende Hinweis aus den Reihen der Geheimdienste – sie verweisen auf Paris!

00:11:34: Dort war nur wenige Wochen zuvor ein anderer bulgarischer Exzellant namens Vladimir Kostov in einer Metro-Station von einem Unbekannten attackiert worden.

00:11:46: Auch Kostoff verspürte einen klötzlichen Schmerz, er litt hohes Fieber doch er überlebte.

00:11:55: als die britischen Ermittler Kostof bitten sich untersuchen zu lassen Machen die französischen Mediziner eine verblüffende Entdeckung.

00:12:05: In seinem Rücken steckt eine identische Metallkugel aus einer Platin-Iridiumlegierung.

00:12:11: Sie war nicht tief genug eingedrungen, um die volle Wirkung zu entfalten.

00:12:17: Nun haben die Experten das britischen Forschungszentrum für biologische Waffen in Portendown eine Vergleichsprobe.

00:12:25: Sie untersuchen die mikroskopischen Bohrung und stehen vor einer mathematischen Gewissheit.

00:12:33: passen kaum Null, zwei Milligramm einer Substanz.

00:12:38: Es gibt nur sehr wenige Gifte auf der Welt die in so verschwindend geringer Menge einen gesunden Mann töten können.

00:12:47: Eines davon ist Rezin gewonnen aus den Samen des Wunderbaums und genau dieses Rezin gilt als eine der giftigsten Substanzen der Natur.

00:13:02: aber bevor wir jetzt fortfahren Hier ein kleiner Querverweis.

00:13:07: Das Forschungszentrum Portendown war schon einmal Hauptdarsteller in diesem Podcast.

00:13:13: In einer meiner spannendsten Folgen, das ausgefallene Sterben geht es um die Entwicklung einer Bio-Waffe im Zweiten Weltkrieg.

00:13:23: Da ein direkter chemischer Nachweis im Blut Markovs unmöglich ist – das Gift ist ein Protein, dass der Körper nach wenigen Tagen vollständig abbaut Greifen die Wissenschaftler zu einem indirekten Beweis.

00:13:37: In Portendown wird ein Schwein mit einer minimalen Dosis Rizin infiziert.

00:13:43: Der klinische Verlauf ist identisch, das Tier entwickelt dasselbe rasante Fieber und stirbt an jenem Multiorganversagen, der es Dr.

00:13:53: Crompton bei Markov dokumentiert hat.

00:13:57: Es ist eine Beweisführung durch Analogie.

00:14:00: Ein direkter Nachweis des Gifts in Georgi Markovs Adern wird nie gelingen, doch die Kombination aus der Pariser Kugel, dem Tierversuch und der extremen Potenz der Substanz lässt nur einen Schluss zu.

00:14:18: Markov wurde mit Rizin hingerichtet.

00:14:22: Die Suche nach den Tätern führt nun weg von den medizinischen Laboren und tief hinein in die Archive der osteuropäischen Geheimdienste.

00:14:33: Aber lasst uns zunächst noch in die Biochemie dieser Substanz eintauchen!

00:14:38: Was ist Rezin überhaupt?

00:14:40: Und wie wirkt

00:14:41: es?!

00:14:43: Und damit ist es wieder Zeit für eine Diagnose-Info.

00:14:56: dass wir vielleicht noch aus der Hausapotheke unserer Großeltern kennen.

00:15:01: Doch während das Öl ein meist harmloses, wenn auch unangenehmes Abführmittel ist, verbirgt sich in den Samen derselben Pflanze des Wunderbaums einer der unheimlichsten Killer der Natur.

00:15:19: Der Wunderbaum – den Botaniker Rizinos Comunes nennen – ist heute ein wahrer Weltenbummler!

00:15:27: Ursprünglich stammte aus den warmen Regionen des nordöstlichen Afrikas und dem nahen Osten, insbesondere aus Äthiopien.

00:15:36: Dort wächst er in seinem natürlichen Habitat als andauernder verholzender Strauch oder sogar als kleiner Baum der über zehn Meter hoch werden kann.

00:15:48: Da die Pflanze jedoch sehr anpassungsfähig ist hat sie sich über die Jahrhunderte fast überall dort ausgebreitet wo das Klima mild genug ist.

00:15:59: In den Tropen und Subtropen weltweit, von Indien über Brasilien bis hin zur Mittelmeerraum findet man den Wunderbaum heute oft am Straßenrand auf Schuttplätzen oder an Flussufern.

00:16:13: Er gilt dort vielerorts als invasive Art da er extrem schnell wächst und kaum Ansprüche an den Boden stellt.

00:16:22: Bei uns in Mitteleuropa hingegen spielt der Wunderbaum eine andere Rolle.

00:16:29: Da er keinen Frost verträgt und den Winter im Freien nicht überlebt, wird er hier meist als einjährige Zierpflanze in Gärten und Parks gehalten.

00:16:40: Wegen seiner großen handförmigen Blätter die oft tiefrot schimmern – und der stacheligen Früchte schätzen ihn Gärtner für seine exotische Optik!

00:16:52: Er wächst in einem einzigen Sommer oft zwei bis drei Meter hoch, bevor er beim ersten Bodenfrost abstirbt.

00:17:00: Daher wird der bei uns oft eher als Strauch bezeichnet – also nicht Wundern!

00:17:06: Aber über etwas anderes kann man sich wirklich wundern.

00:17:11: Man muss sich diesen Kontrast auf der Zunge zergehen lassen….

00:17:15: In einem Land indem wir die Dienen-Norm, einst Acht Null Vier Null Binde Strich Eins für die Barrierefreiheit von Türen haben und in dem die Garagenverordnung Penébel vorschreibt dass man in seiner eigenen Garage zwar ein Auto aber unter keinen Umständen einen Satz alter Gartenstühle lagern darf herrscht beim Wunderbaum Gelassenheit.

00:17:39: Wir regeln in Deutschland mit einer Hingabe, die an Besessenheit grenzt.

00:17:44: Die maximale Höhe von Hecken zum Nachbargrundstück oder die korrekte Neigung von Dachrinnen.

00:17:51: Es gibt Geräte und Maschinenlärmschutzverordnung, die uns vorschreibt dass ein Laubbläser am Samstag nachmittag pünktlich um dreizehn Uhr verstummen muss wenn er nicht das richtige EU-Umweltzeichen trägt.

00:18:06: Wir überwachen die Krümmung von Gurken und die genaue Zusammensetzung von Zimtsternen als Hänge das Schicksal der Zivilisation davon ab.

00:18:16: Aber dann tritt man vor die Tür, blickt in einen gepflegten Vorgarten und sieht dort einen schönen Zierbaum mit so kleinen Samen dran stehen!

00:18:27: Hier endet der deutsche Regulierungseifer abrubbt.

00:18:31: Es ist eine juristische Gratwanderung, die einem ein unglaubiges Kopfschütteln abringt.

00:18:38: Die reine Substanz – das Rezin unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz und dem internationalen Chemiewaffenübereinkommen.

00:18:48: Der Besitz eines Milligramms dieses Pulvers würde einen Sondereinsatzkommando auf den Plan rufen und den Tatbestand der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erfüllen.

00:19:03: Es ist eine Substanz, die weltweit geächtet ist – auf einer Stufe mit Senfgas oder VX!

00:19:11: Doch sobald das Gift in eine hübsche rote Samenschale verpackt ist und an einem Strauch im Garten hängt gilt es plötzlich als botanisches Kulturgut.

00:19:23: und obwohl die Substanz bei Uraler Aufnahme weniger giftig ist, bleibt sie immer noch enorm giftig.

00:19:30: Und tödlich!

00:19:32: Dennoch darf man diese biologische Fabrik für eine völkerrechtlich verbotene Waffe völlig legal im Baumarkt kaufen – direkt neben den Stiefmütterchen und dem Rindenmulch.

00:19:45: Während flurhaltiges Mineralwasser nur mit Warnhinweis verkauft werden darf kann man den Wunderbaum nach Belieben züchten, vermehren und verschenken.

00:19:56: Es ist diese bizare Lücke im System – wir regulieren die Akustik des Rasenmeers aber wir ignorieren die tödliche Gefahr, die nur einen unbewachten Moment im Sandkasten entfernt

00:20:09: ist.".

00:20:10: Genau dieser Ambivalenz zwischen dem harmlosen Gartenidyll und der skrupellosen Effizienz einer chemischen Waffe macht den Fall Markov so verstörend.

00:20:21: Die Attentäter mussten nicht in einen Hochsicherheitslabor einbrechen, sie nutzten eine Substanz die mancher Orts buchstäblich über den Gartenzaun hängt.

00:20:34: Rezin ist ein sogenanntes Eiweißgift.

00:20:38: Es besteht aus zwei Teilen, die eine fatale Verbindung eingehen.

00:20:43: Der erste Teil ist im Grunde nur dazu da die Tür zu unseren Körperzellen zu öffnen.

00:20:50: Er täuscht der Zelle vor, ein ganz normaler Nährstoff zu sein.

00:20:56: Die Zelle fällt auf diesen Trick herein, lässt das Rizin durch seine äußere Membran passieren und zieht das Gift bereitwillig in ihr Innerstes.

00:21:07: Sobald das Rizin die Schwelle überschritten hat, lässt es die Maske fallen.

00:21:13: Der zweite Teil des Giftes wird aktiv und steuert direkt auf die Ribosom zu.

00:21:20: Das sind die kleinen Werkstätten unserer Zellen, in denen rund um die Uhr Proteine hergestellt werden.

00:21:28: Ohne Proteine können wir nicht leben – sie ist der Grundstoff unseres Körpers!

00:21:35: Rizin entfernt nun wie mit einem chirurgischen Skalpell ein ganz wichtiges Molekül des genetischen Kotz genau dieser Ribosomen.

00:21:47: Damit wird die Werkbank des Lebens nicht nur beschädigt, sie wird augenblicklich stillgelegt und ohne diese Werkbank keine Eiweiße!

00:21:59: Der fatale Clou dabei Da Ribosom selbst zu einem wesentlichen Teil aus Eiweißen bestehen, die nur sie selbst produzieren könnten – ist die Zelle nun am Ende ihrer Möglichkeiten.

00:22:14: Sie kann die defekten Maschinen nicht mehr reparieren und auch keine neuen nachbauen.

00:22:21: Es ist ein Zirkulus Viziosus entstanden, aus dem es kein Entrinnen gibt.

00:22:27: Die Zelle verliert jegliche Funktion!

00:22:30: Sie kann sich weder teilen noch regenerieren.

00:22:34: Das betrifft aber eben nicht nur eine Zelle, sondern Milliarden von Zellen im Körper.

00:22:41: Sie werden zeitgleich funktionslos und sterben schließlich ab – und dieser Vorgang ist unumkehrbar!

00:22:51: Man könnte sagen, Markovs Schicksal war in der Millisekunde des Stiches besiegelt.

00:22:58: Nun wird natürlich auch klar dass es zu einem Multiorganversagen kommt, das also nach und nach alle Organsysteme versagen.

00:23:08: Und genauso nachvollziehbar ist dann auch, daß die Ärzte sich die Haare rauften weil sie keine Ursache fanden und daher auf die naheliegendsten Denkmodelle wie zum Beispiel einen septischen Schock zurückgriffen.

00:23:24: Die Proteinsynthese stagniert Die Zellen sterben und es kommt zum Multiorganversagen.

00:23:31: Aber was bedeutet das für den Patienten konkret?

00:23:37: Da die Zellen der Darmschleimhaut im gesunden Zustand eine extrem hohe Erneuerungsrate haben, führt der Stillstand der Zellerneuerung dazu, dass die schützende Innenauskleidung des Verdauungstrakts bin stunden zerfällt!

00:23:54: Klinisch beobachtet man bei Patienten in diesem Stadium massives, oft unstellbares Erbrechen und Durchfall.

00:24:02: Beides – oft mit blutigen Beimengungen.

00:24:05: Da die Darmwand ihre Dichtigkeit verliert können Darmbakterien in den Blutkreislauf übertreten was eine Sepsis also Blutvergiftung einleitet, die sich durch Schüttelfrost und das rapide Ansteigen der Körpertemperatur auf über vierzig Grad bemerkbar macht.

00:24:25: In der Leber werden lebenswichtige Gerinnungsfaktoren nicht mehr produziert – dies führt dazu, dass das Blut seine Gerinnungsfähigkeit verliert.

00:24:36: Dadurch kommt es zu punktförmigen Hauteinblutungen, sogenannte Petechien aber auch zu spontanen Blutungen aus den Schleimhäuten und Blutergüssen an Stellen die keinem mechanischen Trauma ausgesetzt

00:24:50: waren.".

00:24:52: In der Niere kommt die Hahnproduktion fast vollständig zum Erliegen.

00:24:56: Flüssigkeit verbleibt im Körper, dies führt zur Bildung von massiven Ideen.

00:25:03: Das Gewebe schwillt an was besonders an den Extremitäten und im Gesicht durch eine Umfangszunahme und eine pralle gespannte Haut sichtbar wird.

00:25:15: Durch den massiven Untergang von Endothelzellen den Zellen, die unsere Blutgefäße von innen auskleiden, werden die Kapillanen – die kleinsten Blutfässe überall im Körper undicht.

00:25:29: So kann das Blutplasma aus dem Gefäßen in den Zell zwischen Raum sickern!

00:25:35: Der Blutdruck sinkt dadurch massiv ab während der Puls kompensatorisch ansteigt um die lebenswichtigen Organe mit dem noch verbliebenen Blutvolumen zu

00:25:45: versorgen.".

00:25:47: Die Haut des Patienten wird in Folge der Mangelnden durch Blutung aschfal und kaltschweißig.

00:25:55: Letztendlich versagt das Herzkreislaufsystem, weil das Herz kein Blut zum Pumpen mehr hat – und selbst auch nicht mehr mit saustoffreichen Blut versorgt wird.

00:26:06: Es hört auf zu schlagen!

00:26:09: Dieser Verlauf tritt, wie schon erwähnt, nicht nur bei Rezinauf.

00:26:14: und hilft daher nicht bei der Ursachenforschung.

00:26:19: Dazu kommt noch, dass Rezin nach getaner Arbeit fast spurlos verschwindet.

00:26:25: Da es selbst ein Protein ist, baut der Körper erst nach kurzer Zeit ab – was bleibt?

00:26:32: Ist ein Trümmerfeld aus versagenden Organen mit so geringen Spuren das ein normales Screening versagt!

00:26:42: Georgi Markov hatte gegen diese winzige Menge, die kaum größer als ein Sandkorn war – keine Chance.

00:26:50: Sein Körper wurde von innen heraus stillgelegt, während er noch versuchte seine Berichte für den BBC World Service zu tippen.

00:27:00: Damit verlassen wir das Labor und die molekularen Werkbänke und begeben uns in das trübe Fahrwasser der Geheimdienste des Kalten Krieges!

00:27:11: Denn das – was?

00:27:12: – kennen wir nun.

00:27:15: Bleibt die Frage nach dem wer, dem warum und dem konkreten woher Und dafür führt die Spur unweigerlich nach Sofia und Moskau.

00:27:28: Kell zu Priess Markow war in den neunzehntsechziger Jahren ein gefeierter Schriftsteller in seiner Heimat Bulgarien.

00:27:39: Er war der strahlende Stern am vulgarischen Literaturhimmel und Genossprivilegien, von denen normale Bürger nicht einmal zu Träumen wagten.

00:27:50: Er besaß ein Auto, durfte westliche Zeitschriften lesen – was am schwersten wog!

00:27:57: Er gehörte zum engsten Kreis um den Diktator Todor Schivkov.

00:28:03: Er begleitete ihn auf Jagdausflügen, saß an dessen Tafel und beobachtete die Elite des Landes aus nächster Nähe.

00:28:14: Das Regime glaubte, ihn mit Luxus- und Anerkennung gekauft zu haben um ihn als kulturelles Aushängeschild der sozialistischen Überlegenheit zu nutzen.

00:28:26: Doch in Markov wuchs der Widerstand.

00:28:29: Je tiefer er in den Zirkel der Macht blickte, desto mehr widerte ihn dem moralische Verfall an, den er dort sah.

00:28:40: Der Wendepunkt kam neunzehntneunundsechzig als sein sozialkritisches Theaterstück, der Mann, der die Frau war verboten wurde.

00:28:51: Anstelle der Wahrheit wurde loyale Hofberichterstattung erwartet.

00:28:57: Daher traf Markov im Juni-Neunzehnundsechsig eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern sollte... Er erhielt die seltene Genehmigung, seinen Bruder in Italien zu besuchen.

00:29:11: Ein Privileg das nur den Vertrauenswürdigsten gewährt wurde.

00:29:16: Er stieg in sein Wagen verließ Sofia und nutzte die einmalige Chance zur Flucht.

00:29:24: In Italien angekommen stand er vor dem Nichts.

00:29:28: Er hatte seine Status, seinen Ruhm und seine Sicherheit in Bulgarien zurückgelassen.

00:29:35: Die Reaktion des Regimes folgte prompt und unerbittlich.

00:29:40: Während Markow schließlich in London versuchte, als mittellose Immigranten einer fremden Sprache Fuß zu fassen, wurde er in seiner Heimat in Abwesenheit zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

00:29:54: Offizieller Grund?

00:29:56: Fahnenflucht!

00:29:58: Doch das Urteil beinhaltete weit mehr als nur eine Haftstrafe.

00:30:04: Es führte zu einer totalen Enteignung, alles was er sich aufgebaut hatte – seine Wohnung, sein Erspartes, sein gesamter Besitz wurde vom Staat eingezogen.

00:30:16: Sein Name wurde aus den Literaturverzeichnissen getilbt, seine Bücher markuliert.

00:30:22: Georgi Markov sollte im öffentlichen Bewusstsein Bulgariens aufhören zu existieren.

00:30:29: Er wurde zur Persona non grata erklärt, aber man kann einen Menschen nicht einfach auslöschen wenn er eine Stimme hat.

00:30:39: Markov fand diese Stimme beim Sender BBC World Service und bei Radio Free Europe – und hier begann der Teil, der sein Todesurteil herbeiführen sollte.

00:30:58: Das war kein trockenes politisches Programm.

00:31:01: Er erzählte Geschichten, er beschrieb wie Schiffkopf wirklich war, wie die Funktionäre sich bereicherten während das Volk Schlange stand.

00:31:13: Während in Bulgarien ein Informationsmonopol herrschte gab es plötzlich diese Stimme aus London trotz massiver Störsender riesige Antennenanlagen, die die Frequenzen mit orenbetäubendem Rauschen fluteten.

00:31:30: Schlich sich Markov in die Wohnzimmer seiner Heimat!

00:31:34: Man muss sich die beklemmende Szene vorstellen... In den dunklen Wohnblocks von Sofia saßen die Menschen abends mit dem Ohr direkt am Lautsprecher ihre alten Radiogeräte.

00:31:47: Sie drehten vorsichtig am Frequenzrad um zwischen den Dröhnen der Störsender Markovs Worte einzufangen.

00:31:56: Es war ein lebensgefährlicher Akt, wer dabei erwischt wurde verlor seinen Arbeitsplatz, sein Studienplatz oder landete in den Verhörräumen der Staatssicherheit.

00:32:10: Markov war für Schiffkopf gefährlicher als jede Armee.

00:32:14: Er war ein Insider der Auspackte.

00:32:17: er zerstürzte den Mythos der moralischen Integrität der Partei.

00:32:23: Schiffkopf empfand dies als einen tiefen, persönlichen Karat eines Mannes, dem er sich einmal sehr verbunden gefühlt hatte.

00:32:32: Da man Markov jedoch nicht in eine vulgarische Zelle sperren konnte, wandelte sich die Haftstrafe in der Logik des Geheimdienstes stillschweigend in ein Todesurteil um.

00:32:46: Zweimal versuchte der Bulgarische Geheimdiest, Markov im Exil zu töten oder zurückzuentführen.

00:32:54: Beide Male scheiterte er, der Anschlag auf der Waterloo Bridge war schließlich der dritte minutiös geplante Versuch die Stimme zum Schweigen zu bringen, die das Regime entblößte.

00:33:09: Die Planung lag beim vulgarischen Geheimdienst dem DS da Schaffner Sigurnost – oder so ähnlich doch die technische Expertise kam noch weiter aus dem Osten.

00:33:25: Es ist heute historisch gesichert, dass Schiffkopf die Hilfe des sowjetischen KGB suchte.

00:33:31: Der KGB-General Oleg Kalugin bestätigte später, daß die Sowjets zunächst Zögerten sich an einem Mord auf britischem Boden zu beteiligen – schließlich aber Nachgaben!

00:33:46: Der operative Arm vor Ort war vermutlich ein italienischer Agent mit dem Decknamen Piccadilly, der im Auftrag des Bulgarischen Dienstes handelte.

00:33:58: Doch er war nur der Vollstrecker eines Plans, der in den Hinterzimmern der Macht in Sofia und Moskau geschmiedet worden war.

00:34:07: Das bringt uns zur entscheidenden Frage nach der Herkunft des Giftes.

00:34:13: Rezin wächst zwar im Garten aber die hochreine Extraktion und vor allem die Verbringung in jene winzige Platin-Iridiumkugel, erforderte spezialisierte Labore.

00:34:29: Die Spur führt direkt zum KGB-Labor Nummer zwölf – auch bekannt als «die Kammer».

00:34:37: Dies war eine streng geheime Einrichtung in Moskau, die sich ausschließlich mit der Entwicklung von Giften Man höre und staune, Spezialoperationen befasste.

00:34:54: Hier wurde nicht nur das Rezin in der notwendigen Reinheit hergestellt – sondern auch die mechanische Lösung für den Anschlag entwickelt!

00:35:05: Die zwei winzigen Bohrungen waren mit einer speziellen Substanz verschlossen, die bei Körpertemperatur schmolz und das Gift erst im Gewebe des Opfers freisetzte sozusagen eine Zeitbombe im Millimeterformat.

00:35:24: Es war also eine Symbiose des Schreckens, der bulgarische Wille zur Vernichtung eines Kritikers traf auf die sowjetische Hochtechnologie des Tötens und damit reiste ein Gift aus einer Moskauer Giftküche nach Großbritannien um auf einer londener Brücke eine dunkle Geschichte der Medizin zu schreiben.

00:35:50: Das Attentat, an jenem siebten September, war kein improvisierter Akt sondern das Ergebnis einer minutiös geplanten Operation.

00:36:04: Die Täter wussten genau wann Georgi Markov seinen Dienst beim BBC World Service antrat und welchen Weg er zur Bushaltestelle nahm.

00:36:14: Entgegen dem populären Mythos war die Tatwaffe vermutlich kein gewöhnlicher Regenschirm, der wie ein Gewehr abgefeuert wurde.

00:36:24: Vielmehr gehen moderne Rekonstruktionen auch nach Aussagen ehemaliger KGB-Offiziere davon aus, dass es sich um eine spezialisierte Luftdruckwaffe handelte, die lediglich in das Gestell eines Regenscherms integriert um einen unscheinbaren metallischen Gegenstand, den der Attentäter direkt in der Hand hielt.

00:36:49: In diesem Fall hätte der Regenschirm lediglich als Ablenkungsmanöver gedient.

00:36:56: Der Vorgang dauerte kaum eine Sekunde.

00:36:59: Als der Attentheter Georgi Markov auf der Waterloo Bridge passierte löste er den Mechanismus aus.

00:37:06: Ein kleiner Stoß mit komprimiertem Gas schleuderte die winzige Kugel direkt in Markovs rechten Oberschenkel.

00:37:15: In dem Moment, in den die Kugl in sein Muskelgewebe eindrang, begannen seine eigene Körperwärme die Versiegelung der Bohrlöcher zu lösen – das hochreine Rezin sickerte langsam aber stetig aus dem metallischen Depot in seine Blutbahn.

00:37:33: und während der Attentäter in ein Taxistieg und in der Londoner Rush Hour verschwand, begann in Markovskörper der biochemische Countdown.

00:37:45: Die Suche nach dem Mann, der auf der Waterloo Bridge den Abzug drückte, glich im Zeiten des Kalten Krieges eine mühsamen Puzzle.

00:37:54: Erst nach dem Zusammenbruch das Kommunismus in Bulgarien tauchten in den Archiven von Sophia Dokumente auf die zu einem Mann führten – Francesco Gullino, ein Italiener mit dänischem Pass der unter dem Kotnamen Piccadilly für den Bulgarischen Geheimdienst arbeitete.

00:38:16: Die Indizien gegen ihn waren erdrückend – Gullinno befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags nachweislich in London, er erhielt unmittelbar danach hohe Geldzahlungen vom bulgarischen Regime und verschwand dann von der Bildfläche.

00:38:34: Doch als dänische Ermittler in nineteenhundertneunzig schließlich verhörten, endete die Jagd in einer Sackgasse.

00:38:44: Da die entscheidenden Einsatzakten in Bulgarien kurz zuvor vernichtet worden waren, fehlten die materiellen Beweise für eine Anklage.

00:38:53: Gullino bestritt die Tat und durfte gehen!

00:38:58: Er verbrachte den Rest seines Lebens als unauffällige Antiquitätenhändler in der beschaulichen Stadt Wels, in Oberösterreich bis er im August zwanzig einundzwanzig im Alter von fünfundsebzig Jahren tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde.

00:39:15: Er starb an einer natürlichen Ursache und nahm sein Wissen mit ins Grab.

00:39:23: Der Pfeil Georgi Markov markiert dem Beginn Doch die Geschichte des Rezins als politische Waffe setzte sich mit einer fast schon bizarren Wendung in den USA fort.

00:39:36: Im Jahr zwei tausend dreizehn rückte die Schauspielerin Shannon Richardson in den Fokus des FBI.

00:39:44: Manche kennen sie vielleicht aus einer kleinen Rolle bei The Walking Dead.

00:39:50: Sie hatte Briefe an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama und den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg versand, die mit Rizin benetzt waren.

00:40:04: Das besonders perfide an diesem Fall war jedoch nicht nur das Gift sondern das Motiv.

00:40:11: Richardson befand sich in einem erbitterten Scheidungskrieg.

00:40:15: sie verfasste die Drohbriefe so dass der Verdacht auf ihren Ehemann fallen sollte.

00:40:23: Sie ging sogar soweit ihn selbst bei den Behörden anzuzeigen und behauptete, er habe die Briefe verschickt.

00:40:32: Die Ermittler stellten jedoch schnell fest, dass die Spuren auf ihrem eigenen Computer zu finden waren – sie wurde schließlich zu achtzehn Jahren Gefängnis verurteilt.

00:40:43: Es war ein Fall in dem ein potentieller Massenmord als Waffe in einem privaten Rosenkrieg missbraucht wurde.

00:40:53: Nur sieben Jahre später Im September, zwei Tausendzwanzig gab es einen ähnlichen Vorfall.

00:41:00: Eine dreiundfünfzigjährige Kanadierin namens Pascal Ferrier schickte ein Metrizienversetzten Brief an Donald Trump ins Weiße Haus.

00:41:12: In dem Schreiben forderte sie ihn unumwunden auf seine Kandidatur zurückzuziehen und bezeichnete ihn als hässlichen Tyrannenklauen.

00:41:23: Auch dieser Brief wurde in einer Abfangstation der Regierung entdeckt.

00:41:28: Ferrier wurde an der Grenze festgenommen, sie trug eine geladene Waffe bei sich und hatte zudem Briefe an Gefängnisbehörden in Texas geschickt, in denen sie ebenfalls Rezinspuren hinterließ.

00:41:43: Sie wurde im Jahr zwanzigundzwanzig zu fast zweiundzwantzig Jahren Haft verurteilt.

00:41:50: Nun werdet ihr euch eventuell fragen wie es den Behörden gelungen ist, das Rizin auf dem Briefen zu entdecken und dass – obwohl ja winzige Mengen ausreichen.

00:42:03: Und jetzt müssen wir mal ganz weit abrücken von unserer Vorstellung eines staubigen Postamtes in dem Angestellte per Hand Briefe sortieren!

00:42:14: Die Antwort liegt vielmehr in einem technologischen Wettrüsten dass die Sicherheitsarchitektur der Welt nach der Jahrtausendwende grundlegend verändert hat.

00:42:24: Wenn heute ein Brief an wichtige Politiker geschickt wird, landet er in einem hochgesicherten externen Screening-Zentrum.

00:42:35: Dort wird die Post in speziellen Kabinen maschinell bewegt, wodurch minimale Luftwirbel entstehen.

00:42:42: Hochsensible Sensoren saugen diese Luft permanent ab und analysieren sie mittels der sogenannten Ion-Mobilitätsspektometrie.

00:42:54: Man muss sich das wie eine digitale Nase vorstellen, die in Millisekunden die chemische Signatur von Molekülen erkennt.

00:43:04: Da Rizin ein sehr großes und komplexes Protein ist hinterlässt es eine unverkennbare Spur.

00:43:13: Selbst wenn nur winzigste Mengen an der Innenseite eines Kuvers haften, schlägt das System Alarm.

00:43:21: Zusätzlich werden verdächtige Sendungen automatisierten Wisch-Tests unterzogen und oft mit hochenergetischen Elektronenstrahlen behandelt.

00:43:32: Diese technische Aufrüstung hat dazu geführt dass der einstige Vorteil des Giftmörders die Heimlichkeit heute an der Präzision Der Sensoren scheitert.

00:43:45: Ganz anders sieht das natürlich im privaten Umfeld aus!

00:43:51: Ein medizinisch besonders erschütterndes Beispiel ist die Geschichte der US-amerikanischen Ärztin Deborah Green und ihres Ehemanns des Onkologen Michael Farrah.

00:44:04: Über Monate hinweg let Farrah unter mysteriösen, lebensgefährlichen Krankheitsschüben.

00:44:11: Er wurde mehrfach mit schweren Erbrechen hohem Fieber und rätselhaften neurologischen Ausfällen in das Krankenhaus eingeliefert, indem er selbst praktizierte.

00:44:23: Doch die besten Mediziner der Stadt standen vor einem Rätsel – nichts passte zusammen!

00:44:30: Während Farrah um sein Leben kämpfte, zeigte sich Deborah Green als die personifizierte Aufopferung.

00:44:38: Sie wich nicht vom Krankenbett ihres Ehemannes fütterte ihn, hielt seine Hand und diskutierte mit den Kollegen auf Augenhöhe mögliche Diagnosen.

00:44:50: In der Klinik galt sie als die besorgte liebende Ehefrau, die verzweifelt um das Leben ihres Mannes bankte.

00:44:58: Als Farrah wieder erwarten überlebte – und die Scheidung plante – erlebte seiner alkoholabhängige Ehe-Frau einen schweren Kontrollverlust und legte im Herbst, nineteenhundertfünfundneunzig an mehreren Stellen in ihrem luxuriösen Anwesen in Prairie Village Feuer.

00:45:18: Während das Haus Lichterlo brante, gelang es ihr sich nach draußen zu retten Doch zwei ihrer drei Kinder kamen in den Flammen ums Leben.

00:45:29: Erst dieser unfassbare Akt der Gewalt lenkte den Fokus der Ermittler auf die Ärztin.

00:45:36: Bei der Durchsuchung ihrer persönlichen Gegenstände stießen die Kriminalisten auf die entscheidende Spur.

00:45:43: In ihrer Handtasche fanden sie Packungen mit Rizinos Samen und Reste des daraus extrahierten Pulvers.

00:45:51: In Kombination mit den eingelagerten Blutproben ihres Mannes, die nun gezielt auf Rezinantikörper untersucht wurden, brach ihr Kartenhaus zusammen.

00:46:03: Der Bora Green wurde schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt.

00:46:08: Der wohl gefährlichste Fall auf deutschem Boden ereignete sich im Juni, in Köln.

00:46:17: Ein tunesischer Staatsbürger und seine deutsche Ehefrau hatten sich in einer gewöhnlichen Mietwohnung ein Labor eingerichtet.

00:46:26: Die Behörden wurden durch den Kauf einer großen Menge an Rizinos Samen im Internet aufmerksam.

00:46:34: Bei der Razzia fanden die Beamten über dreitausend Samen und bereits signifikante Mengen des fertigen Giftes.

00:46:43: Die Ermittlungen ergaben, dass das Paar einen Sprengsatz plante, der mit Rizin angereichert werden sollte – eine biologische Bombe!

00:46:54: Es war das erste Mal, daß eine konkrete terroristische Planung mit biologischen Kampfstoffen in Deutschland dokumentiert wurde.

00:47:04: Die Vorstellung, dass dieses Gift das einst nur in den Laboren des KGB existierte nun in einer kölner Küche hergestellt wurde erschütterte die Sicherheitsbehörden nachhaltig.

00:47:18: Das Paar wurde zu langen Haftstrafen verurteilt.

00:47:24: Was bleibt?

00:47:27: Man könnte nach all diesen Fällen verzagen und das Gefühl haben wir sein dieser biologischen Gefahr schutzlos ausgeliefert.

00:47:36: Doch die Weltgemeinschaft hat auf die dunkle Geschichte des Rizins reagiert.

00:47:42: Heute steht die Substanz im Zentrum eines der strengsten internationalen Überwachungssysteme, die jemals für einen chemischen oder biologischen Stoff geschaffen wurden.

00:47:55: Völkerrechtlich nimmt Rizin eine beinahe einzigartige Sonderstellung ein da es die Grenze zwischen Chemie und Biologie verwischt.

00:48:06: Diese Dualität führt dazu, dass die Substanz nicht nur unter eine sondern gleich unter zwei der mächtigsten globalen Sicherheitsarchitekturen fällt.

00:48:17: Zum einen wird Rizin im Chemiewaffenübereinkommen kurz CWÜ geführt.

00:48:25: Dort steht es in der sogenannten Liste I – der Kategorie für die gefährlichsten Kampfstoffe der Welt in direkter Nachbarschaft zu Nervengasen, Visarien oder VX.

00:48:39: Für die internationale Gemeinschaft bedeutet dies eine kompromisslose Echtung.

00:48:46: Die Entwicklung, Produktion, Lagerung und der Einsatz von Rezin sind weltweit verboten – doch damit endet die Kontrolle nicht!

00:48:56: Da Rezin kein künstliches Laborprodukt ist sondern ein natürliches Toxin aus den Samen des Wunderbaums, unterliegt es zusätzlich dem Bio-Waffenübereinkommen.

00:49:10: Dieser völkerrechtliche Vertrag verbietet die Nutzung biologischer Agenziern als Waffe.

00:49:17: Rezin ist damit das Paradebeispiel für einen Stoff der sowohl als chemisches Gift als auch als biologische Waffe geächtet ist.

00:49:29: Wer heute legitim mit Rizin forscht, sei es um wirksame Gegengifte oder Krebstherapien zu entwickeln, arbeitet unter einer lückenlosen Überwachung.

00:49:42: Jedes Milligramm in den Laboren weltweit muss der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Den Haag gemeldet werden.

00:49:52: In Deutschland wird dieser internationale Rahmen durch das Kriegswaffenkontrollgesetz in nationales Recht gegossen.

00:50:01: Hier findet man Rezin explizit in der Kriegswaffenliste wieder.

00:50:06: Das bedeutet ganz konkret, sobald das Gift aus der Samenschale der Pflanze extrahiert wird verlässt es dem Bereich der Botanik und wird juristisch zu einer Kriegswafe.

00:50:20: Der Besitz ist kein Kavaliersdelikt sondern ein schweres Verbrechen gegen die öffentliche Sicherheit.

00:50:28: was in der Watterloo Bridge als Attentat begann, hat die Welt also wachgerüttelt.

00:50:36: Georgi Markov verlor sein Leben!

00:50:40: Doch sein Schicksal hat dazu beigetragen, dass wir uns heute gegen toxische Substanzen besser schützen können – und dabei ist Rezin einer der wenigen Fälle bei denen die Dosis nicht das Gift

00:50:55: macht.".

00:50:57: Denn Rezin ist so gut wie in jeder noch-so kleinen Dosis.

00:51:02: Tödlich!

00:51:05: Das war Geschichten der Medizin, wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen – ob weltbewegend oder ganz persönlich.

00:51:19: Die nächste Geschichte wartet schon.

00:51:23: Bis dahin bleibt gesund.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.