#026 Das sanftmütige Blut
Shownotes
In dieser Folge:
Was passiert, wenn man glaubt, Sanftmut ließe sich übertragen?
Im Paris des 17. Jahrhunderts führt diese Idee zu einem medizinischen Experiment mit fatalen Folgen – und zu einer Frage, die die Medizin bis heute beschäftigt: Was ist Blut eigentlich?
Diese Folge erzählt von Lammblut und Aderlass, von Zufall und Erkenntnis, von Krieg, Blutbanken und Brötchen nach der Spende. Sie führt von den ersten Transfusionen über die Entdeckung der Blutgruppen bis zur modernen Transfusionsmedizin.
Eine Geschichte über Irrtümer, Fortschritt und darüber, warum Blut nie einfach nur Blut ist.
Mein Buch "Das ist nicht mein Kind":
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🔎Quellen:
- Bluttransfusion
- Jean-Baptiste Denis
- Die erste Bluttransfusion beim Menschen durch Jean-Baptiste Denis im Jahre 1667 aus medizinhistorischer Perspektive
- The Strange, Grisly History of the First Blood Transfusion
- 350 Years Ago, A Doctor Performed the First Human Blood Transfusion. A Sheep Was Involved](https://www.smithsonianmag.com/smart-news/350-years-ago-doctor-performed-first-human-blood-transfusion-sheep-was-involved-180963631/?utm_source=chatgpt.com))
- Human blood types have deep evolutionary roots
- The relationship between blood groups and disease
🎵Musik:
- Diamond von Grand_Project
- Ambient Piano Logo von moodmode
- sheep von papercutterjohn
- mountain-knight-castle-medieval-fantasy-orchestral-music- von Deuslower
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Transkript anzeigen
00:00:14: Wir alle kennen das Bild, eine Schafherde auf einer Weidefläche.
00:00:20: Die sanftmütigen Wesen, Grasen und Blöken gelassen vor sich hin – Und genau diese Sanftmut verhilft einem von ihnen im siebzehnten Jahrhundert zu zweifelhaftern Ruhmen!
00:00:35: Wir befinden uns in den privaten Gemächern eines Pariser Hauses.
00:00:41: Es ist der fünffzehnte Juni sixteenhundertsechzig.
00:00:46: Die Hitze steht im Raum, nicht die wohlige Wärme eines Sommertags sondern die schwere unbewegliche Luft, die sich auf die Brust legt.
00:00:57: Der Junge liegt still – zu still für sein Alter!
00:01:02: Sein linker Arm ruht auf einem Tuch sorgfältig ausgestreckt als gehöre er nicht mehr ganz zu ihm.
00:01:15: Das kurze Zögern, den Schnitt.
00:01:19: Aber heute ist irgendetwas anders!
00:01:23: Er hört es noch bevor er es sieht – ein leises Schnauben das Scharren von Hufen auf dem Boden.
00:01:31: Als er den Kopf ein wenig dreht, erkennt er es Dort steht ein Lamm direkt neben ihm weißes Fell dunkle feuchte Augen.
00:01:44: Sein Blick irrt zu den Männern Die reden leise, niemand spricht ihn an.
00:01:50: Der Mann der die Anweisungen gibt, den nie wirkt ruhig – beinahe beiläufig!
00:01:57: Als ginge es um etwas Alltägliches.
00:02:00: Der Schmerz kommt schnell ein scharfer Stich dann ein fremdes Gefühl tief im Arm als würde etwas hineingeschoben das dort nicht hingehört.
00:02:11: und dann meint er einen Hitzegefühl in seinem Arm zu spüren.
00:02:16: Er weiß nicht, was es ist.
00:02:19: Nur dass er sich anders anfühlt als alles zuvor!
00:02:24: Er wird benommen – Nicht plötzlich eher schleichend.
00:02:28: Der Raum rückt weiter weg Stimmen klingen dumpf Als kämen sie aus einem Nachbarzimmer.
00:02:35: Jemand legt ihm eine Hand in den Nacken Hält sein Kopf aufrecht.
00:02:40: Er lässt es geschehen.
00:02:41: Er wartet Auf die Schwäche, die sonst immer folgt Den Schwindel und die Übelkeit.
00:02:48: Aber dieses Mal fühlt es sich anders an, fremd' und heiß'.
00:02:54: Nach einer Weile hantieren sie wieder an seinem Arm.
00:02:57: Der leichte Schmerz endet Sie drücken ein Tuch auf die Wunde.
00:03:02: Er vernimmt noch einen leisen Satz Es genüge Mehr erklärt man nicht!
00:03:08: Sie richten ihn auf Setzen ihn hin.
00:03:11: Erstaunlicherweise bleibt er bei Bewusstsein.
00:03:15: Später werden andere über diesen Tag berichten.
00:03:18: Sie werden betonen, dass keine unmittelbare Katastrophe eintrat.
00:03:39: Willkommen zu Geschichten der Medizin – dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle!
00:03:52: Ich bin Kerstin, Ärztin und Erzählerin.
00:03:58: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen und dramatische Diagnosen Mal weltbewegend, mal ganz persönlich Immer medizinisch.
00:04:12: Immer spannend Das sanftmütige Blut.
00:04:24: Einen Tag später erwacht der Junge dessen Namen nicht überliefert ist aus dem Schlaf.
00:04:31: Er fühlt sich besser.
00:04:33: das Fieber scheint gesunken zu sein.
00:04:36: Vor ihm steht ein Mann mittleren Alters dessen Hände in seinem langen, dunklen Rock verborgen sind.
00:04:43: Sein Blick ist auf den Jungen gerichtet.
00:04:46: Er inspiziert dessen Hautfarbe, berührt die Stirn und schaut nach dem Verband am Arm.
00:04:53: Der Mann der da am Bett steht heißt Jean-Baptiste Nie, Arzt am Hof Ludwig
00:05:00: XIV.,
00:05:01: Teil der Pariser gelehrten Welt.
00:05:04: den in dieser Art niemand zuvor gewagt hat.
00:05:13: Der Junge lebt, das muss ein gutes Zeichen sein!
00:05:17: Die Blutübertragung hat zumindest keinen Schaden verursacht – aber hat sie auch geholfen?
00:05:24: Denis ist überzeugt, dass Blut krankmachende Eigenschaften enthalten könne.
00:05:30: Daher verordnet man Aderlässe.
00:05:33: Doch Denis will es nicht dabei bewenden lassen….
00:05:37: Wenn Blutbestandteile Menschen krank machen, Dann müsste Gutes gesundes Blut doch heilen.
00:05:45: So denkt er!
00:05:47: Der unbekannte Junge litt an einem Fieber.
00:05:51: Aderlässe konnten seine Beschwerden nicht lindern Aber nun einen Tag nach der Übertragung von Lammblut scheint es ihm besser zu gehen.
00:06:01: Dieses Ergebnis beflügelt Denis.
00:06:04: Er will noch einen Schritt weitergehen.
00:06:07: Er ist überzeugt, dass Blut auch Eigenschaften wie Sanftmut oder Unruhe in sich trage.
00:06:14: So kommt der nächste Patient in Denise Blickfeld.
00:06:18: Sein Name ist Antoine Moreauy – ein Mann den man für geistig verwirrt hält.
00:06:26: Er gilt als aufbrausend und unruhig, schwer zu bändigen.
00:06:31: Gerade deshalb wählt Denis ihn!
00:06:34: Wenn sanftes Blut beruhigen kann… Dann das eines Lams.
00:06:39: Rein, ruhig, ohne heftige Regung, so mutmast er!
00:06:46: Die Übertragung beginnt.
00:06:48: Moreu reagiert sofort Schmerzen, Unruhe und Fieber.
00:06:54: Denne bricht die Prozedur nach ca.
00:06:56: Hundertfünfzig Millilitern ab Aber am nächsten Tag wird sie wiederholt Zufrieden attestiert man dem bemitleidenswerten Patienten mehr Sanftheit und weniger Verrücktheit.
00:07:11: Und da die Therapie anzuschlagen scheint, wird Moroi auch am dritten Tag Lammblut übertragen – dieses Mal jedoch mit weniger sanftmütiger Wirkung!
00:07:23: Der arme Mann stirbt, höchstwahrscheinlich ein einer immunologischen Abwehrreaktion auf tierisches Protein wie wir jetzt natürlich wissen.
00:07:34: Die Witwe erhebt schwere Vorwürfe, Denis habe ihren Mann mit der Blutübertragung umgebracht – ein berechtigter Vorwurf aus heutiger Sicht!
00:07:45: Aber es geht vor dem Pariser Kriminalgericht nicht nur um Lammblut sondern merkwürdigerweise auch um Arsehen, eventuell eine gute Ablenkungsstrategie Aber genaure Informationen waren darüber nicht in Erfahrung zu bringen.
00:08:03: Auf jeden Fall wird die nie frei gesprochen!
00:08:06: Die Bluttransfusionen werden jedoch zunächst verboten.
00:08:11: Ein Jahrhundert vergeht, ohne dass jemand das Verbot ernsthaft infrage stellt – vereinzelte Experimente und Versuche verlaufen im Nichts.
00:08:22: Blut bleibt etwas, daß man durch Aderlässe entzieht?
00:08:26: Nicht etwas dass man ersetzt.
00:08:29: Der Gedanke taucht erst im London des frühen neunzehnten Jahrhunderts wieder auf, zunächst noch vorsichtig und leise!
00:08:39: Da ist der britische Arzt- und Geburtshelfer James Blendle – immer wieder steht er hilflos am Bett von Frauen die gerade entbunden haben….
00:08:49: Die Kinder leben?
00:08:51: Aber die Frauen…?
00:08:53: Sie verbluten, zum Beispiel weil sich die Gebärmutter nicht ausreichend nach der Geburt zusammenzieht.
00:09:00: Sogenannte postpartale Blutungen sind auch zweihundert Jahre nach Deni ein Todesurteil.
00:09:08: Da hilft kein Kraut, kein Gebet und schon gar keinen Adalas!
00:09:14: Und in einer dieser Situation erinnert sich Blandel an Deni – den mutigen Vorreiter der Bluttransfusion von vor hundertfünfzig Jahren.
00:09:26: Aber er denkt auch an die gescheiterten Versuche mit dem Tierblut und er zieht daraus eine Konsequenz, die für uns vollkommen nachvollziehbar – wenn nicht sogar zwingend scheint – zum damaligen Stand der Wissenschaft aber ein großer Schritt war.
00:09:44: Wenn tierisches Blut nicht heilt sondern krank macht dann könnte man es mit menschlichem Blut
00:09:51: versuchen.".
00:09:53: Ab eighteenhundertachzehn beginnt Blandel zu transfundieren.
00:09:58: Von Arm zu Arm, ohne jegliches Wissen von Blutgruppen, ohne Konservierung und ohne irgendeine Vorstellung vom Outcome!
00:10:09: Und es kommt genau so wie es aus heutiger Sicht kommen muss – etwa die Hälfte der circa zehn Frauen überlebt.
00:10:19: Und so kehrt die Transfusion zurück aber nur als letzte Maßnahme, wenn nichts anderes mehr bleibt.
00:10:28: Ein standardisiertes Verfahren entsteht nicht – dafür sind die Ergebnisse zu widersprüchlich!
00:10:35: Die gleiche Methode rettet einem Patienten das Leben und tötet den Nächsten.
00:10:41: Niemand weiß warum?
00:10:43: Es gibt keine Kenntnis der Blutgruppen, keine verlässlichen Kriterien, keine Möglichkeit vorherzusagen Was passieren wird?
00:10:54: Und es gibt logistische Probleme.
00:10:57: Blut lässt sich nicht lagern, Es gerinnt!
00:11:01: Jede Transfusion muss arm zu Arm erfolgen – sofort unter Zeitdruck.
00:11:08: Das macht den Eingriff kompliziert, selten und abhängig vom Zufall.
00:11:14: Denn es stellt sich jedes Mal die Frage Ist gerade überhaupt ein Spender
00:11:19: greifbar?!
00:11:21: Auch technisch herrscht Uneinigkeit, Spritzen, Trichter, Pumpen.
00:11:26: Jede Klinik – jeder Arzt arbeitet anders!
00:11:31: Mengen werden geschätzt, Indikationen variieren... Was der eine wagt, lehnt der andere strikt ab.
00:11:40: So bleibt die Transfusion das was sie seit Blandel ist.
00:11:45: Eine letzte Maßnahme eingesetzt, wenn nichts anderes mehr bleibt.
00:11:52: Hoffnungsvoll!
00:11:54: Aber gefürchtet.
00:11:56: Möglich?
00:11:58: Aber nicht verlässlich.
00:12:00: Die Mediziner wissen inzwischen das Bluttransfusionen Leben retten können.
00:12:06: Sie wissen aber nicht wann und vor allem nicht warum.
00:12:12: Und solange diese Frage unbeantwortet bleibt kann es keinen Standard geben.
00:12:19: Das wird sich erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ändern.
00:12:24: Nicht durch eine Veränderung des Verfahrens oder bessere Geräte, sondern durch eine Erkenntnis die alles ordnet was bis dahin unverständlich geblieben ist.
00:12:38: Diese Erkenntnes kommt nicht aus dem Operationssaal sie kommt aus einem Labor.
00:12:44: In der Mitte des Jahres beginnt der Wiener Arzt Karl Landsteiner, Blutproben verschiedener Menschen miteinander zu vermischen.
00:12:55: Außerhalb des Körpers – Tropfen für Tropfen!
00:12:59: Eigentlich ist es erstaunlich dass niemand früher darauf gekommen ist eine Methode die man im Körper von Menschen anwandte vorher mal in Vitro also in einer Petrischale auszuprobieren.
00:13:14: Aber das ist vielleicht zu sehr aus einer heutigen Perspektive gedacht.
00:13:19: Zurück zu Landsteiners Versuchen!
00:13:21: Was er sieht, ist irritierend.
00:13:25: Manche Blutproben verbinden sich vollkommen unproblematisch als ob man rotes Wasser miteinander vermischen würde.
00:13:33: Andere Kombinationen von Blutprobem verklumpfen miteinander – sie agglotinieren wie man sagt Und so offenbart sich außerhalb der Patienten ein Phänomen, das man ein Jahrhundert lang nicht verstanden hat.
00:13:49: Blut ist nicht gleich Blut!
00:13:53: Landsteiner erkennt Muster – er ordnet, er trennt.
00:13:58: Er beschreibt Blutgruppen zunächst A-, B- und C-, später null genannt.
00:14:06: Kurz darauf kommt AB hinzu Eine einfache Einteilung, aber mit gewaltiger Wirkung.
00:14:15: Denn auf einmal wird erklärbar was vorher zufällig wirkte.
00:14:20: Warum die eine Transfusion gelingt?
00:14:23: Die nächste jedoch tödlich endet!
00:14:26: Landsteiner kann vorhersagen ob sich Blut von zwei Menschen miteinander verträgt.
00:14:33: Das ist eine Sensation Denn nun wird der Therapieansatz der Bluttransfusion berechenbar und damit zurück auf die Schulbank.
00:14:43: Wir haben es alle im Biologieunterricht gelernt – und nun seid mal ehrlich, könntet ihr die Sache mit den Blutgruppen noch erklären?
00:14:55: Falls ja, spult ein paar Minuten vor!
00:14:58: Falls
00:14:58: nein?!
00:15:00: Hier kommen noch einmal die Grundlagen So verständlich wie ohne Tafel oder PowerPoint möglich.
00:15:10: Diagnose Info Wenn wir heute von Blutgruppen sprechen, dann klingt das nach moderner Medizin – Nach Laburen, Beuteln und Verträglichkeitstests.
00:15:24: Tatsächlich aber ist das System dass darüber entscheidet älter als die Menschheit selbst.
00:15:32: Es gibt im AB-Nullsystem vier Blutgruppen.
00:15:36: A, B, AB und Null – wie vorhin schon erwähnt!
00:15:42: Mehr nicht.
00:15:44: Und doch entscheidet diese kleine Einteilung darüber ob sich Blut problemlos mischen lässt oder ob es im Körper zu einer gefährlichen Reaktion kommt.
00:15:57: Worin liegt aber der Unterschied?
00:16:00: Kurz gesagt auf der Oberfläche, der roten Blutkörperchen.
00:16:06: Dort tragen diese Zellen winzige Zuckerstrukturen.
00:16:11: Man kann sie sich wie molekulare Namenschilder vorstellen.
00:16:15: Bei Blutgruppe A endet diese Zuckerstruktur auf eine bestimmte Weise bei B endet sie anders.
00:16:23: Bei AB sind beide Varianten vorhanden und bei Blutruppe Null fehlt dieser letzte Zuckerbaustein vollständig.
00:16:34: Die Null als Name leitet sich übrigens von dem deutschen Wort ohne ab, ohne a und ohne b. die Unterschiede sind winzig.
00:16:47: chemisch betrachtet geht es um einzelne Zucker angeheftet an eine ohnehin vorhandene Oberfläche aber für das Immunsystem sind sie entscheidend Denn unser Immunsystem ist darauf trainiert, genau solche Strukturen zu erkennen.
00:17:07: Was dazu gehört wird toleriert!
00:17:11: Was fremd aussieht – wird angegriffen.
00:17:15: Das erklärt warum sich manche Blutproben problemlos mischen lassen und andere sofort verklunkten.
00:17:24: Doch warum gibt es diese Unterschiede überhaupt?
00:17:28: Lange dachte man, Blutgruppen seien eine relativ junge Erfindung der Evolution.
00:17:34: Etwas das sich vielleicht erst beim Menschen herausgebildet hat.
00:17:39: Inzwischen ist jedoch klar dass das Gegenteil der Fall ist.
00:17:45: Genetische Analysen zeigen, daß die Blutruppen A und B mindestens zwanzig Millionen Jahre alt sind.
00:17:54: Sie existierten bereits bei einem gemeinsamen Vorfahren von Menschen, ebenso bei Schimpansen, Gorillas und anderen Primaten.
00:18:04: Und sie sind über all diese Millionen Jahre erhalten geblieben!
00:18:09: Das ist kein Zufall.
00:18:11: Solch eine genetische Vielfalt bleibt nur bestehen wenn sie immer wieder Vorteile bringt – vielleicht nicht für alle gleichzeitig aber für unterschiedliche Situationen Denn viele Krankheitserreger nutzen genau diese Zuckerstrukturen als Andockstellen.
00:18:33: Menschen mit Blutgruppe Null sind zum Beispiel anfälliger für Cholera.
00:18:39: Das Cholara-Bakterium bindet sich besonders gut an die Oberfläche von Zellen ohne A oder B-Zucker, in Regionen mit häufigen Cholerepidemien war Blutgruppe Null daher ein Nachteil.
00:18:55: Umgekehrt gilt, Menschen mit Blutgruppe A sind anfälliger für Pocken.
00:19:00: Das Pockervirus konnte sich offenbar leichter an Zellen mit Arstrukturen anhälften.
00:19:06: Daher war die Blutruppe A in Zeiten, in denen Pockenganze Landstriche entvölkerten – kein Vorteil!
00:19:15: Auch bei der Pest zeigen sich Unterschiede.
00:19:18: Historische und moderne Daten deuten darauf hin dass Menschen mit Blutgruppe Null häufiger schwer erkrankten.
00:19:27: Ein möglicher Grund, warum diese Blutgruppe in manchen Regionen Europas zeitweise seltener wurde.
00:19:34: Bei Malaria wiederum scheint Blut-Gruppe Null einen gewissen Schutz vor schweren Verläufen zu bieten – weil die infizierten roten Blutkörperchen weniger stark aneinanderhaften!
00:19:46: In malarierreichen Gebieten Afrikas ist Blutgruppe null deshalb besonders häufig….
00:19:53: Was hier sichtbar wird, ist ein evolutionäres Wechselspiel.
00:19:58: Was heute schützt?
00:20:00: Kann morgen schaden!
00:20:02: Was in einer Region ein Vorteil ist?
00:20:05: Kann anderswo tödlich sein.
00:20:09: So entsteht ein Gleichgewicht.
00:20:11: Keine Blutgruppe setzt sich vollständig durch – keine verschwindet.
00:20:16: Die Vielfalt bleibt erhalten weil sie Schutz gegen unterschiedliche Bedrohungen bietet.
00:20:23: Blutgruppen sind also kein medizinisches Konstrukt.
00:20:28: Sie sind ein tief verankerter, evolutionärer Kompromiss zwischen Immunsystem, Krankheitserregern und Umwelt – und spielen wir das Blutgruppenkarussell mal durch!
00:20:42: In Europa ist die häufigste Blutgruppe A. Allerdings nicht weltweit.
00:20:50: Auf jedem roten Blutkörperchen befindet sich also die Blutgruppen-Eigenschaft A. Das eigene Immunsystem verfügt über keine Antikörper gegen die Bluttgruppeneigenschaft a, sonst würde das eigene Blut ja ständig verklunkten.
00:21:06: Klingt logisch!
00:21:08: Aber warum ist es eigentlich so?
00:21:12: Unser Immunystem isst wie ein Wachhund – aber ein guter Wachgrund muss zuerst wissen Wer zu seiner Familie gehört.
00:21:22: Schon ganz früh, kurz nach der Geburt lernt unser Körper genau das!
00:21:28: Er schaut sich selbst an die eigenen Zellen, die eigenen Oberflächen auch die winzigen Zuckerstrukturen auf den roten Blutkörperchen also die Blutgruppeneigenschaften dieses Selbst wird abgespeichert.
00:21:47: Alles, was so aussieht gehört dazu und wird nicht angegriffen.
00:21:54: Erst danach beginnt das eigentliche Training.
00:21:58: Im Darm entwickelt sich das Biom eine Ansammlung der unterschiedlichsten Bakterien.
00:22:05: Diese Bakterie haben Oberflächenstrukturen genauso wie die roten Blutkörperchen Und manche dieser Oberflächenstrukturen sehen den Blutgruppeneigenschaften erstaunlich ähnlich.
00:22:19: Jetzt reagiert das Immunsystem!
00:22:22: Es bildet Abwehrstoffe, Antikörper gegen die Bakterien – also das was nicht als selbst oder bekannt gespeichert ist.
00:22:33: Ein Mensch mit Blutgruppe A kennt A von Anfang an.
00:22:38: Gegen Bakterien, deren Oberfläche Ähnlichkeit mit der Blutgruppen-Eigenschaft A hat wird also kein wirksamer Antikörper gebildet.
00:22:49: Aber gegen alles was anders aussieht zum Beispiel Oberflächenstrukturen die B ähneln und diese Antikörper schwimmen ab diesem Zeitpunkt im Blutplasma dieses Menschen.
00:23:04: so entstehen die Blutkruppenantikörper ganz automatisch.
00:23:09: Nicht, weil der Körper Bluttransfusionen erwartet.
00:23:13: Sondern, weil er sich zum Beispiel gegen Keime wappnet!
00:23:18: Und wenn man jetzt in dieses System eingreift – indem einem Menschen mit der Blutgruppe A Blut der Bluttgruppe B gegeben wird?
00:23:28: Dann stehen die Antikörper schon parat.
00:23:31: Es kommt zu einer Verklumbung.
00:23:33: Man könnte sagen Unser Immunsystem wollte uns vor Bakterien schützen und verwechselt quasi ganz vereinfacht formuliert das fremde Blut mit genau den zu attackierenden Bakterien.
00:23:49: Bei Blutgruppe Null fehlt der Zuckerbaustein ganz, deshalb erkennt das Immunsystem weder A noch B als selbst und bildet Antikörper gegen beide Moleküle.
00:24:05: Neben dem Blut Gruppen A, B, AB und Null gibt es noch eine zweite, sehr wichtige Unterscheidung.
00:24:14: Sie heißt Rhesusfaktor.
00:24:17: Hier geht es nicht um Zucker sondern um ein echtes Eiweiß Ein Protein das auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzt.
00:24:27: Ist dieses Protein vorhanden nennt man das Blut Rhesuspositiv.
00:24:34: Fehlt es?
00:24:35: ist das Bluthresus negativ?
00:24:39: Der Name ist übrigens wieder auf den Entdecker des AB-Null-Systems Landsteiner zurückzuführen.
00:24:46: Als der Resusfaktor entdeckt wird, suchen er und ein Kollege nach einem Grund, warum manche Bluttransfusionen trotz passender Blutgruppe gefährlich sind.
00:24:59: Sie wissen das Immunsystem von Resusaffen ähnelt dem des Menschen stark!
00:25:06: Also nutzen Sie deren Blut als Vergleich.
00:25:10: Sie stellen fest, dass ein bestimmtes Merkmal im Affenblut beim Menschen heftige Abwehrreaktionen auslösen kann.
00:25:18: Damit wird klar – es gibt neben AB Null noch ein weiteres Blutmerkmal!
00:25:25: Weil der entscheidende Hinweis aus Versuchen mit Resusaffen stammt, nennen sie es schlicht Rhesusfaktor.
00:25:34: Damit ist jetzt eine weitere Blutgruppen-Eigenschaft entdeckt.
00:25:38: Ein Molekül vorhanden oder nicht vorhandenen, aber das Ganze wäre natürlich zu einfach wenn es nicht ein großes Aber gäbe!
00:25:50: Beim AB Null System entstehen Antikörper automatisch im Babyalter.
00:25:56: beim Resussystem nur nach einer echten Begegnung mit fremden Blut kommt ein Mensch In welchem Alter auch immer, zum ersten Mal mit resus-positiven Blut in Kontakt.
00:26:12: Passiert meist noch nichts dramatisches Aber das Immunsystem merkt sich diese Begegnung Es lernt Dieses Eiweiß gehört nicht zu mir.
00:26:24: Erst danach beginnt es gezielt Antikörper gegen den Resusfaktor zu bilden.
00:26:31: Beim zweiten Kontakt kann es dann gefährlich werden.
00:26:35: Die roten Blutkörperchen werden angegriffen und zerstört.
00:26:39: Genau deshalb spielt der Resusfaktor bei Bluttransfusionen eine so große Rolle – und genau deshalb ist er auch in der Schwangerschaft wichtig!
00:26:51: Ist eine Mutterresus negativ, und trägt ein resuspositives Kind kann ihr Immunsystem bei einer ersten Schwangersschaft sensibilisiert werden.
00:27:02: Bei einer weiteren Schwangerschaft mit einem erneut resus-positiven Kind können die gebildeten Antikörper, die roten Blutkörperchen des ungeborenen Kindes angreifen.
00:27:14: Man könnte also sagen – beim Resusfaktor ist das Immunsystem nicht von Anfang an misstrauisch?
00:27:22: Aber es vergisst nichts!
00:27:25: Dass wir dieses Problem heute fast vollständig vermeiden können ist eine Errungenschaft der modernen Medizin.
00:27:32: Eine einfache Vorsorgemaßnahme verhindert, dass das Immunsystem diese Antikörper überhaupt bildet.
00:27:42: und nun seid ihr so gut eingedacht, dass ihr sicher auch locker nachvollziehen könnt, da es eine Art Allzweck-Blutersatzwaffe in diesem System gibt – nämlich Blut, das überhaupt keine Blutgruppeneigenschaften enthält!
00:28:00: Und damit darf ich den Sieger der Blutgruppen-Verträglichkeitslotterie vorstellen.
00:28:06: Blutgruppe Null, Resus Negativ.
00:28:10: Bluttkörperchen ganz ohne die vorher erwähnten Zuckermoleküle oder Proteine – also Bluttköpperchen, die keine Abwehrreaktion auslösen!
00:28:23: Daher nennt man Nullresus Negatives Blut auch Universalspenderblut.
00:28:30: Was aber, wenn ein Fehler oder eine Verwechslung geschieht?
00:28:35: Was, wenn es zu einer Blutgruppen Unverträglichkeit kommt.
00:28:41: Stellen wir uns das Blut erst einmal ganz ruhig vor!
00:28:46: Rote Blutkörperchen treiben einzeln im Plasma durch die Gefäße.
00:28:53: Sie stoßen sich nicht, sie kleben nicht – alles fließt Friede Freude Eierkuchen.
00:29:01: Doch nun kommt Fremdesblut ins Spiel.
00:29:04: Blut mit einer Blutgruppen-Eigenschaft, die der Körper nicht kennt.
00:29:09: Im Blutplasmarschwimmen bereits Antikörper.
00:29:13: Sie sind da!
00:29:14: Sie warten!
00:29:16: sie patrouillieren und plötzlich erkennen sie etwas.
00:29:21: diese Oberfläche dieser Zucker Der gehört nicht hierher.
00:29:27: Die Antikörpe heften sich an die fremden roten Blutkörperchen.
00:29:31: Nicht einer, sondern viele.
00:29:35: Und jeder Antikörper hat mehr als einen Greifarm!
00:29:40: So entsteht ein Netz – Ein rotes Blutkörperchen wird mit dem Nächsten verbunden, dann mit dem Übernächsten und dem Überübernächsen.
00:29:52: Das Blut beginnt zu verklumpen.
00:29:54: Wenn ich vorhin also vereinfachend gesagt habe dass die beiden Blutproben miteinander verklumpten Dann ist das nicht ganz korrekt.
00:30:04: Die Empfängerabwehr verklumpt die Blutkörperchen des Spenderblutes.
00:30:12: Diese Klumpen bleiben nicht harmlos, sie können feine Blutgefäße verstopfen besonders in Niere Lunge oder Gehirn.
00:30:21: Der Blutfluss stockt.
00:30:24: Gleichzeitig schlägt das Immunsystem Alarm.
00:30:27: ein uraltes Notfallprogramm wird aktiviert Die verklumpten Zellen werden zerstört, sie platzen – ihr Inhalt tritt aus.
00:30:38: Dabei werden Stoffe freigesetzt die den Körper zusätzlich belasten.
00:30:43: Der Blutdruck fällt, Fieber kann entstehen, die nähern geraten unter Stress weil sie plötzlich große Mengen Zeltrümmer filtern müssen.
00:30:55: was im Reagenzglas nur wie harmlose Flocken aussieht wird im Körper schnell lebensgefährlich.
00:31:04: Und das Entscheidende ist, diese Reaktion braucht keine Vorbereitung – sie passiert sofort!
00:31:12: Denn die Antikörper waren schon da.
00:31:15: Sie mussten nicht erst gebildet werden.
00:31:18: Sie mußten nur warten.
00:31:20: Darum ist eine falsche Bluttransfusion kein schleichendes Problem.
00:31:26: Sie isst ein akuter
00:31:27: Notfall.".
00:31:29: Ein Notfall, der vor allem als solcher erkannt werden muss.
00:31:33: Denn die wichtigste Sofortmaßnahme ist logischerweise die Beendigung der Bluttransfusionen und dann müssen wir leider hinnehmen dass keine ursächliche Therapie zur Verfügung steht.
00:31:48: man kann die Immunreaktion nicht abschalten und nicht neutralisieren.
00:31:53: Die Behandlung ist daher symptomatisch also rein unterstützend.
00:31:59: Man versucht, den Schaden zu begrenzen.
00:32:03: Der Kreislauf wird stabilisiert – der Blutdruck überwacht.
00:32:07: Große Flüssigkeitsmengen sollen die Nieren schützen, denn sie müssen die Abbauprodukte der zerstörten Blutkörperchen ausscheiden.
00:32:16: Auch die Gerinnung wird kontrolliert!
00:32:19: Bei schweren Verläufen ist eine intensivmedizinische Betreuung notwendig….
00:32:24: Durch all diese Maßnahmen lässt sich die Literalität heutzutage auf zehn bis fünfzehn Prozent begrenzen, während zu Landsteiners Zeiten dreißig bis fünfzig Prozent der Bluttransfusionen tödlich endeten.
00:32:40: In einzelnen Fallserien sogar mehr als die Hälfte!
00:32:45: Daher führte die Entdeckung der Blutgruppen zu immer weiteren Einsatzgebieten der damals jungen Transfusionsmedizin.
00:32:54: Die größte praktische Bedeutung zeigte sich zunächst im Krieg.
00:32:59: Im Ersten Weltkrieg begann man Blutgruppen zu bestimmen und Blut gezielt zu transfundieren.
00:33:07: Gleichzeitig lernte man, Blut kurzfristig haltbar zu machen.
00:33:11: Blut musste nicht mehr arm zu Arm übertragen werden sondern konnte gesammelt und an Verwundete weitergegeben werden.
00:33:20: Die Sterblichkeit durch Blutverlust sank deutlich.
00:33:25: Blut wurde also schon während des Ersten Weltkrieges gesammelt, aber der Name «Bloodbank» entstand erst in den letzten Jahren.
00:33:36: Ein Jahr, in dem der Arzt Bernard Fentus im Cook County Hospital in Chicago immer wieder vor das gleiche Problem gestellt war.
00:33:46: Bluth wurde gebraucht und war nicht verfügbar.
00:33:51: Oder es war da, aber zur falschen Zeit!
00:33:55: So begann auch er Blut zu sammeln, zu kühlen und zu beschriften – und nannte seinen Blutvorrat Blutbank weil eine Bank ein Ort ist an dem man etwas hinterlegt um später darauf zurückzugreifen.
00:34:13: Im Zweiten Weltkrieg wurde daraus Routine.
00:34:16: Blutgruppen und Resusfaktor wurden systematisch bestimmt, Blutkonserven katalogisiert.
00:34:24: Damit waren schwere Verletzungen nicht mehr automatisch tödlich.
00:34:29: So sanden die Alliierten viele Konserven aus null negativen Universalspenderblut mit nach Frankreich um die Erstversorgung der Verwundeten zu gewährleisten.
00:34:40: Was sich im Krieg bewährte setzte sich danach in der zivilen Medizin durch.
00:34:47: Große Operationen wurden planbar.
00:34:50: Geburtsblutungen konnten behandelt werden, schwere Unfälle waren überlebbar.
00:34:58: Mit der Zeit änderte sich dabei auch ein grundlegendes Prinzip.
00:35:03: Man transfundierte nicht mehr Vollblut sondern gezielt Blut-Bestandteile.
00:35:10: Seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts setzt sich die sogenannte Komponententherapie durch.
00:35:17: Dabei erhält ein Patient nur das, was ihm tatsächlich fehlt.
00:35:23: Am häufigsten werden Konzentrate gegeben – sie enthalten fast ausschließlich rote Blutkörperchen und dienen dazu Sauerstoff zu transportieren, etwa nach großen Blutverlust oder bei schwerer Blutarmut.
00:35:40: Der Vorteil?
00:35:41: Geringeres Volumen, bessere Verträglichkeit, gezielter Effekt!
00:35:48: Bei Störungen der Blutgerinnung kommen Plasmaprodukte zum Einsatz.
00:35:54: Sie liefern Gerinnungsfaktoren etwa bei massiven Blutungen, Lebererkrankungen oder bestimmten Notfallsituationen.
00:36:04: Fehlend Blutplättchen – zb nach Chemotherapien oder bei Leukämie werden entsprechende Konzentrate transfundiert um lebensgefährliche Blutung zu verhindern.
00:36:18: Die moderne Transfusionsmedizin ist damit keine pauschale Blutgabe mehr, sondern ein präziser Ersatz bestimmter Blutbestandteile – abgestimmt auf Krankheitsbild und Patienten.
00:36:34: Und der aktuelle Stand?
00:36:37: Der heißeste Bereich der heutigen Transfusionsmedizin isst nicht mehr die Blutkonserve selbst, sondern die Frage wie man sie vermeiden oder ersetzen kann!
00:36:49: So wird zum Beispiel intensiv an künstlichen Sauerstoffträgern und verbesserten Gerinnungsfaktoren aus dem Labor geforscht.
00:36:59: Ziel ist nicht mehr viel hilft viel, sondern so gezielt wie möglich – so selten wie nötig!
00:37:10: Bei aller Euphorie darf man allerdings nicht vergessen dass auch die Transfusionsmedizin Nebenwirkungen mit sich bringen kann.
00:37:22: An erster Stelle ist da wohl an die vielen Übertragungen von Infektionskrankheiten, zum Beispiel Hepatitis und HIV – besonders in den Achtzigerjahren zu denken!
00:37:35: Man geht heute davon aus, dass sich weltweit Zehntausende Menschen mit HIV und mehrere Hunderttausend mit Hepatitis C durch Blutprodukte infiziert haben vor allem in den Neunzehntundertsiebziger und Neunzenhundertachtziger Jahren.
00:37:54: Falls euch diese Problematik besonders interessiert, hört euch gerne Folge fünfzehn an!
00:38:01: Dort geht es um den verzweifelten Kampf einer Mutter um ihre durch eine Bluttransfusion HIV-infizierten Kinder.
00:38:11: Inzwischen haben moderne Sicherheitsmaßnahmen Spendeauswahl Antikörper- und Nukleinsäuretests, das Risiko in Industrienationen dramatisch reduziert.
00:38:25: Die Wahrscheinlichkeit sich dort bei einer Bluttransfusion mit HIV zu infizieren liegt heute bei etwa eins zu zehn Millionen Transfusionen.
00:38:37: In Deutschland werden jedes Jahr rund dreieinhalb Millionen Blutspenden gegeben – Tag für Tag!
00:38:45: Blutspenden darf wer mindestens achtzehn Jahre alt ist, über fünfzig Kilo wiegt und sich gesund fühlt.
00:38:55: Man sollte keine akute Infektion haben – kein Fieber, keine schweren chronischen Erkrankungen.
00:39:03: Bestimmte Medikamente, frische Operationen, neue Tätowierungen oder Reisen in Risikogebiete können vorübergehend ausschließen!
00:39:14: Das wird vor Ort abgefragt.
00:39:17: All das geschieht in einem kurzen, vertraulichen Gespräch und mit ein paar einfachen Messungen.
00:39:24: Und ja?
00:39:26: Die Frage aller Fragen gibt es danach wirklich einen Brötchen?
00:39:31: Meistens Ja!
00:39:33: Man hat gerade einen halben Liter Blut dagelassen der Körper sortiert sich neu Und irgendwo zwischen Liege und Ausgang wartet eine sehr deutsche Form der Anerkennung.
00:39:46: Ein belegtes Brötchen, manchmal Käse, manchmal Wurst – gelegentlich beides gleichzeitig fast immer begleitet von Apfelsaft aus dem Tetrapack!
00:40:00: Falls bei euch also plötzlich ein unerklärlicher, aber sehr konkrete Appetit auf genau diese Art von Brötchen aufkommt.
00:40:10: Lasst den Brötchentresen der nächsten Tanke einfach links liegen und biegt ruhig mal zur Blutspendezentrale ab!
00:40:19: Und dann Guten Appetite!
00:40:26: Das war Geschichten der Medizin.
00:40:30: Wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen, ob weltbewegend oder ganz persönlich.
00:40:40: Die nächste Geschichte wartet schon – bis dahin bleibt gesund!
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