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#029 Typhoid Mary

Shownotes

In dieser Folge: Sie fühlt sich gesund, arbeitet als Köchin in den besten Häusern New Yorks – und wird plötzlich von der Polizei aus ihrer Küche geholt.
Was folgt, ist eine jahrelange Isolation auf einer kleinen Insel mitten in der Stadt, medizinische Experimente, ein verzweifelter Brief an ihren Anwalt und der Kampf gegen Behörden, die in ihr eine unsichtbare Gefahr sehen.

Diese Folge erzählt das Leben von Mary Mallon, bekannt als Typhoid Mary: eine Geschichte über Krankheit ohne Symptome, über Einsamkeit, Sturheit und staatliche Macht – und darüber, wie aktuell der Konflikt zwischen individueller Freiheit und dem Schutz der Allgemeinheit bis heute geblieben ist.

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Transkript anzeigen

00:00:11: Es hat von Seiten der Behörden niemals einen Versuch gegeben, etwas für mich zu tun.

00:00:17: Außer mich auf diese Insel zu werfen und mich wie eine Gefangene festzuhalten obwohl ich nicht krank bin und keine medizinische Behandlung benötige.

00:00:29: Als sich zuerst hierher kam war ich sehr nervös und nahezu niedergestreckt Von Kummer und Sorge.

00:00:36: Meine Augen begannen zu zucken Und das linke Augenlied wurde gelähmt und bewegte sich nicht mehr.

00:00:43: Es blieb sechs Monate in diesem Zustand, ein Augenspezialist besuchte die Insel drei bis vier Mal pro Woche.

00:00:50: Er wurde niemals gebeten mich zu sehen.

00:00:53: Ich bekam nicht einmal eine Augenklappe.

00:00:56: ich musste beim Umhergehen meine Hand auf das Auge halten Und nachts eine Binde darum binden.

00:01:04: Dr.

00:01:04: Wilson verordnete mir Urotropin – ich bekam es unregelmäßig über einen Jahr hinweg.

00:01:11: Manchmal hatten sie es, manchmal nicht.

00:01:14: Insgesamt nahm ich das Urotropin etwa drei Monate während des ganzen Jahres.

00:01:20: Hätte ich es weiter eingenommen hätte es mich sicherlich umgebracht denn es ist ein sehr starkes Mittel.

00:01:27: Jeder der sich auch nur ein wenig mit Medizin auskennt weiß dass es bei Nierenleiden verwendet wird.

00:01:36: im Januar, kam der Stationsarzt zu mir und fragte, wohin ich gehen würde wenn ich hier herauskäme.

00:01:48: Natürlich sagte ich nach New York.

00:01:51: Daraufhin wurde meine Entlassung sofort gestoppt.

00:01:55: Danach sagte mir die Oberschwester Ich sei ein hoffnungsloser Fall Und wenn ich an Dr.

00:02:00: Darlington schriebe und erklärte, ich würde zu meinen Schwestern nach Connecticut gehen Würde ich vielleicht entlassen werden?

00:02:09: Ich habe jedoch keine Schwester in diesem Staat und auch keine in irgendeinem anderen Staat der USA.

00:02:17: Im April ging ein Freund von mir zu Dr.

00:02:19: Darlington, und fragte ihn wann ich endlich entlassen würde?

00:02:25: Er antwortete diese Frau ist jetzt in Ordnung Und sie verursacht hohe Kosten Aber Ich kann Sie nicht gehen lassen.

00:02:34: Das Gesundheitsamt muss darüber entscheiden.

00:02:37: Kommen Sie am Samstag wieder.

00:02:40: Als er wieder kam, sagte Dr.

00:02:41: Darlington zu ihm Ich habe mit dieser Frau nichts mehr zu tun.

00:02:45: Gehen Sie zu Dr.

00:02:46: Stadiford.".

00:02:49: Dieser Mann ging zu Dr Stadi Ford und der sagte, ich kann diese Frau nicht freilassen – all die Menschen, die sie mit Typhus angesteckt hat und so viele Todesfälle, die in den Familien aufgetreten sind bei denen sie war!

00:03:03: Dr.

00:03:03: Stati Ford sagte weiter zu diesem Mann, gehen Sie zu Mary Malone und überreden Sie sie zu einer Operation, bei der ihre geilen Blase entfernt wird.

00:03:14: Ich werde den besten Chirurgen gestattet für den Eingriff holen.

00:03:18: Ich sagte, nein!

00:03:20: Kein Messer wird an mich gelegt.

00:03:22: Mit meiner gallen Blase ist alles in Ordnung.

00:03:26: Dr.

00:03:27: Wilson stellte mir dieselbe Frage – auch ihm sagte ich Nein.

00:03:32: Daraufhin erwiderte er, es könnte ihnen ohnehin nichts nützen.

00:03:37: Auch die Oberschwester forderte mich auf, mich operieren zu lassen.

00:03:42: Auch ihr sagte ich, nein Und sie bemerkte, wäre es für Sie nicht besser das tun zu lassen als hier zu bleiben?

00:03:52: Ich antwortete erneut nein.

00:03:55: Als ich zum Gesundheitsamt kam, sagten sie mir zuerst die Bakteriensein in meinem Darmtrakt.

00:04:02: Später sagte ein anderer, sie seien in den Muskeln des Darms und zuletzt kamen sie auf die geilen Blase!

00:04:10: Ich bin in Wahrheit so einer Piepshow für jedermann gemacht worden.

00:04:14: Sogar die Studenten mussten kommen, um mich zu sehen und mich nach Tatsachen zu fragen, die der ganzen Welt längst bekannt sind.

00:04:22: Dr.

00:04:23: Park ließ mich in Chicago abbilden – ich fragte mich wie es Dr.

00:04:27: William H. Park gefallen würde, beleidigt?

00:04:31: Und in einer Fachzeitschrift zur Schau gestellt zu werden….

00:04:35: …und ihn oder seine Frau Typhoid-William-Park zu nennen!

00:04:58: Willkommen zu Geschichten der Medizin, dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle.

00:05:11: Ich bin Kerstin – Ärztin und Erzählerin.

00:05:17: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen- und dramatische Diagnosen mal weltbewegend, mal ganz persönlich immer medizinisch Immer spannend.

00:05:41: Gesund und ausgesperrt.

00:05:48: Was wir eben gehört haben, ist ein Brief.

00:05:52: Ein Brief den eine Frau im Jahr Neunzehntein neun an ihren Anwalt geschrieben hat.

00:05:58: Diese Frau isst die neunund dreißigjährige Mary Malone Und wir befinden uns im Staat New York sogar in New York City.

00:06:08: Wer aber jetzt pulsierendes Treiben in den blockweise angeordneten Straßen dieser Großstadt vor sich sieht, der Irrt.

00:06:17: Mary befindet sich in Rufweite genau dieser Lebensart – aber sie könnte nicht weiter entfernt vom Leben sein!

00:06:25: Ihr Bewegungsradius ist auf Vierhundert mal Zweihundert Meter begrenzt – auch wenn das jetzt mathematisch nicht ganz korrekt.

00:06:34: Sie kann die Menschen sehen, wie sie ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgehen.

00:06:39: Sie kann sie hören – aber sie kann sie nicht erreichen!

00:06:43: Denn sie lebt auf einer Insel, unfreiwillig gefangen genommen von Behörden, die sie als Bedrohung ansehen.

00:06:52: Mary Malone könnte nicht einsamer sein.

00:07:11: in einer ländlich geprägten Gegend im Norden der Insel.

00:07:16: Es ist eine Zeit, in der Irland sich noch immer nicht von den Folgen der großen Hungersmut erholt hat.

00:07:23: Zwar liegen die schlimmsten Jahre der Missernten wegen der Kartoffelfäule bereits zwei Jahrzehnte zurück – doch Armut, Landknappheit und Perspektivlosigkeit prägen weiterhin das Leben vieler Familien!

00:07:40: Vielleicht ist es damals so, dass auch Marys Eltern zu jener großen Gruppe von Menschen gehören die wissen das harte Arbeit allein nicht ausreichen wird um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

00:07:54: Oft bedeutet das Leben auf dem Land Abhängigkeit von Pachtverhältnissen geringe Erträge und kaum Aufstiegschancen.

00:08:04: Die Vereinigten Staaten gelten dagegen als Ort der Möglichkeiten, gespeist durch Schwärmereien in Briefen von Verwandten aus Erzählungen von Rückkehrern und Auszeitungsannunzen die Arbeit-und Lohnversprechen.

00:08:20: Zwischen der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und dem ersten Weltkrieg verlassen mehrere Millionen Ihren ihre Heimat.

00:08:30: Allein in den Achtzehnhundertachtiger Jahren wandern hunderttausende aus.

00:08:35: Viele von ihnen sind jung, auch Mary ist es!

00:08:40: Sie isst fünfzehn Jahre alt als sie sich achtzenthundratdreiundachtzig auf den Weg nach Amerika macht.

00:08:48: Ob sie von ihren Eltern begleitet wird oder allein reißt, ist nicht gesichert.

00:08:59: Die Überfahrt über den Atlantik dauert zu dieser Zeit meist zehn bis vierzehn Tage.

00:09:05: Wahrscheinlich reist Mary in der dritten Klasse wie die meisten Arbeitsmigranten.

00:09:11: Oft sind diese Unterkünfte eng, schlecht belüftet und spärlich ausgestattet.

00:09:17: Die Passagiere schlafen in einfachen Kohlen, teilen sich Waschräume und verbringen Tage- und Nächte dicht gedrängt.

00:09:26: Seekrankheit ist häufig ebenso die Angst vor Stürmen oder Krankheiten an Bord.

00:09:33: Aber die Immigrantinnen nehmen die Strapazen auf sich Denn die Hoffnung auf ein neues, besseres Leben jenseits des Atlantiks wiegt schwerer als die schwierigen Bedingungen auf dem Schiff.

00:09:47: Und für viele winkt der Aussicht auf einen Leben in Freiheit und Unabhängigkeit.

00:09:53: New York ist in den Achtzehnhundertachzigerjahren bereits eine Einwanderungsstadt.

00:10:00: Zehntausende Neuankömmlinge erreichen jährlich den Hafen – viele von ihnen aus Irland!

00:10:07: Für junge irische Frauen eröffnen sich vor allem Tätigkeiten im häuslichen Dienst.

00:10:14: Mary findet zunächst Arbeit als Hausangestellte, später als Küchen.

00:10:20: Dieser Beruf gilt als anspruchsvoll und vergleichsweise gut bezahlt.

00:10:25: Er fordert Organisationen Erfahrung- und Durchsetzungsvermögen besonders in wohlhabenden Haushalten in den hohe Erwartungen herrschen.

00:10:37: In genau solchen Haushalten arbeitet Mary, vor allem in Manhattan und im gut situierten Umland von New York – etwa in Westchester County oder auf Long Island.

00:10:50: Ihre Stellen wechseln häufig, was in diesem Beruf nicht ungewöhnlich ist.

00:10:55: Dienstboten sind abhängig von Empfehlungen und saisonalen Aufenthalten der Familien.

00:11:02: Über Mary's Charakter ist wenig bekannt Doch ihre berufliche Laufbahn zeigt, dass sie immer wieder Anstellungen findet.

00:11:11: Ein Hinweis darauf, daß ihre Arbeit wohl geschätzt wird!

00:11:15: Die Jahre vergehen.

00:11:17: Aus der erwartungsfrohen Teenagerin ist eine erwachsene Frau geworden als es zwischen nineteenhundert und neunzehnhundertsieben in mehreren New Yorker Haushalten zu Typhuserkrankungen kommt.

00:11:32: Die Fälle werden zunächst isoliert betrachtet.

00:11:35: Typhus ist in dieser Stadt kein unbekanntes Problem.

00:11:39: Aber was genau IST denn typhus?

00:11:42: Zeit für eine Diagnose-Info Um die Wände.

00:11:50: zum zwanzigsten Jahrhundert gehörte typhUS zu den gefürchteten Infektionskrankheiten der industrialisierten Welt.

00:11:59: Besonders in schnell wachsenden Städten trat er immer wieder auf.

00:12:04: Oft war es damals so, dass die Obernisierung schneller voranschritt als der Ausbau der Kanalisation, Trinkwasserversorgung und Müllentsorgung.

00:12:15: Wo viele Menschen dicht zusammen lebten – wo Abwasser ungeklärt blieb und sauberes Wasser nicht selbstverständlich war – fand die Krankheit günstige Bedingungen.

00:12:28: Typhus wird über Schmierinfektionen, kontaminierte Lebensmittel und verunreinigtes Wasser

00:12:35: übertragen.".

00:12:36: Häufige Quellen waren Brunnen, die in der Nähe von Aborten lagen.

00:12:41: Flüsse in die Abwässer eingeleitet wurden und Nahrungsmittel, die ohne ausreichende Hygiene zubereitet oder gelagert wurden.

00:12:51: Milch-, Wasser-, rohes Obst-und kalte Speisen galten als typische Überträger.

00:12:58: Die Krankheit breitete sich nicht explosionsartig wie eine Pest aus!

00:13:03: sondern eher schleichend, entlang alltäglicher Versorgungswege.

00:13:09: Und auch der Krankheitsverlauf beginnt meist schleichen.

00:13:13: Typisch sind anhaltendes hohes Fieber, starke Müdigkeit, Kopfschmerzen und Liderschmerzen.

00:13:22: Im Verlauf kommen Bauchschmerz, Durchfall oder Verstopfung hinzu.

00:13:27: Viele Erkrankte entwickeln einen benommenen apathischen Zustand der der Krankheit ihren Namen gab.

00:13:35: Denn Typhus kommt von dem griechischen Wort typhos, wie Nebel.

00:13:42: Ohne Behandlung dauert die Erkrankung oft Wochen und endet nicht selten tödlich – vor allem bei geschwächten Menschen!

00:13:51: Aber wie kommt es dazu?

00:13:53: Woran sterben die Menschen denn?

00:13:55: fragt man sich da unwillkürlich.

00:13:58: Also zunächst einmal muss man natürlich berücksichtigen ob eine Therapie stattfindet oder nicht.

00:14:05: Gegenanfang des zwanzigsten Jahrhunderts war zwar bekannt, dass TÜVUS durch ein Bakterium die Salmonella typhi hervorgerufen wird – aber das war es auch schon!

00:14:18: Eine Therapie war nicht in Sicht.

00:14:20: Es sollte noch über drei Jahrzehnte bis zur Entdeckung des ersten Antibiotikums des Penicillins dauern.

00:14:29: Wie verlief die Erkrankung?

00:14:31: also?

00:14:32: Ohne Therapie.

00:14:34: Am Anfang stand meist ein anhaltendes, stetig steigendes Fieber.

00:14:40: Der Körper geriet in einen Zustand dauerhafter Überforderung – der Stoffwechsel lief auf Hochtouren während Appetit und Durst nachließen.

00:14:49: Viele erkrankte Aßen kaum noch, tranken wenig und lagen apartisch dar.

00:14:55: Schon hier begann ein schleichender Verfall.

00:14:58: Kräfte schwanden und Reserven wurden aufgebraucht.

00:15:02: Der Körper zerrte von sich selbst.

00:15:05: Oft unterschätzten Angehörige diese Anfangsphase, doch währenddessen verlor der Körper Flüssigkeit und Salze durch Fieber, Schwitzen-und Durchfälle – und durch die allgemeine Schwäche, die die Flüssigkeitsaufnahme zusätzlich erschwerte.

00:15:22: Infusionen gab es nicht!

00:15:24: Wer nicht trinken konnte, trocknete langsam aus mit allen Folgen.

00:15:31: und denieren ebenfalls.

00:15:34: Eine Abwärtsspirale ohne Rückfahrkarte.

00:15:38: Doch die eigentliche Gefahr lauerte häufig im Inneren des Darmes.

00:15:43: Entzündete Darmwände fing an zu bluten, der Kreislauf wurde zusätzlich geschwächt.

00:15:50: Noch gefürchteter war der Moment in dem die Darmband selbst nachgab.

00:15:55: Ein Durchbruch bedeutete, dass Darminhalt und Bakterien in die Bauchhöhle gelangten.

00:16:01: Es entwickelte sich eine Bauchfellentzündung – eine Erkrankung, die zu dieser Zeit fast immer tödlich verlief.

00:16:09: Operationen waren selten riskant und oft zu spät.

00:16:15: Hinzu kam das Typhusbakterien häufig den Weg in die Blutbahn fanden.

00:16:21: Der ganze Körper reagierte dann mit einer massiven Entzündungsantwort.

00:16:25: Organe versagten nacheinander, das Herz dinieren und auch die Lunge.

00:16:31: Da ließ der Tod nicht lange auf sich warten.

00:16:35: Viele erkrankte starben außerdem an Folgeproblemen.

00:16:39: Wer lange fiebernd im Bett lag, entwickelte zum Beispiel Lungenentzündung oder andere zusätzliche Infektionen – in einer Zeit ohne moderne Intensivmedizin konnten solche Komplikationen.

00:16:55: Es handelte sich also um eine sehr ernst zunehmende und meistens endemisch auftretende Krankheit.

00:17:03: Kehren wir zurück nach New York.

00:17:06: Die wohlhabende Familie Warren hält sich in ihrem Sommerhaus in Oyster Bay auf Long Island auf.

00:17:14: Hier residieren die schönen und reichenden damaligen Zeit.

00:17:18: Auch die Warrens verfügen dort über ein großes gepflegtes Haus und freuen sich auf schöne Wochen am Meer.

00:17:26: Aber es soll anders kommen!

00:17:29: Nach-und nach erkranken Familienmitglieder und Bedienstete, insgesamt sechs Personen an hohem Fieber und Schwäche.

00:17:39: Es dauert nicht lange dann kommen andere Symptome dazu so dass die Diagnose schnell feststeht.

00:17:46: Typhus Für die Warrens ist das beunruhigend.

00:17:52: Typhus gilt als Krankheit der Großstadt, der engen Viertel der schlechten Wasserversorgung.

00:17:58: Nicht als etwas das man in einem Sommerhaus in Oyster Bay erwartet und natürlich will die Familie wissen woher das Ungemach kommt.

00:18:09: So wird George A. Sopa ein Sanitätsingenieur mit der Recherche beauftragt – und der legt sich ordentlich ins Zeug!

00:18:19: Er sieht sich das Haus an, er lässt sich den Brunnen zeigen, prüft die Leitungen und die Abwasserentsorgung.

00:18:27: Er inspiziert das gesamte Grundstück.

00:18:30: Aber er findet ... nichts!

00:18:33: Das Wasser ist sauber – Die Leitungs sind in Ordnung.

00:18:37: In der Nachbarschaft gibt es keine weiteren Fälle.

00:18:42: Also richtet er seinen Blick auf Gas.

00:18:44: Was bleibt?

00:18:46: Die Menschen im Haus?

00:18:48: Er lässt sich das Personal nennen.

00:18:51: Wer arbeitet hier, seit wann?

00:18:53: Wer ist neu und wer war vorher schon

00:18:56: da?".

00:18:57: Schließlich befragt er auch die Köchin – und dass, obwohl sie sich bester Gesundheit erfreut und keinerlei Typhussymptome zeigt!

00:19:07: Er hört, dass sie noch nicht lange im Haus arbeite und sonntags immer Eiscreme mit frischen Fersichen serviere — im Gegensatz zu ihren anderen Mahlzeiten die gekocht würden.

00:19:20: Superbohrt nach!

00:19:22: Wo sei sie denn davor beschäftigt gewesen?

00:19:26: Ach, in New York!

00:19:28: So fährt er dort hin und klappert die früheren Arbeitsplätze der Küchen ab.

00:19:34: Insgesamt stößt er auf eine Spur von über zwanzig Infizierten – und dann zählt er eins-und-eins zusammen, denn überall wo diese Köchin beschäftigt war, überall sind Typhusfälle aufgetreten.

00:19:50: Nur wie kann das sein?

00:19:53: Die Köchin ist doch gesund!

00:19:56: Er fährt zurück zum Haus der Warren, erklärt was er vermutet und bittet um Stuhl- und Urinproben.

00:20:04: Aber die Köchin weigert sich – sie sei gesund und sehe keinerlei Grund irgendwelche Proben abzugeben.

00:20:12: So bleibt Super nichts als seine Erkenntnisse zu

00:20:15: dokumentieren.".

00:20:17: Und das hat er ziemlich gewissenhaft getan, sonst wüssten wir ja nichts davon.

00:20:23: Und da er keine weitere Handhabe hat, übergibt er den Fall an das Gesundheitsamt von New York City – ein halbes Jahr später.

00:20:33: und zurück bei Mary Malone.

00:20:36: Die arbeitet inzwischen bei der Familie Bowen im deren Haushalt in Park Avenue mitten in Manhattan als Köchin!

00:20:46: Und sie steht auch am siebenzwanzigsten März in der Küche, als mehrere Uniformierte mit einer Ärztin und einem Gesundheitsinspektor im Schlepptau auftauchen.

00:20:57: Sie wollen genau das was schon der Sanitätsingenieur Sopa vor neun Monaten von ihr verlangte – aber Mary will nicht!

00:21:06: Wieder nicht!

00:21:07: Ihre Körperflüssigkeiten und anderes gibt sie nicht her, macht sie allen unmissverständlich klar — sie sei ja gesund.

00:21:16: Und als man sie zwingen will, wehrt sie sich mit einer Tranchiergabel.

00:21:21: So wird es

00:21:21: überliefert.".

00:21:23: Das alles hilft ihr letztendlich nichts – denn man nimmt sie in Gewahrsam und liefert sie in das Willard Parker Hospital ein städtisches Krankenhaus für Infektionskrankheiten ein.

00:21:36: Innerhalb der nächsten drei Wochen werden mehrfach Proben entnommen.

00:21:40: In mehreren dieser Proben werden TÜVOS-Bakterien nachgewiesen!

00:21:45: Nach wie vor ist Mary Symptom frei?

00:21:49: Aber das hilft ihr nicht.

00:21:51: Die Infektionsketten sind zu eindeutig und ergeben zusammen mit dem Labor befunden ein eindeutes Bild.

00:21:59: Sie sei eine beschwerdefreie Keimträgerin, und stelle damit eine Gefahr für die Allgemeinheit dar!

00:22:06: Erschwerend kommt hinzu, dass Mary sich nicht wirklich einsichtig zeigt – und darauf beharrt weiter als Köchin arbeiten zu wollen.

00:22:16: Und nun greifen die Behörden mit voller Entschlossenheit durch!

00:22:21: Mary wird auf eine Insel gebracht, nicht das Neu- reiche Long Island, sondern North Brother Island – eine kleine schmale Insel im East River gelegen, kaum größer als ein paar Häuserblocks.

00:22:37: Das Vierhundertmeter lange und zweihundert Meter breite Inselchen liegt mitten in New York genau zwischen der Bronx und Rikers Island, nur etwa dreihundert Meter vom Festland entfernt.

00:22:53: So nah dass man sich als Teil der Stadt wähnt aber doch so weit entfernt weil man sie nicht verlassen kann zumindest dann nicht wenn man nicht schwimmen kann.

00:23:05: irische Einwanderinnen können so damaligen Zeit Nicht schwimmen Und so findet sich Mary auf diesem kleinen Island wieder.

00:23:16: Hier gibt es kein mundänes Sommerleben, keine Willen und auch keine Strände!

00:23:22: Auf dieser Insel stehen Krankenhausgebäude, Wirtschaftsbaracken und einfache Unterkünfte.

00:23:30: Sie dienen der Stadt New York als Quarantänestation für Menschen die als ansteckend gelten Einige Dutzend bis zeitweise etwa hundert Menschen mit Typhus, Tuberkulose und anderen Infektionskrankheiten.

00:23:47: Man kann von hier aus die Stadt sehen ihre Geräusche hören und den Stadtverkehr beobachten.

00:23:54: doch wer hierher gebracht wird lebt von allem abgeschnitten was vorher sein Leben ausgemacht hat.

00:24:03: Und genauso ergeht es Mary.

00:24:16: sie wird in einem kleinen Cottage untergebracht.

00:24:19: Man untersucht bis zu dreimal wöchentlich Stuhlproben von ihr.

00:24:23: Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, aber eines muss betont werden.

00:24:28: Immer wieder werden Typhus-Erreger gefunden und das ist es auch schon – Ihr Leben auf der Insel!

00:24:37: Man kann sich vorstellen wie sie sich gefühlt haben mag.

00:24:42: Da war sicher zunächst die Verleugnung Es kann nicht sein was nicht sein darf.

00:24:47: Die werden ja merken, dass ich gesund bin.

00:24:50: So lange wird es schon nicht dauern!

00:24:52: Aber die Maßnahme ist zeitlich nicht begrenzt und aus Tagen werden Wochen – aus Wochen Monate und aus Monaten zwei Jahre.

00:25:05: Wir haben ja schon einen Einblick in ihre Verfassung am Anfang dieser Folge nehmen können.

00:25:10: Den dort zitierten Brief schreibt sie Wie gesagt, gute zwei Jahre nach ihrer Verbringung auf die Insel.

00:25:20: Und da wir den Beginn Ihrer Geschichte jetzt schon kennen, können wir dem Brief natürlich viel besser einordnen!

00:25:28: Hier kommt er also noch einmal – der Brief, den Sie mit neunund dreißig Jahren an Ihren Anwalt schrieb.

00:25:36: Es hat vonseiten der Behörden niemals einen Versuch gegeben etwas für mich zu tun außer mich auf diese Insel zu werfen und mich wie eine Gefangene festzuhalten, obwohl ich nicht krank bin und keine medizinische Behandlung benötige.

00:25:53: Als sich zuerst hierher kam war ich sehr nervös und nahezu niedergestreckt von Kummer und Sorge.

00:26:00: Meine Augen begannen zu zucken und das linke Augenlied wurde gelähmt und bewegte sich nicht mehr.

00:26:08: Es blieb sechs Monate in diesem Zustand.

00:26:11: Ein Augenspezialist besuchte die Insel drei bis vier Mal pro Woche.

00:26:15: Er wurde niemals gebeten, mich zu sehen.

00:26:18: Ich bekam nicht einmal eine Augenklappe!

00:26:21: Ich musste beim Umhergehen meine Hand auf das Auge halten und nachts eine Binde darum binden.

00:26:29: Dr.

00:26:29: Wilson verordnete mir Urotropin – ich bekam es unregelmäßig über ein Jahr hinweg.

00:26:36: Manchmal hatten sie es, manchmal nicht….

00:26:39: Insgesamt nahm ich das Urotropin etwa drei Monate während des ganzen Jahres.

00:26:45: Hätte ich es weiter eingenommen, hätte es mich sicherlich umgebracht, denn es ist ein sehr starkes Mittel!

00:26:52: Jeder der sich auch nur ein wenig mit Medizin auskennt weiß, dass es bei Nierenleiden verwendet wird.

00:27:01: Im Januar Ninzehundert acht – als man im Begriff war, mich zu entlassen kam der Stationsarzt zu mir und fragte, wohin ich gehen würde wenn ich hier herauskäme.

00:27:13: Natürlich sagte ich nach New York.

00:27:16: Daraufhin wurde meine Entlassung sofort gestoppt.

00:27:20: Danach sagte mir die Oberschwester Ich sei ein hoffnungsloser Fall Und wenn ich an Dr.

00:27:25: Darlington schriebe und erklärte, ich würde zu meinen Schwestern nach Connecticut gehen Würde ich vielleicht entlassen werden?

00:27:34: Ich habe jedoch keine Schwester in diesem Staat und auch keine in irgendeinem anderen Staat der USA.

00:27:42: Im April ging ein Freund von mir zu Dr.

00:27:44: Darlington, und fragte ihn wann ich endlich entlassen würde?

00:27:50: Er antwortete diese Frau ist jetzt in Ordnung Und sie verursacht hohe Kosten Aber Ich kann Sie nicht gehen lassen.

00:27:59: Das Gesundheitsamt muss darüber entscheiden.

00:28:02: Kommen Sie am Samstag wieder.

00:28:04: Als er wieder kam sagte dr.

00:28:06: darlington zu ihm Ich habe mit dieser Frau nichts mehr zu tun.

00:28:10: Gehen Sie zu Dr.

00:28:11: Studyford.".

00:28:13: Dieser Mann ging zu Drs.

00:28:15: Study Ford und der sagte, ich kann diese Frau nicht freilassen – all die Menschen, die sie mit Typhus angesteckt hat und so viele Todesfälle, die in den Familien aufgetreten sind bei denen sie war.

00:28:28: Drs Study Ford sagte weiter zu diesem Mann, gehen Sie zu Mary Malone und überreden Sie sie zu einer Operation, bei der Ihre geilen Blase entfernt wird!

00:28:39: Ich werde den besten Chirurgen der Stadt für den Eingriff holen.

00:28:42: – Ich sagte, nein!

00:28:45: Kein Messer wird an mich gelegt.

00:28:47: Mit meiner geilen Blase ist alles in

00:28:49: Ordnung.".

00:28:51: Dr.

00:28:52: Wilson stellte mir dieselbe Frage.

00:28:54: Auch ihm sagte ich Nein.

00:28:57: Daraufhin erwiderte er, es könnte ihnen ohnehin nichts nützen.

00:29:02: Auch die Oberschwester forderte mich auf, mich operieren zu lassen.

00:29:07: Auch ihr sagte ich, nein Und sie bemerkte, wäre es für Sie nicht besser das tun zu lassen als hier zu bleiben?

00:29:16: Ich antwortete erneut Nein.

00:29:20: Als ich zum Gesundheitsamt kam sagten sie mir zuerst die Bakteriensein in meinem Darmtrakt.

00:29:27: Später sagte ein anderer, sie seien in den Muskeln des Darms und zuletzt kamen sie auf die geilen Blase!

00:29:35: Ich bin in Wahrheit so einer Piepschofe jedermann gemacht worden.

00:29:39: sogar die Studenten mussten kommen, um mich zu sehen und mich nach Tatsachen zu fragen, die der ganzen Welt längst bekannt sind.

00:29:47: Dr.

00:29:48: Park ließ mich in Chicago abbilden – ich fragte mich wie es Dr.

00:29:52: William H. Park gefallen würde, beleidigt und in einer Fachzeitschrift zur Schau gestellt zu werden und ihn oder seine Frau Typhoid William Park zu nennen?

00:30:11: Das ist ein Aufschrei.

00:30:14: Man kann ihre Empörung und Verzweiflung in jeder Zeile hören, und so gut nachvollziehen wie hilflos und ausgeliefert sie sich gefühlt haben muss – eigentlich gesund?

00:30:26: Aber von psychosomatischen Symptomen geplagt ohne Familie oder Freunde, ohne sinnvolle Tätigkeit und ohne Aussicht auf Freiheit!

00:30:37: Das klingt wirklich furchtbar….

00:30:41: Ich möchte noch auf einige Formulierungen in dem Brief eingehen, bevor wir ihren Weg weiter verfolgen.

00:30:48: Sie schreibt, man habe ihr einen Namen gegeben – das stimmt!

00:30:53: Und zwar Typhoid Mary der Name dieser Folge.

00:30:59: und dann ist davon die Rede dass man sie anstarre wie in einer Piepshow.

00:31:04: Als ich den Brief das erste Mal las dachte ich Das könne doch nicht sein.

00:31:10: So ein Begriff wird Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts doch vollkommen deplatziert.

00:31:16: Aber wir müssen hier unser modernes Bild im Kopf löschen!

00:31:20: Damals hatte das Wort noch nichts mit dem Rotlichtmilieu der Siebzigerjahre zu tun, eine Piepshow war um die Jahrhundertwende eine Jahrmarktsattraktion.

00:31:31: Wir kennen sie in Deutschen als Kuckkasten.

00:31:36: Das war ein hölzener Kasten mit einer Linse in denen man gegen eine Münze hineinspähte, um exotische Tiere, ferne Städte oder anatomische Kuriositäten zu bestaunen.

00:31:50: Stellt euch das Bild vor!

00:31:52: In dieser kleinen Quarantäne-Hütte auf der Insel sitzt einer Frau die sich vollkommen gesund fühlt und draußen auf der Veranda stehen junge Medizinstudentinnen und neugierige Praktikanten, also Spähen, nur um einmal die berüchtigte Typhoid Mary zu sehen.

00:32:16: Die Ärzte führen sie vor wie eine biologische Kuriosität.

00:32:22: Indem Mary dieses Wort wählt gibt sie uns einen tiefen Einblick in ihr Trauma auf North Brother Island.

00:32:31: Sie sei quasi die Sensation in einem Käfig.

00:32:35: Für Mary Malone ist die Insel keine Klinik.

00:32:39: Sie ist ein menschlicher Zoo und sie als medizinisches Versuchskaninchen mittendrin.

00:32:47: So beschreibt sie in ihrem Brief, dass man ihr über ein Jahr lang unregelmäßig Urotopien verabreichte – einen Stoff den wir heute eher als Trockenbrennstoff vom Campingkocher oder aus der Kunststoffherstellung kennen.

00:33:03: Damals war es ein frühes Desinfektionsmittel dass im sauren Urin vorm Aldehüt freisetzte, um Bakterien abzutöten.

00:33:14: Doch sie tappten im Dunkeln!

00:33:17: Heute ist bekannt, daß sich bei Dauerausscheidern wie Mary die Typhusbakterien in der Gallenblase einnisten.

00:33:26: Galle isst jedoch alkalisch – das Urotropin konnte dort überhaupt nicht wirken und blieb völlig nutzlos.

00:33:36: Die Ärzte versuchten also buchstäblich, mit dem falschen Werkzeug Mary von innen heraus – in Anführungsstrichen – keimfrei zu waschen.

00:33:48: Als die Ärzter bemerkten, dass die Chemie versagte, machten sie Mary einen radikalen Vorschlag.

00:33:55: Sie wollten ihr die geilen Blase operativ entfernen.

00:33:59: Aus heutiger Sicht war das ein medizinisch korrekter Ansatz da das Organ tatsächlich das Reservoir der Erreger war.

00:34:09: Doch im Jahr neunzehntnein klang das für Mary wie ein Albtraum!

00:34:15: Man muss sich das vorstellen, da kommen Ärzte den sie ohnehin nicht vertraut die sie gegen ihren Willen gefangen halten und verlangen nun sie aufzuschneiden um einen Organ zu entfernen – und dass obwohl sie sich doch kerngesund fühlt.

00:34:33: Kein Wunder, dass Mary kategorisch ablehnt und stattdessen beginnt sich juristisch zu wehren.

00:34:41: Sie reicht eine sogenannte habeas-korpus-Klage ein.

00:34:46: Das ist ein altes Rechtsprinzip das im Kern eine einzige Frage stellt Auf welcher rechtlichen Grundlage wird ein Mensch seiner Freiheit beraubt?

00:35:00: Mary Malone zwingt den Staat damit seine Entscheidung juristisch zu erklären.

00:35:07: Ihre Argumente sind nachvollziehbar, sie sei gesund, sie leide an keiner Krankheit Sie werde ohne Gerichtsurteil und ohne zeitliche Begrenzung isoliert Und sie werden anders behandelt als andere Menschen die Typhus hatten oder Typhosbakterien ausscheiden.

00:35:28: Die Stadt New York hält dagegen und verweist auf wiederholte positive Stuhlproben, aber auch auf die Gefahr, die von einer Köchin ausgeht, die Lebensmittel zubereitet.

00:35:42: Und auf ihre Weigerung ihren Beruf dauerhaft aufzugeben oder medizinischen Maßnahmen zuzustimmen.

00:35:50: Es geht also um die Abwägung zwischen der Freiheit eines Einzelnen gegenüber dem Schutz der Allgemeinheit.

00:35:59: Das Gericht folgt der Argumentation der Stadt und erklärt die fortgesetzte Isolierung für rechtmäßig.

00:36:07: Das Urteil ist nicht anfechtbar.

00:36:11: Mary Malone muss also auf ungestimmte Zeit, auf der Insel bleiben Doch die Klage bleibt nicht folgenlos Denn ihr Fall wird nun öffentlich hinterfragt.

00:36:23: Zeitungen greifen den Fall auf Juristen, Mediziner und Politiker diskutieren ihn.

00:36:30: Die Behörden müssen sich ständig rechtfertigen, eine unschuldige gesunde Person auf einer Insel festzuhalten.

00:36:38: Und erstaunlicherweise setzt ein Umdenken ein!

00:36:43: Das Gesundheitsamt kann es sich schlicht nicht mehr leisten, eine gesunde Keimträgerin unter den Augen der empörten Öffentlichkeit für den Rest ihres Lebens einzusperren – also geschieht das Unglaubliche.

00:36:58: Mary wird Jahrzehnte unter Auflagen freigelassen.

00:37:03: Sie darf nicht mehr als Köchin arbeiten, muss bestimmte Hygienemaßnahmen einhalten und sich regelmäßig beim Gesundheitsamt melden.

00:37:13: Daran hält sich Mary auch – zunächst!

00:37:18: Sie arbeitet in Wäschereien und als Reinigungskraft.

00:37:22: Die Arbeit ist schwer, schlecht bezahlt.

00:37:29: Sie verdient deutlich weniger als früher.

00:37:32: Ihr Leben ist geprägt von Unsicherheit, häufigen Stellenwechseln und prekären Verhältnissen.

00:37:40: Irgendwann aus welchem Lebensumständen genau ist unbekannt entscheidet sie sich wieder als besser bezahlte Köchin zu arbeiten – und da ihr Name bekannt ist lässt sie sich unter einem falschen Namen anstellen.

00:37:59: Das geht auch fünf Jahre lang gut.

00:38:02: Sie arbeitet in verschiedenen Haushalten und Einrichtungen, aber dann treten in ihrem Umfeld wieder Typhusfälle auf – ausgerechnet im Krankenhaus dem Sloan Hospital for Women einer New Yorker Frauenklinik.

00:38:19: Es kommt sogar zu zwei Todesfällen!

00:38:23: Dieses Mal reagieren die Behörden schnell.

00:38:26: sie identifizieren Mary und bringen sie zurück auf die Quarantäneinsel.

00:38:32: Mary ist zu diesem Zeitpunkt forty-fünf Jahre alt, muss sich mit der Aussicht abfinden den Rest ihres Lebens in Gefangenschaft zu verbringen – so kommt es auch!

00:38:45: Dieses Mal ist der Ausschluss aus der Gesellschaft für immer.

00:38:50: Ihren geliebten Beruf als Köchin wird sie nie wieder ausüben dürfen.

00:38:55: Stattdessen verrichtet sie einfache Hilfstätigkeiten im Labor, wie das Auswaschen von Reagenzgläsern – die ihr einen Monatslohn von etwa firtzig Dollar einbringen, den Sie oft für kleinige Schenke an Kinder der Angestellten der Insel ausgibt.

00:39:13: Mary Malone lebt noch über zwanzig Jahre auf North Brother Island.

00:39:18: Sie altert dort und erleidet neunzehntundzwanzig einen Schlaganfall der sie teilweise lämt.

00:39:26: In den letzten Jahren ist sie pflegebedürftig, Sie stirbt in den Alten von neunundsechzig Jahren auf North Brother Island.

00:39:39: Eine Obduktion bestätigt Typhusbakterien in ihrer Gallenblase.

00:39:45: Zu ihrer Beerdigung in der Bronx erscheinen neun Gäste.

00:39:50: Später können ihr einundfünfzig Infektionswege mit drei tödlichen Verläufen zugeordnet werden.

00:39:59: Der Fall Mary Malone bleibt für die Behörden nicht folgenlos.

00:40:04: Nach den Jahren der Auseinandersetzung verändert sich der praktische Umgang mit gesunden Typhus-Trägern spürbar.

00:40:13: In New York beginnt das Gesundheitsamt, bekannte asymptomatischer Typhusträger systematisch zu erfassen.

00:40:21: Sie werden namentlich registriert medizinisch kontrolliert und unter behördliche Aufsicht gestellt.

00:40:29: Der Blick richtet sich nicht mehr allein auf Erkrankte, sondern ausdrücklich auch auf Personen die selbst gesund bleiben und dennoch erreger ausscheiden – sogenannte asymptomatische Dauerausscheider.

00:40:46: Gleichzeitig werden verbindliche Berufsverbote eingeführt.

00:40:51: Bekannte Typhusträger dürfen nicht mehr als Köche arbeiten, nicht in Küchen tätig sein und keinen Umgang mit Lebensmitteln haben.

00:41:01: Diese Einschränkung gelten nicht als Empfehlung sondern als konkrete Auflage des Gesundheitsamtes.

00:41:09: Die Erfahrung mit Mary Malone zeigt dass gerade Tätigkeiten im Lebensmittelbereich ein hohes Risiko darstellen.

00:41:18: Der zweite Ausbruch im Jahr nineteenhundertfünfzehn führt zu einer weiteren Konsequenz.

00:41:25: Die Behörden reagieren nun schneller und entschlossener, bei bekannten Trägern die Gegenauflagen verstoßen wird nicht mehr verhandelt oder auf Einsicht gesetzt.

00:41:37: Die erneute Festnahme Mary Malone's und ihre dauerhafte Isolation markieren einen Wendepunkt.

00:41:44: Fehlende Kooperation führt fortan unmittelbar zu stricteren Maßnahmen.

00:41:51: Auch medizinisch verstiebt sich der Fokus, nach Ninzehundertneun richtet sich die Aufmerksamkeit gezielt auf die Gallenblase als möglichen Aufenthaltsort der Typhusbakterien.

00:42:05: Bei Dauerausscheidern versucht man herauszufinden ob Gallensteine vorliegen, die den Erregern optimale Bedingungen zur Besiedlung bieten.

00:42:15: Die operative Entfernung der Gallenblase wird in den folgenden Jahren als möglicher Ausweg diskutiert und in Einzelfällen umgesetzt.

00:42:25: Schließlich verändert sich auch die Verwaltungspraxis.

00:42:28: Quarantäneentscheidungen werden sorgfältiger dokumentiert, medizinisch begründet und juristisch abgesichert.

00:42:37: Der Fall Mary Malone hat gezeigt, dass solche Maßnahmen öffentlich hinterfragt werden können.

00:42:45: So hinterlässt ihr Schicksal konkrete Spuren.

00:42:49: Nicht in Form neuer Gesetze, sondern in der täglichen Praxis der Gesundheitsbehörden im medizinischen Vorgehen und im Umgang mit Menschen die Gesund erscheinen – und dennoch als Gefahr gelten!

00:43:04: Und wie sieht das heute aus?

00:43:06: Gibt es überhaupt noch

00:43:07: Typhus-Dauerausscheider?!

00:43:13: Typhus tritt heute weltweit deutlich seltener auf als noch zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:43:19: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die jährliche Zahl der Erkrankten auf rund zehn Millionen Fälle weltweit.

00:43:29: Etwa onehundertzehn bis einhundertsechzigtausend Menschen sterben pro Jahr daran!

00:43:36: Der überwiegende Teil dieser Fälle entfällt auf Regionen mit eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser, vor allem in Südasien, Südostasien, Afrika-Südlich der Sahara und teilen Lateinamerikas.

00:43:53: In Europa und Nordamerika kommen eigentlich nur noch importierte Fälle nach Reisen in Endemiegebiete vor – und natürlich waren auch beim Typhus Antibiotica Der Gamechanger.

00:44:07: Mit ihnen sinkt die Sterblichkeit auf unter ein Prozent, oft reicht eine ein bis zweiwöchige Einnahme.

00:44:15: Bei etwa eins bis fünf Prozent der Erkrankten wirkt die Antibiosin nicht ausreichend.

00:44:21: Sie werden zu Dauer ausscheidern wie Mary Malone.

00:44:25: Das Risiko für eine chronische Ausscheidung steigt bei Menschen über fünfzig Jahren beim Vorliegen von Gallenstein und bei chronischen Erkrankungen der Geilenwege.

00:44:38: In solchen Fällen versucht man eine Langzeitantibiose häufig über vier bis sechs Wochen, und regelmäßige Stuhluntersuchung meist mehrfach im Abstand von Wochen.

00:44:51: Bei Therapiefersagen- und gleichzeitigem Gallensteinen wird eine Gallenblasenentfernung erwogen – danach lassen sich in über neunzig Prozent der Fälle keine Typhusbakterien mehr nachweisen!

00:45:04: Gesundheitspolitisch gelten für bekannte Dauerausscheider in vielen Ländern klare Regeln.

00:45:10: Tätigkeiten im Lebensmittelbereich, in Großküchen, Krankenhäusern und Kindereinrichtungen sind in der Regel ausgeschlossen.

00:45:19: Diese Maßnahmen betreffen eine sehr kleine Personengruppe – meist weniger als ein Promill der Gesamtbevölkerung.

00:45:28: Und genau hier schließt sich der Kreis zu Mary Malone Denn alles, was heute selbstverständlich erscheint, fehlte zu ihrer Zeit vollständig.

00:45:40: Es gab keine Therapie die die Bakterien zuverlässig beseitigte.

00:45:45: Viele glaubten sogar noch an miasmatische Einflüsse – also krankmachende Ausdünstungen aus Schmutz-, Abwasser- oder faulender Materie.

00:45:56: Heute würde Mary Melon nach einer Typhusinfektion antibiotisch behandelt werden!

00:46:01: Mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von über ninety-fünf Prozent.

00:46:06: Bei anhaltender Ausscheidung würde man sie weiter therapieren, über vier bis sechs Wochen.

00:46:11: Man würde ihre Geilenblase gezielt untersuchen.

00:46:14: Bei Geilensteinen läge die Chance das Problem endgültig zu lösen bei über ninety Prozent.

00:46:22: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre ihr Fall heute nach wenigen Monaten abgeschlossen.

00:46:28: Zu ihrer Zeit dauerte er Aber das Dilemma besteht auch heute noch.

00:46:36: Individuelle Freiheit versus Schutz der Allgemeinheit, tuberkulose HIV, hepatitis C, Covid oder die Verteuglichkeit zum Beispiel bei Epilepsie.

00:46:52: und natürlich kann man das Thema noch größer aufziehen.

00:46:56: Es zeigt sich im Waffenrecht, wo individuelle Freiheitsansprüche hinter Sicherheitsinteressen zurücktreten.

00:47:03: Es wird sichtbar in Umwelt- und Klimaschutz – wenn persönliche Gewohnheiten eingeschränkt werden um langfristige Schäden für viele abzuwenden.

00:47:13: Und es taucht im Datenschutz und in der Überwachung auf Wenn staatliche Kontrolle mit dem Versprechen von Sicherheit begründet wird.

00:47:22: In all diesen Fällen ist das Muster gleich Eine individuelle Handlung wird begrenzt, weil ihr Risiko nicht beim Einzelnen endet sondern andere betrifft.

00:47:34: Mary Melons Geschichte verweist damit auf einen Prinzip das weit über die Medizin hinausgeht.

00:47:42: Gesellschaften definieren Freiheit stets neu entlang der Frage welches Risiko sie bereit sind gemeinsam zu tragen ein permanenter Tanz.

00:47:55: Das war Geschichten der Medizin, wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen.

00:48:10: Ob weltbewegend oder ganz persönlich Die nächste Geschichte wartet schon.

00:48:17: Bis dahin bleibt gesund.

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