#025 Schaum, Blut und Kälteidiotie
Shownotes
In dieser Folge: Eine junge Wandergruppe bricht 1993 zu einer mehrtägigen Tour im Khamar-Daban-Gebirge auf – sechs von ihnen kehren nie zurück. Nur die 17-jährige Valentina überlebt und erzählt später eine verstörende Geschichte voller Panik, Blut und rätselhafter Symptome. Doch was geschah dort wirklich? In dieser Folge rekonstruieren wir die Ereignisse, ordnen medizinische Befunde ein und nähern uns einer plausiblen Erklärung – jenseits von Mythen, Spekulationen und Legenden. Eine Tragödie im Hochgebirge, die bis heute Fragen offenlässt.
Mein Buch "Das ist nicht mein Kind":
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🔎Quellen:
- Khamar-Daban incident
- Buryatia Dyatlov Pass
- The Khamar-Daban Incident Is So Strange It Is Known As "Buryatia's Dyatlov Pass"
- # Everyone May Be Wrong About The Khamar Daban Incident
- Der Khamar-Daban Zwischenfall
🎵Musik:
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Transkript anzeigen
00:00:05: Der Morgen ist still.
00:00:08: Ein farler, kalter Nebel hängt über dem Hochplateau als würde das Gebirge selbst den Atem anhalten.
00:00:16: Der Schnee vom Vortag liegt noch wie ein Matterschleier über Steinen und Gras in kleinen Mulden gesammelt, an anderen Stellen vom Wind fortgerissen.
00:00:26: Nichts bewegt sich – keine Vögel, kein Rascheln nur das dünne Pfeifen der Böhnen die über den Grad streichen.
00:00:36: Die Sonne ist bereits aufgegangen, doch ihre Wärme erreicht diesen Ort nicht.
00:00:42: Die siebzehnjährige Valentina steigt langsam den Hang hinauf Schritt für Schritt erschöpft, frierend, benommen von der Nacht im Wald.
00:00:53: Jeder Schritt kostet Kraft.
00:00:55: Der Boden is nass die Luft dünn Aber sie muss hinauf.
00:01:01: Sie muß wissen ob irgendjemand noch lebt.
00:01:06: Als sie den oberen Teil des Kampfs erreicht, sieht sie die Körper.
00:01:11: Sie liegen dort wo sie gestern gefallen sind, verstreut in Haltungen, die nicht mehr menschlich wirken, verdreht vom Krampf von Kälte vom letzten Aufbäumen.
00:01:24: Manche tragen kaum etwas am Leib – sie liegen barfuß im Schnee als ob sie einen Sonnenbad am Strand nehmen….
00:01:32: Ja es ist Sommer!
00:01:34: Aber es ist bitter kalt.
00:01:37: Ihre Gesichter sind blass, die Augen halb geöffnet.
00:01:42: Valentina geht zu Tanya, deren Kopf noch auf den kalten Steinen ruht.
00:01:47: Sie kniet nieder, schließt ihr vorsichtig die Lieder.
00:01:52: Dann weiter zu Dennis, zur Timur, zu Vika und schließlich höher hinauf zu Sascha und Corovina.
00:02:01: auch ihnen drückt sie die Augen zu.
00:02:04: Eine letzte, stille Geste.
00:02:07: Beinahe mechanisch ausgeführt weil der Verstand an diesem Morgen nur das Nötigste zulässt.
00:02:13: Es gibt niemanden mehr Keinen laut keine Bewegung.
00:02:19: Die Erkenntnis trifft sie nicht plötzlich sondern wie etwas dass sich langsam schwer und unwiderruflich auf ihre Seele legt.
00:02:29: Sie darf nicht bleiben.
00:02:31: Valentina steigt wieder ab den Hanken unter bis zur Baumgrenze, wo sie am Vorabend Zuflucht gesucht hat.
00:02:40: Die Stille begleitet Sie während sie weitergeht durch Nässe und durch Kälte.
00:02:47: Der Abstieg zieht sich über Stunden hin.
00:02:51: Irgendwann erreicht sie das Ufer des Nejnaja-Flusses Setzt sich, wickelt sich in ihre Plane Und wartet.
00:03:01: Das Rauschen des Wassers ist das erste Geräusch seit vielen Stunden das nicht vom Wind stammt.
00:03:08: Dann stimmen, Holzbretter schlagen gegen Wasser.
00:03:12: Touristen in Kayaks!
00:03:14: Valentina versucht sich bemerkbar zu machen aber sie sehen oder verstehen sie nicht?
00:03:19: Die Boote gleiten an ihr vorbei.
00:03:23: Vielleicht halten Sie sie für eine Wanderin die nur rastet und freundlich grüßen wollte?
00:03:28: Valentina hebt den Arm dann beide – sie schreit Doch ihre Stimme ist kaum mehr als ein Hauch.
00:03:35: Der Fluss verschluckt sie.
00:03:37: Die Kajaks gleiten weiter, und dann ein Zögerm.
00:03:42: Einer der Männer dreht sich um – er sieht sie genauer!
00:03:46: Sie steht, schwankt, hebt die Arme wieder, diesmal verzweifelt er.
00:03:51: Ein stummes Flehen über dem Lärm des Wassers.
00:03:56: Die Gruppe wendet.
00:03:57: Als sie anlandet, bricht Valentina in Sicht zusammen.
00:04:02: Die ersten Worte kommen nicht klar heraus.
00:04:04: Nur Fetzen, nur Schluchzen – aber es reicht!
00:04:08: Die Männer verstehen etwas Schreckliches ist geschehen und sie ist die einzige, die überlebt hat.
00:04:30: Willkommen zu Geschichten der Medizin dem Podcast über medizinische Schicksale historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle.
00:04:42: Ich bin Kerstin Ärztin und Erzählerin.
00:04:48: Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen.
00:04:51: Durch solchen Entdeckungen und dramatische Diagnosen Mal weltbewegend, mal ganz persönlich Immer medizinisch immer spannend Schaum Blut Und Kälteidiotie Eine Tragödie im Hochgebirge.
00:05:17: Wir befinden uns in südlichen Sibirien In einer der abgelegensten Bergregionen Russlands dem Chama-Daban-Gebirge.
00:05:27: Es liegt südlich des Baikalsees, nördlich der Mongolei und gehört geographisch zu Boyazien.
00:05:35: Von Berlin aus wären es sechstausend Kilometer Luftlinie von Moskau knapp viertausendvierhundert Kilometer.
00:05:44: Die Gegend wirkt auf der Karte fast leer als gäbe es dort nur Wälder, Täler Hochflächen unter Zwischen endlose Stille.
00:05:55: Es ist Anfang August, nineteenhundertdreiundneunzig.
00:05:59: Hochsommer!
00:06:00: Doch von den typischen Temperaturen um die zwanzig Grad ist in diesem Jahr kaum etwas zu spüren.
00:06:08: Ein ungewöhnlich kalter Wettereinbruch trifft die Region mit Regen, Sturm und sogar Schnee.
00:06:16: In höheren Lagen kann ein Temperatursturz hier innerhalb von Minuten eintreten – auch mitten im Sommer… Auch dann wenn niemand damit rechnet.
00:06:27: Das Kamar der Bahngebirge selbst ist alt, sehr alt!
00:06:33: Eines der ältesten Faltgebürge der Erde, dreihundertfünfzig Kilometer lang, zerklüftet, dicht bewaldet mit steilen Graten und offenen Plateaus die völlig ungeschützt im Wind liegen.
00:06:49: Für erfahrene Wanderer ist es ein beliebtes Ziel Aber auch ein Gebiet, das rasch lebensfeindlich werden kann, wenn sich das Wetter dreht oder eine Gruppe nicht optimal vorbereitet ist.
00:07:03: Politisch befindet sich Russland zu diesem Zeitpunkt erst im zweiten Jahr nach dem Ende der Sowjetunion.
00:07:10: Der Zerfall ist nineteenhundertneunzig endgültig besiegelt worden.
00:07:15: Viele Strukturen befinden sich noch im Übergang – vieles isst improvisiert auch im Rettungswesen und in der Organisation Touristischer Routen.
00:07:25: Es kommen immer wieder Wandergruppen aus Kassastan, die Strecke zwischen Petro Pavlovs in Nordkassastans und Irakutsk in Russland beträgt zwar mehr als dreitausend Kilometer – doch für Heiker jener Zeit sind lange Reisen im ehemaligen sowjetischen Raum nichts Ungewöhnliches!
00:07:47: Bevor wir jetzt richtig einsteigen möchte ich noch eines sagen.
00:07:52: Diese Folge war für mich wirklich schwierig zu recherchieren, weil die Faktenlage unglaublich unübersichtlich ist!
00:08:00: Was ist Fakt?
00:08:01: Was isst Fiktion?
00:08:03: Was hat sich über die letzten drei Jahrzehnte
00:08:06: dazugedichtet?!
00:08:08: Ich habe versucht, mich so gut es geht durch dieses Sammelsurium von Geschichten zu arbeiten und werde jetzt nur das berichten, was sehr wahrscheinlich aus ursprünglichen Quellen stammt.
00:08:20: Wie kam es zu den Ereignissen im Gebirge südlich des Baikalsees?
00:08:26: Ludmilla Corovina ist eine erfahrene und preisgekürte Bergführerin – sie kennt sich in dem Gebiet gut aus, hat hier schon oft Wandergruppen angeleitet.
00:08:37: Aber sie isst auch für ihre, sagen wir mal, taffe Einstellung zum Bergwandern bekannt!
00:08:44: Bei ihr ist eine Tour alles andere als ein Luxus-Trip.
00:08:49: Teilnehmer berichten von erschöpfenden Wanderungen ohne ausreichend Nahrung unter schwierigen Wetterbedingungen.
00:08:57: Ende Juli, nineteenhundertneunzig hat sich die einundvierzigjährige Ludmilla Corovina allerdings extra informiert.
00:09:05: Das Wetter soll schön bleiben Ideale Bedingungen für eine große Tour in Die Berge.
00:09:13: Dieses Mal wird es eine Wandergruppe aus Kasastan sein.
00:09:17: Sechs jugendliche und junge Erwachsene, drei weiblich, dreimännlich und zwischen fünfzehn-und vierundzwanzig Jahren alt – alle in guter körperlicher Verfassung und voller Abenteuerlust!
00:09:32: Am ersten August vielleicht auch einen Tag eher starten Sie?
00:09:37: Aber entgegen der Vorhersage bleibt das Wetter nicht schön.
00:09:42: Am zweiten oder dritten August erreicht die Gruppe den sogenannten Retransliatorpass, eine bekannte Anhöhe mit Funkmasten, die oft als Orientierungspunkt genutzt wird.
00:09:55: Dort schlagen sie ein Lager auf!
00:09:58: Das Wetter ist zu diesem Zeitpunkt bereits instabil – Regen, Nebel und immer wieder starker Windwerden
00:10:05: berichtet.".
00:10:07: Am vierten August kommt es zu einem markanten Wetterumschwung.
00:10:11: Mehrere Quellen bestätigen für diesen Tag starken, anhaltenden Regen, Sturmböen und sogar Schneefall in höheren Lagen – also genau dort wo sie sich aufhalten!
00:10:25: Aufgrund des durchnesten Materials kann die Gruppe kein Feuer entzünden — alle sind kalt, nass und
00:10:32: erschöpft.".
00:10:34: Für den nächsten Tag, den fünften August ist ein Treffen mit einer zweiten Wandergruppe geplant.
00:10:40: Jena in der sich Ludmilla Corovinas Tochter die ebenfalls Bergführerin ist befindet.
00:10:48: Zu diesem Treffen soll es aber nie kommen!
00:10:51: Die zweite Gruppe wartet geht schließlich davon aus dass Corovina und ihre jugendlichen Witterungsbedingt verzögert sind und setzt ihre Route fort.
00:11:03: Was an diesem fünften August am Berghang tatsächlich geschieht, wissen wir ausschließlich aus der späteren Aussage von Valentina Utuchenko.
00:11:14: Weitere unabhängige Zeugen gibt es nicht!
00:11:18: Fest steht nur – nach dem fünfte August jette niemand außer Valentina lebend aus dem Gebirge zurück.
00:11:26: Zwischen dem sechsten und neunten August bewegt sich Valentina allein durch das Gebiet bis sie am zehnten August von einer Gruppe ukrainischer Kayakfahrer an Ufer des Nizhnaya gesehen und schließlich geborgen wird.
00:11:42: Sie ist zunächst völlig verstummt, fast katatonisch vor Kälte und Schock – die ersten ukrainischen Kayakführer, die sie am Fluss entdeckten berichten später, dass sie zuerst kaum sprechen konnte, kaum zusammenhängende Worte fand.
00:11:59: Was sie dann jedoch aussagte wirft einen verstörenden Blick auf den Ausgang einer Hiking-Tour von sechs jungen Touristen mit ihrer Bergführerin.
00:12:11: Valentina berichtet, dass ich auf einem zwei-tausend dreihundert Meter hochgelegenen Plateau zwischen zwei Bergen am Morgen des fünften Augusts nineteenhundertneunzig folgendes ereignet habe – ein Teilnehmer Ihrer Wandergruppe Der dreihundzwanzigjährige Alexander Krusin habe morgens gegen zehn Uhr zu der Bergführerin Ludmilla Corovina gesagt, dass sie durch Nest sein und frieren würden.
00:12:42: Die Gruppe habe daraufhin ihre Rucksäcke zusammengepackt und in einer Reihe den Abstieg Richtung Neznaja-Tal begonnen.
00:12:50: Nachdem sie etwa zehn Meter abgestiegen seien sei Alexander zur Boden gestürzt.
00:12:56: Man habe versucht ihn wieder aufzurichten Doch er sei immer wieder umgefallen.
00:13:02: Corovina sei bei ihm zurück geblieben, während sie den anderen dem Befehl gegeben habe weiter abzusteigen.
00:13:10: Doch dann habe sie ihre Meinung geändert und gebeten das wieder jemand zu ihr Hochsteige.
00:13:17: Daraufhin hätten sich die übrigen unter einer Zeltplane vor dem Wetter geschützt, während Sie selbst – also Valentina – zu Coroviner hinaufgestiegen sei.
00:13:30: Also Alexander's Augensein riesig gewesen, sein Blick völlig leer und gleichgültig.
00:13:37: Corovina habe seinen Puls gefühlt und gesagt, dass ein Herz nicht mehr schlage.
00:13:45: Jetzt wird es ein bisschen weird – sie berichtet weiter!
00:13:50: Dann habe Coroviner Sie gebeten die sechzehnjährige Victoria nach unten zu ziehen.
00:13:56: Also scheint sich diese ja dann nicht bei den anderen, sondern oberhalb des kollabierten Alexanders aufgehalten zu haben.
00:14:04: Wie dem auch sei – Valentina erzählt weiter, dass sie zu Victoria hinaufgestiegen sei?
00:14:11: Diese Sie jedoch gebissen habe!
00:14:14: Dennoch habe sie sie zu den Anderen nach unten geschleppt.
00:14:18: In diesem Moment habe die vierundzwanzigjährige Tatjana angefangen, sich den Kopf gegen Steine zu schlagen.
00:14:26: Der neunzehnjährige Dennis habe sich in seinem Schlafsack verkochen.
00:14:31: Nun sei Valentina zu Corovina gekrochen, die aber nicht mehr geatmet habe.
00:14:37: Die anderen hätten sich auch nicht mehr bewegt.
00:14:40: Da haben sie sich auf den Weg gemacht weiter nach unten zur Baungrenze abzusteigen.
00:14:46: Dort haben Sie sich angezogen und mit einer Zeltplane zugedeckt.
00:14:53: Am nächsten Morgen sei sie wieder nach oben gestiegen, aber alle seien tot gewesen.
00:15:01: Diese Beschreibung würden manche Forensiker heutzutage wohl als mindestens inkonsistent einordnen – auf jeden Fall hinterlässt sie viele Fragezeichen.
00:15:12: Dazu kommt dass weitere Einzelheiten publik werden und nun wird es kompliziert denn es ist ganz schwer, zwischen Wahrheit und Dichtung im Sinne von Mund-zu-Mundpropaganda durch die Medien zu unterscheiden.
00:15:27: Aber Valentina soll auch berichtet haben, dass sowohl Alexander als auch die anderen Gruppenmitglieder vor ihrem Tod Schaum vor dem Mund gehabt haben sollen – und mindestens aus Nase und Ohren fraglich auch aus den Augen geblutet haben sollen?
00:15:45: Wenn man Valentinas Angaben richtig verstanden hat!
00:15:49: dann hätten sich alle noch lebenden, also die übrigen vier Heiker an den Hals gegriffen, Schaum vor dem Mund gehabt aus den Körperöffnungen am Kopf geblutet und sie seien innerhalb weniger Minuten auf dem windigen Hochplateau gestorben.
00:16:07: Die Bergung wird mehrfach verschoben.
00:16:09: Schlechtes Wetter, fehlende Hubschrauber, organisatorische Verzögerungen – nichts funktioniert zuverlässig!
00:16:18: und so erreicht das Rettungsteam den Ort der Tragödie erst am vierundzwanzigsten August, nachdem Wochen vergangen sind.
00:16:28: Die Suchmannschaften kämpfen sich durch wechselnde Wolkenbänder vorbei an den dunklen Flanken des Kalmar-Da-Bahn-Gebirges.
00:16:36: Tief unten liegt der Baikalsee – spiegelnd und kalt.
00:16:41: Darüber eine stille endlose Landschaft aus Bergrücken Tälern und windgepeitschten Hochflächen.
00:16:50: Der Hubschrauber setzt auf einer offenen Fläche auf, nur wenige hundert Meter von der Stelle entfernt die Valentina beschrieben hat.
00:16:59: Und dann sehen sie Sie!
00:17:02: Die Körper liegen so wie Sie gefallen sind.
00:17:06: Zwei im oberen Abschnitt der Hangkante, die anderen etwas weiter unten... ...der Wind bläst ungehindert über die Fläche.
00:17:15: Er hat hier vier Wochen lang alles erreicht, was nicht fest verankert war.
00:17:21: Die Leichen sind in einem Zustand der selbst erfahrene Retter verstummen lässt.
00:17:27: Einige tragen kaum noch Kleidung, dünne Strumpfhosen, leichte Unterwäsche – nichts!
00:17:34: Was an eine Bergtour erinnert.
00:17:37: Drei von ihnen sind Barfuß.
00:17:39: Bei anderen ist die Kleidungs teilweise verrutscht, zerrissen oder vom Wind weggeweht….
00:17:46: Was davon vor dem Tod geschehen ist, und was erst später durch Wetter-und Zeit lässt sich nicht unterscheiden.
00:17:55: Fraglich ist, ob Tierfraß stattgefunden hat.
00:18:00: In vielen späteren Berichten is die Rede von leeren Augenhöhlen.
00:18:04: Was sich aber nach einer dreivöchigen Liegezeit erklären lässt – Die Körper sind aufgedunsen und verfärbt.
00:18:12: Ein Geruch von Verwesung wie man ihn erwarten würde liegt jedoch nicht in der Luft!
00:18:17: Der Wind, der über die offene Fläche zieht hat alles fortgetragen, was sonst schwer erträglich wäre.
00:18:25: Die Retter berichten später – es fühlt sich merkwürdig still an dort oben, fast leblos ohne Vögel, ohne das übliche Summen und rascheln der Bergwelt!
00:18:37: Und Blut?
00:18:39: Von außen lässt sich nichts Sicheres erkennen.
00:18:42: Drei Wochen Schnee, Regen, Wind.
00:18:45: Jede Spur wäre längst verschwunden.
00:18:48: Ob es am Tag der Ereignisse äußere Blutungen gegeben hat, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen.
00:18:56: Was bleibt ist dieses Bild – eine verstreute Gruppe junger Wanderer, deren Körper in gespenstischer Ruhe in verschiedene Richtungen zeigend auf dem Hochplateau liegen?
00:19:07: Wie eingefroren in der Zeit!
00:19:11: Das Team markiert die Fundorte, dokumentiert alles und bereitet die Bergung vor.
00:19:17: Es ist eine stille, routinierte Arbeit – aber jeder hier weiß das dies kein gewöhnlicher Einsatz isst!
00:19:25: Die Leichen werden einzeln zum Hubschrauber gebracht.
00:19:28: Danach beginnt der Abstieg der Retter und die langsame, mühsame Aufgabe aus diesem verstörenden Fund irgendeine nachvollziehbare Geschichte zu rekonstruieren.
00:19:42: Man transportiert die Körper nach Ulan-Ude in die Hauptstadt Bojaciens, wo die Obduktionen stattfinden sollen.
00:19:50: Und nun müssen wir in Betracht ziehen dass wir uns erstens im tiefsten Sebirien befinden und zweitens natürlich nicht ganz klar ist ob man die Todesursache wirklich finden, beziehungsweise publik machen wollte.
00:20:06: Der Obduktionsbericht ist auf jeden Fall nicht sonderlich ergiebig!
00:20:11: Die Pathologen dokumentieren die äußeren Befunde und eröffnen anschließend die Körper.
00:20:18: Zur Toxikologie gibt es keine veröffentlichten Angaben – die inneren Untersuchungen ergeben folgendes….
00:20:26: innere Verletzungen oder Hinweise auf Gewalteinwirkung fehlen.
00:20:31: Bei fünf Personen, also alle bis auf Corovina und Valentina wird Unterkühlung als Todesursache angegeben.
00:20:42: Bei der Bergführerin Ludmilla Coroviner wird ein akutes Herzversagen festgestellt.
00:20:48: Die Pathologen erwähnen Lungenveränderung die zu einem Lungenödem –also einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge bei Unterkühlung passen könnten!
00:20:59: Auf wen genau sich dieser Befund bezieht, ist allerdings nicht ganz klar überliefert.
00:21:07: Das ist alles und die Leichenschau, die eigentlich Fragen beantworten soll, wirft noch mehr Fragen auf!
00:21:16: Kommen wir zum spannendsten Aspekt der heutigen Folge zur Ursachenforschung.
00:21:23: Bevor wir uns einzelnen Hypothesen widmen – ob Hypothermie oder etwas ganz anderes müssen wir eine grundlegende, medizinisch entscheidende Frage stellen.
00:21:36: Eine Frage die erstaunlicherweise in vielen Artikeln gar nicht vorkommt – obwohl sie der Schlüssel zu diesem ganzen Fall ist!
00:21:46: Wie wahrscheinlich ist es?
00:21:48: Dass sechs gesunde junge Menschen innerhalb weniger Minuten oder zumindest innerhalb eines sehr engen Zeitfensters sterben und zwar unter freiem Himmel ohne offensichtliche Gewalt, ohne Lawine, ohne Absturz.
00:22:07: Denn genau das ist die auffinde Situation!
00:22:11: Die Gruppe wird später nicht verstreut, nicht über Kilometer verteilt gefunden, sondern sehr nah beieinander an exakt jener Stelle, an der Valentina sie am Vortag verlassen habe.
00:22:25: Keiner der jungen Erwachsenen isst in den Wald geflüchtet – außer Valentina.
00:22:31: Keiner hat einen längeren Abstieg geschafft.
00:22:35: Keiner ist orientierungslos in eine andere Richtung gelaufen.
00:22:40: Sie sterben praktisch dort, wo sie stehen oder knien und kauern.
00:22:45: Das ist ungewöhnlich Sehr ungewönlich Denn eines ist aus medizinischer Sicht völlig klar Die von den Pathologen angenommen Hypothermie.
00:22:58: Also eine Unterkühlung Führt nicht zu synchronem Tod.
00:23:03: Nicht innerhalb von Minuten, nicht bei fünf verschiedenen Menschen – nicht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.
00:23:12: Unterkühlung ist ein langsamer Prozess.
00:23:15: Menschen trüben ein werden verwirrt, delirant entkräftet aber unterschiedlich schnell.
00:23:23: üblicherweise stirbt der Schwächste zuerst dann eventuell Stunden später der Nächste.
00:23:30: dass ein ganzer Trub gleichzeitig kollabiert, ist physiologisch nicht plausibel.
00:23:37: Und selbst wenn man annehmen wollte, daß sie fachlich schlecht ausgerüstet waren, hungrig durch Nest und erschöpft – Ein derartiger simultaner Kollaps ist damit nicht erklärbar.
00:23:51: Genauso wenig ein angeblicher Proteinmangel, der manchmal genannt wird und eventuell auch in der Autopsie vorkam.
00:24:01: Ein Proteinmangel entwickelt sich über Wochen bis Monate, nicht innerhalb von vier Tagen!
00:24:08: Diese Erklärung ist medizinisch schlicht unmöglich.
00:24:13: Woran also starben sechs Menschen fast gleichzeitig?
00:24:17: Man kann natürlich argumentieren das Valentiner sich geirrt hat dass ihre Erinnerungen verzerrt sind, das die beschriebenen Symptome Schaum vor dem Mund, Blut aus Nase und Ohren nicht der Realität entsprachen.
00:24:34: Das ist durchaus denkbar, Schock-, Panik-und Kälte verändern Wahrnehmungen massiv – aber selbst wenn man jede einzelne Beobachtung Valentinas anzweifelt, bleibt ein Nicht weg zu diskutieren der Befund!
00:24:51: Hätten die Todesfälle zeitlich weit auseinandergelegen, wären die Körper nicht beieinandergefunden worden.
00:25:01: Dann hätte jemand versucht weiter abzusteigen – dann hätte jemand vielleicht in Wald erreicht!
00:25:08: Dann hätte jemant orientierungslos in eine andere Richtung laufen können….
00:25:13: doch das ist hier nicht passiert.
00:25:16: Unterkühlung allein erklärt dieses Muster nicht ….
00:25:19: Erschöpfung allein erkliert es
00:25:21: nicht.".
00:25:23: Mangelernährung allein erklärt es erst recht nicht.
00:25:27: Und die Kombination dieser drei erklärt zwar einen geschwächten Organismus, aber keinen gleichseitigen Tod – vollkommen unabhängig davon wie fordernd die viertägige Tour gewesen sein mag!
00:25:43: Zwei Phänomene dieses Falles würden allerdings für eine Unterkühlung sprechen.
00:25:49: Die Pathologen haben Lungenveränderung festgestellt, die zu einem Lungen-Ödem passen könnten.
00:25:55: Schaumaustritt aus Mund und Nase auch blutig tangiert – passt dazu!
00:26:02: Kälte kann das Herz und die Lungen so schädigen dass genau eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge entsteht und der bei der Atmung entstehende Schaum durch die Luftröhre nach oben steigt.
00:26:17: Und dann wäre da noch die sogenannte Kälteidiotie.
00:26:22: Bei schwerer Unterkühlung kann es zu einem paradoxen Phänomen kommen, dabei gerät das Thermoregulationszentrum im Gehirn durcheinander.
00:26:33: Die Blutgefäße in Armen und Beinen, die sich zuvor eng zusammengezogen haben um die Wärme im Körper zu halten öffnen sich plötzlich schlagartig!
00:26:45: Warmes Blut strömt in die Körperoberfläche und genau in diesem Moment fühlt sich der Betroffene, obwohl lebensbedrohlich ausgekühlt.
00:26:56: Plötzlich heiß!
00:26:59: Dieses Hitzegefühl ist eine Fehlwahrnehmung des Gehirns.
00:27:03: Viele beginnen deshalb, sich auszuziehen oder sich unlogisch zu verhalten.
00:27:09: Es ist ein Zeichen dafür das die Unterkühlung einen Endstadium erreicht hat.
00:27:15: Wenige Minuten später kommt es meist zur Bewusstlosigkeit und zum Herzstillstand.
00:27:22: Behalten wir das mal im Hinterkopf?
00:27:25: Und fragen uns, welche andere physikalische oder chemische Größe auf alle fünf Wanderer gleichzeitig eingewirkt haben könnte!
00:27:36: Sie befanden sich auf einem Hochplateau in rund zwei Tausend Dreihundert Metern Höhe – Theoretisch kann sich eine Höhenkrankheit bereits ab etwa zweitausend Metern entwickeln, eher aber ab zweitausend Fünfhundert Metern.
00:27:55: Und dazu muss ich eines sagen….
00:27:58: Ich war selbst oft auf über Zwei- tausend Zweihundert Mettern höhe – zum Beispiel auf dem Nebelhorn im Allgäu!
00:28:06: Ein Gipfel der praktisch genauso hoch liegt wie jenes Plateau im Chamadabahn-Gebirge.
00:28:13: Und dort kippen die Menschen beim Skifahren nicht plötzlich um wie die Fliegen.
00:28:18: Sie brechen nicht Rheinweise zusammen, niemand erleidet kollektive Krampfanfälle!
00:28:24: Im Gegenteil – alle fahren fröhlich und mit viel Energie den Berg hinab.
00:28:30: Genau das ist der Punkt.
00:28:33: Höhenkrankheit tritt zwar auf… aber nicht so … und vor allem nicht gleichzeitig bei einer ganzen Gruppe.
00:28:42: Ja?
00:28:43: Schwere Formen, zum Beispiel verbunden mit einer Hirnschwellung können Halluzinationen erzeugen, Panik und Verwirrtheit.
00:28:52: Ein Lungen-Ödem ist eine bekannte Komplikation der Höhenkrankheit und würde die Schaumbildung vor dem Mund erklären.
00:29:01: Das wurde sogar zu Teilen von Valentinas Schilderung passen.
00:29:06: Aber ein Höhlenlungen-Üdem entwickelt sich über Stunden manchmal über Tage.
00:29:12: Es betrifft einzelne Personen nicht alle zur selben Zeit.
00:29:17: Und vor allem tritt es üblicherweise erst deutlich über dreitausend Metern auf, dass fünf junge körperlich fitte Menschen auf zwei tausend dreihundert Metern gleichzeitig Symptome entwickeln und innerhalb weniger Minuten daran verstarben während eine siebzehnjährige Begleiterin völlig unbeeinträchtigt bleibt ist einfach unplausibel.
00:29:45: Damit scheidet die Höhenkrankheit ebenfalls als gemeinsame Ursache aus.
00:29:51: Kommen wir also zur nächsten großen Gruppe.
00:29:53: mögliche Erklärung.
00:29:55: Toxische Einwirkungen.
00:29:58: Wenn Toxine eine Rolle gespielt hätten, müsste eines gelten.
00:30:03: Alle Betroffenen müssten in kurzer Zeit denselben Stoff aufgenommen haben und zwar in einer Dosis, die innerhalb von Minuten eine schwere potenziell tödliche Wirkung entfaltet.
00:30:17: Doch wie gelangen Toxine überhaupt in den Körper?
00:30:21: Grundsätzlich über drei Wege – erstens über Ingestition also durch den Mund zweitens über inhalation eingeatmete Dämpfe oder Gase und drittens über die Haut wobei Letzteres bei akuttödlichen Substanzen selten ist und fast immer Spuren hinterlässt.
00:30:43: Beginnen wir mit dem naheliegendsten Weg in Gestition.
00:30:48: Was könnte die Gruppe zu sich genommen haben?
00:30:53: Wächst in der Region etwas, das so stark toxisch ist, dass es in Minuten zu Krämpfen, Halluzinationen oder Kreislaufzusammenbrüchen führt?
00:31:03: Die Antwort ist Nein!
00:31:06: nicht in dieser Form.
00:31:07: Es gibt in Sibirien zwar giftige Pflanzen, aber keine die in dieser Geschwindigkeit ein derart simultanes hochdramatisches Geschehen auslösen und schon gar nicht ohne vorherige Magendahmsymptome wie Erbrechen und Ohne Stunden zwischen Aufnahme und Wirkung.
00:31:28: Bleibt die Frage?
00:31:30: Könnte jemand Nahrungsmittel mitgebracht haben, die kontaminiert
00:31:34: waren?".
00:31:35: Auch das wäre denkbar, theoretisch.
00:31:40: Aber praktisch müsste eine einzelne Person gezielt eine toxische Dosis für sechs Menschen vorbereitet haben oder für fünf wenn diese Person sich selbst nicht vergiften wollte.
00:31:55: Das führt zwangsläufig zu dem Wort dass man nur ungern ausspricht Mord.
00:32:02: doch warum?
00:32:04: Es gibt keinerlei Hinweise auf Konflikte in der Gruppe, keine Spuren, keine Motive.
00:32:10: Und vor allem Valentina selbst hätte dann entweder ebenfalls betroffen sein müssen oder die Mörderen sein müssen – mit siebzehn Jahren!
00:32:21: Sie hat dieselben Wege benutzt, dieselben Rationen geteilt und dieselben Trinkwellen genutzt.
00:32:28: Bleibt die Wasserquelle?
00:32:30: Die Gruppe befindet sich im alpinem Gelände.
00:32:33: Schmelzwasser und Gebirgsbäche gelten normalerweise als sauber.
00:32:37: Und tatsächlich gibt es keine Dokumentation, dass in dieser Region natürlich vorkommende Substanzen existieren die innerhalb von Minuten toxisch auf das zentrale Nervensystem wirken.
00:32:50: Auch hier gilt eine Vergiftung durch Wasser verursacht meist Übelkeit Durchfall Neurologische Störungen Aber nicht ein Abhub simultanen Zusammenbruch bei fünf Menschen.
00:33:05: Damit rückt eine letzte Unterkategorie in den Fokus, eingeatmete Toxine – also Gase oder Aerosole.
00:33:16: Dieser Bereich wird später noch wichtig werden, denn nur bei inhalativen Substanzen könnten tatsächlich mehrere Menschen gleichzeitig betroffen sein ohne dass sie etwas zu sich genommen haben.
00:33:31: Das Spektrum ist groß.
00:33:33: Von ganz natürlichen Gasen, Vulkanismus, geogene Ausgasung, Schwefelwasserstoff bis hin zu Menschen gemachten Substanzen wie Industriechemikalien oder sogar Kampfstoffe.
00:33:47: Doch wie realistisch ist das auf einem offenen Hochplateau im Chamada-Bahngebirge?
00:33:55: Zunächst die Gegend ist nicht vulkanisch aktiv!
00:34:00: Es gibt keine bekannten geothermischen Quellen, keine Gäsiere, keine Gruben, keine Höhlen aus denen coolen Dioxid oder Schwefelwasserstoff austreten könnte.
00:34:12: Solche Gasansammlungen entstehen vor allem in Senken, Höheln- oder geschlossenen Tälern – nicht auf einem offenen stark windexponierten Gebirgsplato.
00:34:23: Ein natürlicher Gasaustritt ist hier also extrem unwahrscheinlich!
00:34:29: bleibt die Möglichkeit menschengemachter Stoffe.
00:34:33: Und tatsächlich im Internet kursiert hartnäckig die Theorie, dass die Gruppe in den Einflussbereich eines militärischen Versuchs eine Altlast oder sogar eines Nervengases geraten sei.
00:34:46: Der Gedanke drängt sich auf weil viele der beschriebenen Symptome – Krämpfe, Erstickungsgefühle, Herzstillstand, Schaum vor dem Mund theoretisch zu einem starken neurotoxischen Wirkstoff passen könnten.
00:35:01: Doch theoretisch ist nicht praktisch, es gibt mehrere klare Gegenargumente.
00:35:09: Erstens war das Gebiet ein beliebtes Wander- und Touristenziel.
00:35:14: Mehrere Gruppen waren gleichzeitig unterwegs – eine militärische Übung mit toxischen Substanzen an einem öffentlich frequentierten Ort wäre sondern logistischer Wahnsinn.
00:35:28: Zweitens hätte auch Valentiner Symptome zeigen müssen, sie stand neben der Gruppe, sie half beim Tragen.
00:35:35: Sie stieg am nächsten Tag sogar wieder hinauf in den potentiellen Gefahrenbereich.
00:35:41: Sie blieb noch Tage in der Gegend doch sie zeigt keinerlei Zeichen einer Vergiftung.
00:35:48: Drittens fand die Autopsie auch keinen indirekten Hinweis auf ein Nervengift oder ein anderes inhalatives Toxin.
00:35:56: Zugegeben, nach drei Wochen Verwesung sind viele Veränderungen schwer beurteilbar – aber typische Sekundärbefunde etwa massive Schleimhautschädigungen wurden nicht beschrieben.
00:36:09: Viertens militärische Altlasten dieser Art sind in der Region nicht dokumentiert.
00:36:15: und auch hier gilt hätte ein gefährliches Gas frei in der Landschaft gestanden, wären weitere Wanderer, Tiere oder helfende Bergretter betroffen gewesen.
00:36:27: Das war nicht der Fall!
00:36:29: Bleiben wir nüchtern – eine inhalative Vergiftung ist rein theoretisch denkbar aber es gibt keinen einzigen belastbaren Hinweis, der sich stützen würde.
00:36:42: Was aber bleibt?
00:36:43: Ist die Frage nach den Symptomen.
00:36:46: Denn wenn die Erzählung von Krämpfen, Atemut und Schaum zumindest teilweise stimmt – egal wie verzerrt durch Schock oder Erinnerungslücken – dann müssen diese Erscheinungen physiologisch irgendwo herkommen.
00:37:01: Wenn wir also bis hierhin keine physiologische, also keine körperliche Ursache gefunden haben… Dann stellt sich die nächste Frage ….
00:37:10: Könnte die Ursache psychisch sein?
00:37:14: Natürlich wird Panik in dieser Situation eine Rolle gespielt haben.
00:37:18: Zwei Menschen sterben unmittelbar vor den Augen der anderen, erst Alexander dann Corovina – das ist ein massiver psychischer Schock!
00:37:28: Und ja extreme emotionale Ausnahmezustände können merkwürdige körperliche und gruppendynamische Reaktionen auslösen.
00:37:37: Man denke nur an Folge Nr.
00:37:41: bei dem eine ganze Notaufnahme Symptome entwickelte, die später kaum noch erklärbar waren.
00:37:48: Aber – und hier liegt der entscheidende Punkt – solche psychogenen Phänomene zum Beispiel im Rahmen einer soziogenen Massenerkrankung erklären viel Chaos, viel durcheinander, viel Verwirrung aber die körperlichen Symptomen gehen selten über Bewusstlosigkeit hinaus.
00:38:10: zusammengefasst Sie erklären keine fast zeitgleiche körperliche Dekompensation von fünf gesunden jungen Menschen.
00:38:20: Panik kann Menschen schreien lassen, fliehen lassen, hyperventilieren lassen.
00:38:25: Panika Einzelne über eine Überstimulation des vegetativen Nervensystems in einen Herzinfarkt treiben.
00:38:33: Aber Panik bringt keine ganze Gruppe von Menschen dazu innerhalb von Minuten bewusstlos zu werden und zu sterben!
00:38:42: Mit anderen Worten, psychische Mechanismen können das Verhalten vielleicht teilweise erklären.
00:38:49: Aber sie erklären nicht das Sterben!
00:38:52: Damit bleibt auch diese Hypothese als Gesamtursache unplausibel.
00:38:59: Und da stehen wir nun – dreißig Jahre später.
00:39:03: Die Ermittlungen sind abgeschlossen, die Akten längst verstaubt und trotzdem hängt diese Frage immer noch über dem Chamada-Bahn wie ein kalter Windstoß.
00:39:16: Bleibt dieser Fall für immer ein Cold Case?
00:39:20: Ein Fall, der uns zwingt, immer wieder hinein zu blicken, obwohl die Spuren längst verweht sind?
00:39:28: Vielleicht!
00:39:30: Aber bevor ich genau dieses tue, lohnt sich einen Blick in das – nennen wir es freundlich – alternativ wissenschaftliche Universum Denn dort wimmelt es nur so von Hypothesen.
00:39:45: Da wäre zum Beispiel die Theorie der Dimensionsrisse.
00:39:50: Nach dieser Vorstellung öffnet sich auf dem Plateau ein kosmisches Fenster, Die Wanderer treten unbemerkt über eine Art energetische Schwelle und verschwinden fast vollständig aus dieser Realität – Nur Valentina schafft es zurück!
00:40:08: Man hört das Sibirien ist groß, aber so groß?
00:40:16: Noch beliebter Aliens.
00:40:18: Natürlich!
00:40:20: Wer wenn nicht eine außerirdische Expedition sollte ausgerechnet sechstfüllig durchnässte Teenager aus Kazakhstan ins Visier nehmen – die Erzählung klingt wie eine Mischung aus Akte X und sibirischer Mythologie.
00:40:36: Und genau deshalb lieben die Leute sie oder die Sache mit dem Infrasound.
00:40:43: Unsichtbare Schallwellen, die angeblich Panik, Halluzination und unkontrollierbare Bewegungen auslösen sollen.
00:40:52: Interessant!
00:40:54: Aber Infrasount tötet Menschen nicht reinweise innerhalb von Minuten – wenn er das täte wären in jeder kathedrale Europas nach dem Orgelbass Dutzende Menschen umgefallen.
00:41:08: Dann finden wir noch Klassiker wie geheime Militärversuche, Bio-Waffen, unbekannte Pathogene aus dem Permafrost, radioaktive Wolken – alles wunderbar dramatisch.
00:41:22: Alles vollkommen haltlos!
00:41:25: Das sind Theorien die sich ein Fall einhandelt wenn er kalt ist.
00:41:30: Wenn niemand mehr neu untersucht, wenn die einzige Zeugen traumatisiert und Fantasie wächst.
00:41:41: Und jetzt?
00:41:42: Jetzt stellt sich die Frage, die euch wahrscheinlich genauso auf der Zunge liegt wie mir!
00:41:49: Gibt es denn überhaupt eine Erklärung, die ohne Aliens Portale- und geheime Labore auskommt?
00:41:56: oder bleibt der Chama-Dabran Vorfall eines dieser ewigen Rätsel über die man nur den Kopf schütteln kann?
00:42:03: Ich kann Euch natürlich keine amtliche Lösung präsentieren Denn die gibt es schlicht nicht.
00:42:10: Aber ich lasse euch nicht im Regen stehen!
00:42:14: Ihr habt jetzt über dreißig Minuten mit mir durch Autopsieberichte, Wetterdaten, medizinische Mechanismen und jede Menge Falschmeldung navigiert – also seid ihr bereit?
00:42:29: Hier kommt mein Vorschlag.
00:42:31: Keine Gruselgeschichte, kein Mysterium … sondern Ein Erklärungsversuch, der alles vereint was wir wissen.
00:42:41: Medizinisch physiologisch psychologisch und der den Ereignissen am Wahrscheinlichsten gerecht wird.
00:42:51: Ich behaupte nicht dass es so war.
00:42:54: allerdings unterscheidet sich meine Annahme deutlich von dem was man sonst über diesen Fall hört.
00:43:01: Die Gruppe ist tagelang im Regen und in zunehmender Kälte Möglicherweise tatsächlich mit unzureichender Verpflegung durch das Gebirge gewandert, rund sechzig Kilometer weit.
00:43:16: Dann kommt der Wetterumschwung und alles wird noch kälter, noch nasser!
00:43:21: Sie hocken ohne Windschutz, ohne Feuer völlig durch Nest auf einem exponierten Hochplateau oberhalb der Baumgrenze.
00:43:31: Sie sind erschöpft, sie frieren und spätestens in der Nacht vom vierten auf den fünften August entwickelt sich bei fast allen eine schwere Unterkühlung.
00:43:42: Sie werden lethargisch – und nehmen gar nicht mehr richtig wahr wie schlecht es ihnen bereits geht!
00:43:50: Am Morgen des fünfte August stirbt Alexander an einem klassischen, hypothermie-bedingten Lungenüdem.
00:43:58: Er ertrinkt an der Flüssigkeit, die seine Lungenbläschen überflutet.
00:44:04: Kurz vor seinem Tod in dem verzweifelten Versuch noch zu atmen, mischen sich Luft und Flüssigkeiten zu einem Schaum, der durch die Luftröhre nach außen gedrückt wird – oft mit Blut vermischt!
00:44:18: Das erklärt den blutigen Schaume an Mund-und Nase.
00:44:21: Der Tod tritt danach rasch ein.
00:44:25: Als Ludmilla das sieht geschieht etwas völlig Menschliches.
00:44:29: Sie bricht emotional zusammen.
00:44:32: Alexander war nicht irgendein Teilnehmer, sie kannte ihn seit Jahren – sie war verantwortlich für ihn!
00:44:39: Und in diesem Moment, indem sie begreift, dass er tot ist, erleidet sie sehr wahrscheinlich einen plötzlichen Herz tot durch eine akute Rhythmestörung oder ein Entfarkt … oder
00:44:53: beides.".
00:44:54: Unterkühlung, Erschöpfung, Stress und Entsetzen sind einfach zu viel für Sie.
00:45:00: Da ist keine Mystik nötig!
00:45:04: Damit verliert die Gruppe innerhalb weniger Minuten zwei Menschen.
00:45:09: Doch jetzt kommt der entscheidende Punkt.
00:45:13: Die übrigen Vier rennen nicht panischer rum – wie oft kolportiert.
00:45:18: Dafür sind sie viel zu erschöpft.
00:45:22: ausgekühlt, unterzuckert, dehydriert.
00:45:25: In diesem Stadium einer schweren Hypothermie werden Bewegungen immer langsamer – die Orientierung schwindet, die Kraft verlässt den Körper bis man schließlich bewegungsunfähig wird!
00:45:38: Sie rennen also nicht, sie schreien nicht, haben keine Kraft mehr.
00:45:44: Aber sie sterben natürlich auch nicht gleichzeitig oder innerhalb von Minuten.
00:45:49: Sie leben zu diesem Zeitpunkt
00:45:51: noch.".
00:45:52: Und Valentina?
00:45:54: Sie ist die einzige, deren Zustand noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist.
00:45:59: Ihr Körper funktioniert noch und sie spürt Angst – ein lebensretter Impuls!
00:46:04: Sie erkennt was in diesem Zustand viele nicht mehr wahrnehmen.
00:46:10: Wenn sie bleibt stirbt sie also geht sie während die anderen noch leben.
00:46:18: Sie steigt zur Baumgrenze ab Dorthin, wo sie endlich Winschutz findet.
00:46:23: Es ist die einzig richtige Entscheidung!
00:46:27: Sie kann den anderen nicht helfen – niemand hätte es gekonnt.
00:46:32: Später sagt sie aus, sie sei am nächsten Tag zurückgekehrt um den Toten die Augen zu schließen.
00:46:39: Das halte ich für unwahrscheinlich.
00:46:42: Welche siebzehnjährige kehrt freiwillig an einen Ort zurück, den sie selbst als Schauplatz eines Grauens beschrieben hat zu sechs Toten.
00:46:53: Sie war allein im Gebirge, sie braucht Ausrüstung, Verpflegung, Dinge die ihr überleben sichern können.
00:47:01: also steigt sie wieder auf um mitzunehmen was sie braucht.
00:47:07: und ja zu diesem Zeitpunkt ein oder vielleicht auch zwei Tage nach dem Tod der ersten beiden sind die anderen inzwischen gestorben.
00:47:20: Und nun kommen wir zu einem Phänomen, unter dem Überlebende oft leiden.
00:47:26: Sie fühlen sich schuldig!
00:47:29: Sie schämen sich!
00:47:30: Menschen die nichts falsch gemacht haben, fühlen sie schuldigt weil sie überlebt haben….
00:47:36: und so erzählt Valentina eine Geschichte, die ihr eigenes Überleben erklärbar macht – gespeist aus Schock, Furcht fragmentarischen Erinnerungen und den realen Symptomen der Sterbenen, die sie in ihrer Wahrnehmung umdeutet und dramatisiert.
00:47:56: Und daraus entsteht ein Horrorszenario aus Panik, Beißen, Kopfschlagen und viel Blut.
00:48:04: Wenn man ihre Erzählung von diesen Verzerrungen befreit bleibt ein relativ klares medizinisches Bild zurück.
00:48:13: So könnte es gewesen sein.
00:48:15: Alle sind nach den Strapazen und im Wetterumschwung unterkühlt, Alexander stirbt daran, Ludmilla stirbt aus Entsetzen.
00:48:24: alle anderen Sterben nach und nach ganz klassisch an schwerer Hypothermie.
00:48:30: Und die siebzehnjährige Valentina erzählt eine Geschichte, Die ihr Gehirn aus Fakten und Fiktion zusammengesetzt hat Keine Chemiewaffen Keine Gase, keine Aliens, keine Dimensionsrisse.
00:48:46: Nur ein tragischer medizinisch plausibler Ablauf!
00:48:52: Nun ist die Welt um eine Hypothese zum Chama-Dabern fallreicher und ich definitiv um ein paar verbrauchte Hirnzellen ärmer – nur der Vollständigkeit halber.
00:49:06: Hirnzen verbrauchen sich nicht ganz im Gegenteil.
00:49:10: Use it or lose it.
00:49:12: Aber was denkt ihr über dieses Mysterium?
00:49:15: Habt ihr auch eine Theorie?
00:49:18: Wenn ja, schreibt sie gerne in die Kommentare.
00:49:21: Ich bin gespannt!
00:49:22: Ich für meinen Teil werde sicher noch häufiger an diese Gruppe junger Menschen denken, die sicher nicht im Entferntesten mit dem gerechnet haben, was ihnen dort widerfahren ist – was immer das auch gewesen sein
00:49:37: mag.".
00:49:40: Das war Geschichten der Medizin Wo Vergangenheit, Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen.
00:49:50: Ob weltbewegend oder ganz persönlich – die nächste Geschichte wartet schon!
00:49:57: Bis dahin bleibt gesund.
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